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Wettskandal: «Es wird noch einige Überraschungen geben»
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Erste Hinweise «vor zwei, drei Monaten»
Signale darauf, dass der europäische Fussball inklusive Schweizer Challenge League von einem riesigen Wettskandal betroffen ist, erhielt Thomas Grimm «vor zwei, drei Monaten». Der Präsident der Swiss Football League (SFL) hatte aus sicherer Quelle entsprechende Informationen erfahren und fiel deshalb am Freitag nicht aus allen Wolken, als die Nachricht publik wurde. «Ich wusste, dass in Deutschland die Behörden ermittelten, kannte aber weder das Ausmass noch den Zeitpunkt der Veröffentlichung», sagt Grimm.
Die Bundesanwaltschaft hat auf heute ein Treffen mit Vertretern der SFL sowie des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) anberaumt. Ausserdem hat die Uefa die vom Skandal betroffenen Verbände für Mittwoch nach Nyon eingeladen. Dann sollen weitere Details bekannt gemacht werden.
Challenge League
30. Runde
| 23.05. | SC Bruhl - Delemont | 1 : 1 |
| 23.05. | Kriens - Locarno | 2 : 3 |
| 23.05. | Aarau - Etoile Carouge | 7 : 0 |
| 23.05. | Bellinzona - Wohlen | 5 : 0 |
| 23.05. | Chiasso - Biel | 2 : 4 |
| 23.05. | FC Vaduz - St.Gallen | 1 : 2 |
| 23.05. | Wil - Lugano | 1 : 1 |
| 23.05. | Winterthur - Stade Nyonnais | 2 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | St.Gallen | 30 | 19 | 7 | 4 | 67:31 | 64 |
| 2. | Aarau | 30 | 18 | 5 | 7 | 64:34 | 59 |
| 3. | Bellinzona | 30 | 18 | 5 | 7 | 49:21 | 59 |
| 4. | Winterthur | 30 | 15 | 8 | 7 | 44:29 | 53 |
| 5. | Lugano | 30 | 14 | 7 | 9 | 44:38 | 49 |
| 6. | Wil | 30 | 12 | 10 | 8 | 59:41 | 46 |
| 7. | Chiasso | 30 | 11 | 12 | 7 | 34:23 | 45 |
| 8. | FC Vaduz | 30 | 13 | 6 | 11 | 54:45 | 45 |
| 9. | Locarno | 30 | 12 | 9 | 9 | 47:44 | 45 |
| 10. | Biel | 30 | 12 | 7 | 11 | 55:54 | 43 |
| 11. | Wohlen | 30 | 9 | 9 | 12 | 39:44 | 36 |
| 12. | Stade Nyonnais | 30 | 8 | 10 | 12 | 41:49 | 34 |
| 13. | Etoile Carouge | 30 | 8 | 6 | 16 | 25:56 | 30 |
| 14. | Delemont | 30 | 4 | 8 | 18 | 24:60 | 20 |
| 15. | Kriens | 30 | 4 | 5 | 21 | 37:66 | 17 |
| 16. | SC Bruhl | 30 | 4 | 4 | 22 | 30:78 | 16 |
Es war ein Samstagnachmittag im Sommer, unfreundlich das Wetter, und der Ort des Geschehens Portalban am Neuenburgersee. Ein Agent hatte ein Vorbereitungsspiel zwischen dem FC Sion und den Bosniern von NK Travnik vereinbart, Zuschauer gab es praktisch keine. Die Sittener gewannen mühelos 4:1 und hatten den Eindruck, eine tadellose Leistung abgeliefert zu haben. Inzwischen ist Travnik aber in den Fokus der Ermittler des Wettbetrugs geraten. Der Verein soll sein Trainingslager in der Schweiz mit finanzieller Unterstützung eines asiatischen Wettsyndikats finanziert haben. Als Gegenleistung, so lautet nun der Verdacht, habe Travnik unter anderem gegen Sion verlieren müssen. Mit mindestens drei Toren Differenz.
Sions Präsident Christian Constantin geht davon aus, dass NK Travnik die Partie verkauft hat - und dass damit erst die Spitze des Eisbergs zum Vorschein gekommen ist. Er selber wendet eigene Methoden an, um gegen Manipulationsversuche anzukämpfen. Zum Beispiel, indem er Telefonate seiner Spieler vor brisanten Begegnungen abhören lässt.
Christian Constantin, seit wann wissen Sie, dass der Wettbetrug in Europa auch den Schweizer Fussball erfasst hat?
Ich hörte im Frühling von einem Mann, welcher der Uefa nahesteht, dass Ermittlungen im Gang sind. Als ich weitere Informationen besass, gab ich sie vor einem Monat den Kollegen der anderen Vereine sowie Liga- Präsident Thomas Grimm weiter.
Mit welchen Informationen wurden Sie versorgt?
Dass Spiele der Challenge League manipuliert worden und offenbar Tessiner Vereine involviert seien. So viel ich heute weiss, wird es noch einige Überraschungen geben.
Konkret?
Angeblich sind Spieler, Trainer und auch Schiedsrichter involviert. Dass in der Super League auch manipuliert wird, schliesse ich hingegen aus. Aber was vorliegt, liefert genügend Stoff für Diskussionen. Davon bin ich überzeugt.
Schockieren Sie diese Nachrichten?
Wenn ich sehe, welche Dimensionen das Wettgeschäft vor allem im Internet angenommen hat, kann ich nicht richtig schockiert oder total überrascht sein. Oder nehmen wir das Beispiel Gianluigi Buffon. Er gilt als wettfreudiger Goalie, der vor der WM 2006 in den Verdacht geriet, in einem Spiel in Süditalien auf ein Unentschieden seiner Mannschaft Juventus gesetzt zu haben. Beim Stand von 2:1 für Juve stürmte Buffon kurz vor Schluss wie eine Furie aus dem Tor und verursachte, offensichtlich beabsichtigt, einen Elfmeter für den Gegner. Das 2:2 fiel... Mich kann nicht mehr viel überraschen.
Was sagt Ihnen dieses Beispiel?
Wo viel Geld im Spiel ist, sind einige Leute zu allem bereit. Ich komme wieder mit den Internetwetten. Das ist extrem gefährlich für unseren Sport. Wissen Sie, was da alles möglich ist? Ich kann nicht nur Geld darauf setzen, wem in der ersten Viertelstunde der erste Treffer glückt, sondern ob er mit dem linken oder rechten Fuss erzielt wird, nach einem Corner, einem Einwurf, einem Freistoss. Das ist ein unendliches Feld. Und wir in der Schweiz haben immer noch das Sport-Toto... Ich wusste allerdings nicht, dass man auch auf Vorbereitungsspiele wetten kann. Das Feld ist völlig offen.
Erscheint Ihnen mit diesem Wissen das Testspiel von Sion gegen die Bosnier von Travnik in einem anderen Licht?
Ja, zumal es gerade in solchen Begegnungen kaum Zuschauer und schon gar keine Fernsehkameras gibt. Das erleichtert den Betrügern die Arbeit. Damals regnete es, vielleicht 50 Leute schauten zu. Wem sollte da etwas auffallen?
Eine Kontrolle über die Wetten und ihre Anbieter scheint doch aussichtslos.
Ich habe Fifa-Präsident Sepp Blatter auch schon gebeten: Die Fifa muss die Kontrolle übernehmen. Die Wettanbieter bewegen sich alle ausserhalb des Fussballs. Es wäre doch viel gescheiter und übersichtlicher, wenn der Fussball im Wettgeschäft den Lead hätte. Gewarnt habe ich schon vor drei, vier Jahren. Nur zugehört hat mir keiner.
Wetten Sie selber auch?
Nie. Ich will mein Geld nicht auf diese Weise und auch nicht im Casino verdienen.
Wetten Ihre Spieler? Ich kontrolliere und überprüfe alles, so weit das eben möglich ist. Dazu bin ich verpflichtet. Wenn ich etwas bemerke, was nicht sauber ist, verfolge ich die Spur. Wir müssen alles untersuchen und kontrollieren.
Stimmt es, dass Sie dafür Telefonate der Spieler abhören lassen?
Ja.
Mit gutem Gewissen?
Natürlich. Es ist ja absolut legal. Ich beantrage beim kantonalen Richter vor brisanten Partien, dass Telefonate abgehört werden. Wenn ich einen begründeten Verdacht habe, kann ich diese Massnahme anwenden.
Wann machten Sie das zuletzt? Vor dem Cupfinal im Mai gegen YB.
Welche Telefonate liessen Sie abhören? Auch die des Schiedsrichters?
(schmunzelt) Nein, nein, nur die meiner Spieler. Und noch einmal: Das ist absolut legal. Ich gehe rigoros gegen Korruption vor.
Gab es schon einmal irgendwelche Auffälligkeiten?
Als wir 1994 im Europacup gegen Marseille antraten, bekam unser Spieler Roberto Assis 40 Anrufe von einem hohen Olympique-Funktionär. Marseille wollte nach der 0:2- Niederlage im Hinspiel das Rückspiel kaufen.
Und?
Logischerweise stiegen wir nicht darauf ein - und kamen sauber eine Runde weiter. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.11.2009, 12:15 Uhr
Sport
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!




