Beg Ferati, FCB-Notnagel mit Ambitionen

Von Christoph Kieslich. Aktualisiert am 13.03.2010

Weil Cagdas Atan am Sonntag (16:00 Uhr) beim Auswärtsspiel gegen den FC Luzern eine Gelb-Sperre absitzt, rückt Beg Ferati neben David Abraham in die Innenverteidigung des FC Basel.

Alles, was ein Verteidiger braucht: Beg Ferati ist schnell, mit einem guten Auge
für die Spielauslösung und einem guten Passspiel.

Alles, was ein Verteidiger braucht: Beg Ferati ist schnell, mit einem guten Auge für die Spielauslösung und einem guten Passspiel. (Bild: EQimages)

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Eigentlich sollte es ein Gespräch über das Wetter werden, über sein Verhältnis zu Franco Costanzo und das Spiel in Emmenbrücke. Eigentlich. «Es reicht jetzt mit dem Winter», stöhnt Beg Ferati und blickt am Donnerstag aus dem St.-Jakob-Park hinaus ins Schneetreiben. Das Vormittagstraining reduzierte sich mal wieder auf den Fitnessraum. Ansonsten vagabundiert der FCB zwischen dem Rankhof und dem Kunstrasen auf der Schützenmatte.

Einen traurigen Anblick bietet der Trainingsplatz bei der Grün 80, auf dem die Ballarbeit zurzeit wenig Spass bereitet. Immerhin sind es Verhältnisse, die einen Vorgeschmack auf das geben, was den FCB am Sonntag im Stadion Gersag erwartet: «Es wird nur über den Kampf gehen», ahnt Ferati.

Sein Rückblick auf das hässliche Rencontre mit Captain Franco Costanzo im August fällt unaufgeregt aus: «Die Sache ist vergessen», sagt Ferati ein halbes Jahr später. Früher seien sie sich «distanziert» begegnet, erzählt der 23-Jährige, seither pflege man «einen offeneren Umgang». Die Auseinandersetzung vor den Augen der Zuschauer und den TV-Kameras hatte offenbar die Wirkung eines reinigenden Gewitters zwischen dem Argentinier Costanzo und dem Kosovo-Albaner Ferati, der seit seinem zweiten Lebensjahr in Pratteln lebt.

Der Notnagel will eigentlich weg

Und dann sagt Ferati unvermittelt: «Im Sommer will ich eigentlich weg.» Zwei Jahre lang, zwischen 2006 und 2008, hatte ihn der FCB beim FC Concordia geparkt, seither gehört er dem Profikader der Rotblauen an, er brachte es in der ersten Saison unter Christian Gross auf fünf, im zweiten Jahr dann auf 18 Einsätze in der Super League. Einer der Höhepunkte für den 14-fachen Schweizer U21-Nationalspieler war das Remis in Barcelona, das auch seiner starken Abwehrleistung zu verdanken war.

In dieser Saison kommt Ferati auf 446 Einsatzminuten in zehn Meisterschaftsspielen. Er ist hinter dem Gespann Abraham/Cagdas der Notnagel der FCB-Abwehr. «Sieht ganz danach aus», sagt Ferati, der am Sonntag den Gelb-gesperrten Cagdas ersetzen wird.

In hervorragender Verfassung

Weg wollte Beg Ferati – eigentlich – schon in der Winterpause. Dem hat der FCB aus guten Gründen einen Riegel vorgeschoben. Denn mit seinen Qualitäten – schnell, mit einem guten Auge für die Spielauslösung und einem guten Passspiel – erfüllt Ferati die Anforderungen an einen modernen Innenverteidiger. Eigentlich. Käme er regelmässiger zum Einsatz, wäre nicht auszudenken, wo Ferati stehen könnte, jetzt, wo Ottmar Hitzfeld ein veritables Besetzungsproblem in der Abwehrzentrale der Nationalmannschaft mit sich herumschleppt.

«Der Trainer sagt, ich habe alles», schildert Ferati seine Situation in Basel, «mir fehlt eigentlich nichts. Ich gebe in jedem Training und in jedem Testspiel einhundert Prozent, und ich glaube, der Trainer sieht das.» Ferati erklärt auch, was ihn über Wasser hält: «Das Gute ist, dass der Trainer sehr positiv ist. Er macht immer Mut, auch in schwierigen Phasen.» Thorsten Fink bestätigt Feratis Selbstwahrnehmung: «Er macht einen guten Eindruck und ist in hervorragender Verfassung.»

Endlich schmerzfrei

Das konnte Ferati lange Zeit nicht von sich behaupten. Erst vergangenen Spätsommer kamen Ärzte im Merian-Iselin-Spital seinen fast schon chronischen Beschwerden auf die Spur: Ein Riss im Knorpel im rechten Hüftbereich. Nach der Saisonvorbereitung, schildert Ferati, sei die Beeinträchtigung so gravierend gewesen, dass ihm sogar das Gasgeben beim Autofahren Qualen bereitete. Nun, dank spezieller Therapie, mit der die Hüftmuskulatur mobilisiert wird, ist er schmerzfrei. Was zum vollkommenen Glück fehlt, ist nur mehr Einsatzzeit. Eigentlich.

«Ich lasse den Kopf deswegen nicht hängen», sagt Ferati. Bernard Challandes, erzählt er, hätte ihn gerne gehabt. Eigentlich. Challandes sah Ferati reifen, als er noch U21-Nationaltrainer war. Konkret wurde der FC Zürich allerdings nicht beim FCB vorstellig, so Sportkoordinator Georg Heitz. Bis 2011 läuft Feratis Vertrag beim FCB, weswegen Gelüste nach einer Luftveränderungen nicht nur vom eigenen Gutdünken abhängen. Ferati hat sich einem Beraterbüro in der Nähe von Frankfurt angeschlossen, weshalb die Bundesliga als eines seiner Ziele nicht weit hergeholt ist.

«Es ist wie immer beim FCB», sagt Ferati und zuckt mit den Schultern, «es braucht Geduld.» Im Sommer, so sieht es aus, will er erneut einen Tapetenwechsel angehen: «Schliesslich geht es um meine Zukunft.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.03.2010, 14:04 Uhr

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