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Affolter bringt den Geist von Istanbul zur Nati
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Draussen glitzert der Wörthersee in der Sonne. Drinnen im Hotel Schloss in Velden sitzt François Affolter in einem Stuhl. 19-jährig ist der Verteidiger, und «stolz, wirklich glücklich, aufgeregt auch». Zum ersten Mal steht er im Aufgebot der Schweizer Nationalmannschaft. Gegen Österreich wird er heute in der Innenverteidigung debütieren.
François Affolter kennt die Geschichte von Jonathan Rossini. Der Abwehrspieler vom italienischen Serie-B-Klub Sassuolo war im letzten Frühjahr von Hitzfeld für das Spiel gegen Uruguay nominiert worden. Er spielte von Beginn an, er hinterliess keinen guten Eindruck, die Schweiz verlor 1:3, und Rossini verschwand wieder, so schnell, wie er gekommen war. Affolter spürt «etwas Druck», doch glaubt er, mit seinen Emotionen umgehen zu können, «spielen» will er mit dem Leistungsdruck. Die Zuversicht hat er, weil er schon andere Prüfungen bestanden hat in seinem Fussballerleben.
Kein klassischer Bilingue
In Biel ist Affolter aufgewachsen. Er ist kein klassischer Bilingue, seine Eltern stammen aus dem Jura, er selbst besuchte ein französischsprachiges Gymnasium, das er 2009 mit der Matur abschloss. Als Fussballer begann er bei Etoile Bienne, der FC Biel war sein zweiter Klub. Im Sommer 2007 wechselte er als 16-Jähriger zu YB, nach einem Jahr in der U-18 stieg er zu den Profis auf und unterschrieb einen Vertrag bis 2014. Im Herbst 2008 kam er zu seinen ersten beiden Super-League-Spielen, weil Marc Schneider zuerst gesperrt und dann verletzt war. Er hinterliess seinen Eindruck in diesen Partien mit 2:1-Siegen in Bellinzona und Basel. Affolter sagt: «Ich war so gut, dass Petkovic mich danach nicht mehr auf die Bank setzen konnte.»
Es verbindet ihn viel mit dem YB-Trainer, weil Petkovic ihn forderte und förderte. Affolter glaubt, dass Petkovic nun wohl auch stolz sei, da er es ins Nationalteam geschafft habe. Affolter findet aber auch, die Beziehung mit seinem Klubtrainer sei ein wenig eigenartig. Sie sprächen zusammen über Fussball. Aber sonst eigentlich nie über etwas.
Erfahrung in grossen Spielen
Auf Platz 2 kam Affolter mit YB zweimal in der Super League. Er hat Erfahrungen gesammelt in grossen Spielen. In der Finalissima gegen Basel im Mai. Oder nun gegen Fenerbahçe in der Champions-League-Qualifikation mit diesem Match in Istanbul, wo ein Sieg ja fast unmöglich sei. YB hat es trotzdem geschafft. Affolter hat dabei Selbstvertrauen gewonnen. Und wenn er heute gegen Österreich beginnt, will er vergessen haben, dass in Bern trotz der Vorfreude auf den Tottenham-Match im Champions-League-Playoff grosse Unruhe herrscht wegen der Entlassung von CEO Stefan Niedermaier.
Einer von drei Verteidigern war Affolter im System von YB meist, mit einer Viererkette spielt die Nationalmannschaft. Er sieht bei der Umstellung kein Problem, weil er ohnehin vielseitig sei und links, rechts oder zentral spielen könne. Etwas Besonderes ist es für ihn eher, «unter diesem Trainer mit diesem Palmarès zu arbeiten, mit Mitspielern aus grossen europäischen Klubs». Affolter weiss, dass die Nomination keine Garantie ist, auch in Zukunft Teil dieses Teams zu sein. Er sagt: «Diese Garantie muss ich mir zuerst erarbeiten.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.08.2010, 09:58 Uhr

