Razzia in Paris: Blatter ist «sehr überrascht»

Die Bundesanwaltschaft hat Büros des französischen Fussballverbandes durchsuchen lassen. Sepp Blatter «weiss nicht, was die da suchen».

Gegen den Ex-Fifapräsidenten wird ermittelt: Sepp Blatter nach einer Pressekonferenz in Zürich (21. Dezember 2015).

Gegen den Ex-Fifapräsidenten wird ermittelt: Sepp Blatter nach einer Pressekonferenz in Zürich (21. Dezember 2015). Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Strafverfahren gegen Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter hat die schweizerische Bundesanwaltschaft die Büros des nationalen französischen Fussballverbandes in Paris durchsuchen lassen. Dabei wurden Dokumente beschlagnahmt.

Die Durchsuchung der Büros des nationalen Fussballverbandes erfolgte am Dienstag durch die nationale Finanzstaatsanwaltschaft Frankreichs, wie die Bundesanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Es handelte sich bei der Aktion um den Vollzugs eines Rechtshilfeersuchens vom 14. Januar 2016. Die Bundesanwaltschaft war vor Ort anwesend.

«Ich weiss nicht, was die da suchen»

Gemäss der Mitteilung der Bundesanwaltschaft wurden bei der Durchsuchung Dokumente im Zusammenhang mit der Zahlung von zwei Millionen Franken an UEFA-Präsident Michel Platini im Februar 2011 beschlagnahmt.

Dieser Möglichkeit widerspricht Blatter in einer Stellungnahme, in der er sich über die Durchsuchung beim französischen Verband «sehr überrascht» äusserte. Die zwei Millionen Franken seien von der Fifa im Rahmen eines mündlichen Vertrags zwischen ihm und Platini ausbezahlt worden. Das Geld sei aber weder an den französischen Verband noch an die Uefa überwiesen worden, sondern auf ein privates Konto von Platini in einer Schweizer Bank, sagte Blatter der französischen Nachrichtenagentur AFP. Gegenüber «Radio 1» ergänzt Blatter: «Ich weiss nicht, was die da suchen.»

Wirre Pressekonferenz: Blatter nach seiner Sperre durch das Fifa-Ethikkomittee (21. Dezember 2015).

Die Bundesanwaltschaft hatte am 24. September ein Strafverfahren gegen den Walliser Blatter eröffnet. Es geht dabei um den Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell der Veruntreuung. In der Mitteilung vom Mittwoch wies die Bundesanwaltschaft darauf hin, dass für Blatter und alle anderen Beschuldigten nach wie vor die Unschuldsvermutung gelte.

Gemäss den Ermittlern besteht neben der angeblich treuwidrigen Zahlung an Platini der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Caribbean Football Union – deren Präsident der im US-Verfahren der Korruption und der Geldwäscherei beschuldigte Jack Warner war – einen für den Weltfussballverband Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat.

Blatter bestreitet unrechtmässige Zahlung

Zudem wird Blatter verdächtigt, bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der Fifa respektive der Fifa Marketing & TV AG verstossen zu haben. Blatter hatte die Vorwürfe immer bestritten und die Zahlung an Platini für geleistete Dienste des UEFA-Präsidenten für die Fifa zwischen Januar 1999 und Juni 2002 begründet.

Der Fifa-König: Blatters Fussball-Karriere im Bilder-Rückblick.

Blatter war im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen nach einer Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees von Vertretern der Bundesanwaltschaft als Beschuldigter einvernommen worden. Platini wurde gemäss den damaligen Informationen der Bundesanwaltschaft dagegen nur als Auskunftsperson befragt. Platini selber hatte damals die Zahlung bestätigt und sie wie Blatter mit vertraglich vereinbarten Leistungen für die Fifa begründet.

Blatter und Platini sind inzwischen von der Ethikkommission und der Rekurskammer der Fifa gesperrt worden. Beide kündigten an, die Sperren ans Sportgericht in Lausanne weiterzuziehen. Die Rekurskammer hatte die Sperre gegen Blatter um zwei auf sechs Jahre gesenkt.

Verfahren in der Schweiz und in den USA

Im FIFA-Korruptionsfall ermitteln die Schweiz und die USA nach wie vor in zwei unabhängigen Verfahren. Das Schweizer Verfahren kreist um die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar, das amerikanische rund um Medien-, Marketing- und Sponsoringrechte für Fussballturniere in den USA sowie in Lateinamerika. Die US-Behörden und die Bundesanwaltschaft arbeiten aber eng zusammen.

So sind auf Ersuchen der USA in Zürich Ende Mai und Anfang Dezember des letzten Jahres insgesamt neun FIFA-Funktionäre festgenommen worden und inzwischen teilweise an die US-Behörden ausgeliefert worden. Auf Ersuchen der USA sperrte das Bundesamt für Justiz zudem 80 Millionen US-Dollar auf Schweizer Bankkonten. (ij)

(Erstellt: 09.03.2016, 08:08 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Blatter stellt Beckenbauer bloss

Sepp Blatter bezeichnet Franz Beckenbauers Version zum Korruptionsskandal rund um die WM 2006 als abstrus. Mehr...

Blatters Lob und eine seltsame Formulierung

Die Reaktionen auf die Wahl von Gianni Infantino fallen positiv aus. Selbst Sepp Blatter gratulierte. Er irritierte aber mit einer Aussage. Mehr...

Infantino und der Strippenzieher aus Amerika

Wie gewann der neue Fifa-Präsident die Wahl? Darf Blatter seine Wohnung behalten? Muss die Fifa sparen? 10 Fragen, 10 Antworten. Mehr...

Werbung

Blogs

Von Kopf bis Fuss So schlagen Sie der Grippe ein Schnippchen

Geldblog Megatrend Robotik verspricht Gewinne

Die Welt in Bildern

Zum Schutz der Alpen: Eine Frau mit einem roten Ballon steht in der Naehe des Nordportals des Gotthard-Basistunnels anlaesslich der Aktion der Alpen-Initiative 'Weil wir die Alpen lieben'. (8. Dezember 2016)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...