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Basler Ändstraich in Biel
Von Christoph Kieslich. Aktualisiert am 04.03.2011 53 Kommentare
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Schweizer Cup
Viertelfinal-Resultate
Grasshoppers–Sion 1:2 (0:1)
Thun–Neuchatel Xamax 1:1 (0:0, 0:0) n.V., Xamax 3:0-Sieger n. P.
Young Boys–FC Zürich 3:4 (3:3, 0:2) n.V.
Biel–Basel 3:1 (0:1)
Halbfinals
Zürich–Neuchâtel Xamax
Sion–Biel
Spieldatum: 28. April.
Final: 29. Mai, St.-Jakob-Park.
Stichworte
Der FCB schied zum ersten Mal nach zwölf Jahren wieder gegen einen unterklassigen Gegner aus, und Trainer Thorsten Fink hat zumindest ein Ziel erreicht: Seine Mannschaft kann sich nun voll und ganz auf die Meisterschaft konzentrieren. Und man muss weit zurückblättern, bis man die letzte Pleite des FC Basel im Schweizer Cup gegen einen Unterklassigen findet. Am 21. Februar 1999 unterlag er bei Stade Nyonnais mit 2:4 im Penaltyschiessen.
Nach Verlängerung hatte es damals 2:2 geheissen, und die FCB-Startelf, die Trainer Guy Mathez aufs Feld geschickt hatte, las sich so: Mattan; Ceccaroni, Kreuzer, Cravero, Calapes; Barberis, Henry, Sahin, Perez; Varela und Frick, der Doppeltorschütze. Danach kam Christian Gross, in dessen Ära der FCB vier Cupsiege holte. Dem folgte Thorsten Fink, der vor einem Jahr im Cup seinen ersten Titel als Trainer gewann – und gestern im zehnten Cup-Match mit dem FCB seine erste Niederlage kassierte.
Der Cup und seine eigenen Gesetze
Auch wenn die Basler als haushohe Favoriten in diesen Viertelfinal stiegen, obwohl sie schon wussten, dass am 28. April der FC Sion im Halbfinal warten würde – übrigens ein Gegner, gegen den der FCB noch nie im Cup gewinnen konnte – obwohl also alles für die Basler sprach, so ist diese Pleite nicht weiter überraschend. Denn Fink pokerte hoch. Er stellte wie angekündigt massiv um und zehn Spieler auf, die vergangenen Sonntag in Luzern nicht zur Startelf gehört hatten. Lediglich Gilles Yapi lief in Biel auf und dazu Taulant Xhaka, der in Luzern früh den verletzten Behrang Safari ersetzt hatte. Der Basler Trainer trieb die Rotation auf die Spitze – und er scheiterte damit.
«Natürlich ist die Enttäuschung gross. Wir lagen 1:0 in Führung, hatten alles Griff und haben uns dann das Leben selbst unnötig schwer gemacht», sagte er in den Katakomben des schwer in die Jahre gekommenen Stadions Gurzelen und wandte eine ebenso alte Fussball-Weisheit an: «Der Cup schreibt eben immer seine eigenen Gesetze. Biel hat uns mit mehr Leidenschaft niedergekämpft, war nach dem 2:1 euphorisch, und dafür gebührt dieser Mannschaft auch ein Kompliment.» Schon was dieser FCB in der ersten Halbzeit gezeigt hatte, gegen einen sehr biederen Gegner, war nicht besonders gut, reichte aber zu einer 1:0-Führung. Granit Xhaka trat kurz vor der Pause einen Freistoss von der rechten Seite, in der Mitte schraubte sich der 1,85 Meter grosse Bieler Abwehrchef Nicolas Kehrli hoch und lenkte den Ball per Kopf unglücklich via Innenpfosten ins eigene Tor.
«Da haben wir nicht gut ausgesehen»
«Vielleicht», sinnierte FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler, «war das glückhafte 1:0 gar nicht die beste Medizin für die zweite Halbzeit.» Was in der Pause in der Bieler Kabine passierte, beschrieb Ramon Egli so: «Wir sind wie verwandelt zurückgekommen. Wir wussten: Wenn wir nicht mehr Risiko gehen, haben wir keine Chance. Und das 1:1 war der Moralschub für uns.» Den Ausgleich erzielte Egli, der Sohn des Ex-Internationalen Andy Egli, aus 25 Metern mit einem perfekten Heber aus vollem Lauf. Was bei diesem Gegentor genau passierte, war FCB-Trainer Fink nach Spielschluss immer noch schleierhaft: «Da haben wir nicht gut ausgesehen, obwohl es keinen Grund dafür gab.» Genséric Kusunga war aus unerfindlichen Gründen aufgerückt und hatte die Lücke für Egli erst geöffnet.
Was sich danach entwickelte, nannte Fink eine «Eigendynamik». Es wurde deutlich, dass diese Basler Mannschaft am gestrigen Tag nicht parat war für einen Cup-Fight auf Biegen und Brechen. Zu wenig Tempo war in den Aktionen, zu wenig Präzision, zu wenig Ordnung herrschte im Zentrum, wo Yapi vieles schuldig blieb, zu pomadig agierten Spieler wie Jacques Zoua, Fwayo Tembo oder auch Scott Chipperfield. Kaum eine gute Chance erspielte sich dieses Ensemble, das plötzlich so harmlos wirkte wie die Bieler im ersten Durchgang.
In acht Tagen aus zwei von drei Wettbewerben ausgeschieden
Das Unheil für die Basler leitete ein Allschwiler ein, der früher für den FC Concordia spielte: Guiseppe Morello stand in der 79. Minute goldrichtig, um aus dem Gewühl eine Vorlage von Labinot Sheholli hinter Yann Sommer unterzubringen. Unter den Piffen der Bieler Zuschauer brachte Fink noch zwei Nationalspieler, doch Alex Frei und Marco Streller konnten keinen Einfluss mehr auf ein verlorenes Spiel nehmen. Während auf den Rängen eine Bieler Guggenmusik dröhnte, erlebten die Basler ihren Ändstraich im Cup.
Alles richtig machte dagegen Philippe Perret. Der Bieler Trainer hatte seinen Torjäger Franck Etoundi überraschend nicht aufgestellt, um seiner Elf mehr defensive Stabilität zu verleihen. Mit Erfolg. Und als er den Kameruner doch noch brachte, bedankte der sich mit dem 3:1 nach einem Konter. Vorausgegangen war ein fürchterlicher Freistoss von Yapi. «Es ist ein grosser Moment für den Fussball», sprudelte es aus Perret heraus, «Die Basler dachten nach der ersten Halbzeit vielleicht, dass es einfach für sie wird.» Dass Fans beider Teams nach fünf Minuten Nachspielzeit aufs Feld stürmten, und dass der Polizei nichts Besseres einfiel, als aus grosser Entfernung mit Gummischrot auf den Basler Sektor zu schiessen, war das unschöne Ende eines Cup-Spiels vor 6500 Zuschauern.
Thorsten Fink ist innerhalb von acht Tagen aus dem zweiten von drei Wettbewerben ausgeschieden. Aber er verteidigte die für einmal gründlich misslungene Rotation: «Wer sagt denn, dass eine andere Mannschaft besser ausgesehen hätte? Rückschläge gehören dazu, und die Jungen müssen daraus lernen. Wenn man auf mehreren Hochzeiten tanzt, kann man nicht immer die Gleichen spielen lassen. Das oberste Ziel bleibt nunmal die Meisterschaft.»
Rückschlüsse für den Sonntag und den kapitalen Match gegen den FCZ (16.00 Uhr, St.-Jakob-Park), etwa in der Frage, wer die vakante Safari-Position in der Aussenverteidigung übernehmen wird, liess diese Cup-Blamage nicht zu. Aufdrängen konnte sich weder Taulant Xhaka noch Daniel Unal. (Basler Zeitung)
Erstellt: 04.03.2011, 08:46 Uhr
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53 Kommentare
@ Herrn Brunner: Gut erkannt! Da opfert man den europäischen und den Schweizer Cup um die Spieler für die Meisterschaft - gegen FCL und FCZ! - zu schonen. Die Rechung ist einfach: Meitserschaft=CL=16Mio. Das ist nur noch Business, mit Fussball hat das nix zu tun. Und sowas will das Aushängeschild des Schweizer Fussballs sein?!? Will man sowas als Fussballfan? Antworten

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