Trotz Pfefferspray-Attacken feierte die U-17 ausgelassen ihren Sieg

Interview: Sascha Rhyner. Aktualisiert am 16.11.2009

Nach dem WM-Titel-Gewinn machten die Schweizer U-17-Spieler die Nacht zum Tag. Im Stadion war das Team zum Ziel von Angriffen enttäuschter Nigeria-Fans geworden. Das Interview mit «Tages-Anzeiger»-Reporter David Wiederkehr in Abuja.

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Die Schweizer feierten in der Hotelbar des Hilton bis tief in die Nacht.
Bild: David Wiederkehr

   
Für den «Tages-Anzeiger» in Nigeria: David Wiederkehr.

Für den «Tages-Anzeiger» in Nigeria: David Wiederkehr.

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Über eine Million am TV

Die Euphorie um die Schweizer U17-Nationalmannschaft nahm am Sonntag unglaubliche Dimensionen an. Den WM-Titel erlebten auf SF2 in den Schlussminuten des Finals gegen Nigeria 1,32 Millionen (Marktanteil 50,6 Prozent). Im Schnitt waren 1,007 Mio live dabei (44 Prozent).

Die U17-Auswahl schaffte es damit hinter dem entscheidenden WM- Qualifikationsspiel Schweiz - Israel (Durchschnitt 1,165 Mio) und der Lauberhorn-Abfahrt (1,055) auf den 3. Platz der meistgesehenen Sportsendungen des Schweizer Fernsehens 2009. Beachtlich ist die TV- Resonanz für die Teenager, weil sie (in der 2. Halbzeit) konkurrenziert wurden durch die beliebte Sendung «Die grössten Schweizer Hits» auf SF1 (Durchschnitt 549'000).

Schon am Sonntag zuvor hatten die Weltmeister eine erstaunliche Quote realisiert. Den Viertelfinal gegen Italien hatten sich in der entscheidenden Phase 553'000 Zuschauer angesehen.

David Wiederkehr, wie kurz war die Nacht?
Sehr kurz. Gewisse kamen um 5 Uhr zurück, gewisse waren angeblich auch dann noch nicht im Bett. Normalerweise ist in der Bar ja um 2 Uhr Feierabend, aber das war gestern nicht möglich.

Wie und wo kann man überhaupt feiern in Abuja?
In den grossen Hotels gibt es jeweils eine Bar. Die Schweizer mieteten die Bar im Hotel Hilton, und es trat auch eine Liveband auf. Es wirkte nicht, als sei die Party spontan nach dem Finalsieg organisiert worden. Neben dem Team waren noch rund 40 bis 50 Gäste anwesend. Es leben ja rund 250 Schweizer in Nigeria. Einige davon meldeten sich bei der Botschaft, um Finaltickets zu erhalten. Im Stadion waren rund 60 Schweizer. Man hat sie nicht gehört, aber sie sagten, sie hätten alles gegeben. Aber gegen die Vuvuzuelas ist kaum anzukommen.

Wie sieht das Programm der Schweizer heute aus?
Heute ist nochmals ein Trainingstag. Also es geht mehr um Regeneration, ein kleines Footing oder so. Dann stehen die Spieler noch einmal den Medien zur Verfügung. Um 23 Uhr fliegen sie dann von Abuja via Frankfurt zurück nach Zürich. Morgen um 8.30 Uhr sollten die Schweizer landen.

Wie war die Stimmung im Stadion?
Ganz am Ende aggressiv. Als die Schweizer den Pokal erhielten, gab es zwar fairen Applaus, aber es war trotzdem irgendwie aggressiv. In Nigeria konnte man sich einfach nicht vorstellen, dass die «Eaglets» den Final verlieren. Das hat man schon im Vorfeld gemerkt. Die Zuschauer waren entsprechend aufgebracht, das war nicht so gemütlich, weil wir Journalisten ganz in der Nähe der Fans sassen. Aber der Unmut richtete sich nicht gegen die Schweizer, sondern mehr gegen die eigene Mannschaft – und vielleicht noch den Schiedsrichter.

Dass die Schweiz den Titel nicht irgendwo in Mitteleuropa gewann, sondern bei den nicht ganz einfachen afrikanischen klimatischen Bedingungen, macht den WM-Titel noch spezieller.
Man muss auch wissen, dass für Afrika die U-17-WM die wichtigste überhaupt ist. Hier ist man sich bewusst, dass man auf höchster Stufe wohl nie eine WM gewinnen wird. Das Klima selber war gestern nicht so ein grosses Problem. Es war warm, aber nicht heiss und drückend. Und in Abuja ist die Luft sehr trocken. Das grössere Problem war, dass die Schweizer Spieler vor und während dem Match mit Pfefferspray besprüht wurden. Das wertet die Leistung noch mehr auf. Captain Frédéric Veseli musste deswegen auch ausgewechselt werden. Er hatte zusehends Atemprobleme. Auch andere Spieler bekundeten gewisse Mühe mit dem Atmen.

Am TV waren immer wieder grosse Insekten zu sehen...
Ja, es hatte tatsächlich viele Tiere. In Lagos hatte es nichts gehabt, und hier die ganze Zeit irgendwelche Fliegen, keine Ahnung, was das genau für Tiere waren. Ihre Körper waren rund 8 Zentimeter lang. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2009, 16:58 Uhr

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