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«Bei den Ultras herrscht Krieg wegen der Pyros»

Interview: Sebastian Rieder. Aktualisiert am 27.10.2011 65 Kommentare

Trotz massiven Investitionen hat der DFB die gleichen Gewaltexzesse wie die Schweiz. Der deutsche Hooligan-Experte Gunter Pilz hat im Interview mit baz.ch/Newsnet die Lösung.

1/6 Brandherd Fankurve
Während dem DFB-Pokalspiel zwischen Dortmund und Dresden werden im Dynamo-Fanblock mehr als zwei Dutzend Fackeln gezündet.

   

Krawalle in Dortmund

Die Ausschreitung während des DFB-Pokalspiels zwischen Dortmund und Dresden haben die deutsche Fussballwelt wieder ins Wanken gebracht. Dynamo-Fans randalierten im Stadion und griffen Polizisten an. Insgesamt wurden 15 gewalttätige Anhänger festgenommen. Mehrere Menschen, auch zwei Polizisten, wurden verletzt.

Bereits vor dem Spiel wurden die Beamten mit Flaschen, Steinen und mit Pyrotechnik beworfen. Der Schiedsrichter musste das Spiel dreimal unterbrechen, weil Dresdner Fans BVB-Spieler mit Laser störten, Fackeln abbrannten und diese gar aufs Feld warfen.

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Gunter A. Pilz studierte in Freiburg, München und Zürich zunächst Soziologie, Psychologie sowie Volkswirtschaftslehre und war dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut der Eidgenössischen Turn- und Sportschule Magglingen tätig. Seit 1975 arbeitet er mit den Schwerpunkten «Sport und Gewalt» sowie «Bewegte Schule» am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover.

Fussball-Diskussion

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Gunter Pilz, die Ausschreitungen in Dortmund haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie konnte es trotz der grossen Sicherheitsvorkehrungen so weit kommen?
Im Moment herrscht Krieg wegen der Pyros. Die Ultras lehnen sich gegen den DFB auf, der die bengalischen Fackeln verbieten will. Es ist das gleiche Problem wie in der Schweiz.

Bei einem Hochrisikospiel wie dem Zürcher Derby oder den Spielen des FC Basel kostet die Sicherheit im Stadion bis zu 100'000 Franken, die Ausgaben der Polizei belaufen sich auf weitere 250'000 Franken. Warum ist es in der Bundesliga, wo noch viel mehr Geld aufgewendet wird, nicht sicherer?
Es ist in der Tat so, dass kaum ein anderes Land so viel in die Sicherheit investiert wie Deutschland. Aber die Geldsumme ist nicht entscheidend, sondern das Verhalten der Sicherheitskräfte und der Polizei.

Was heisst das?
Wenn beim kleinsten Zwischenfall in der Fankurve gleich Hunderte von Polizisten in Vollmontur im Block auflaufen, kommt es automatisch zur Eskalation. Die Aufrüstung kann nicht die Lösung sein.

Wie müsste sich die Polizei verhalten?
Man muss mit den Ultras den Dialog suchen. Die Lösung heisst: Konfliktmanager. Ein halbes Dutzend Polizisten in Zivil, die auf die Hooligan-Problematik geschult sind, mischt sich zu Beginn der Partie in den problematischen Block. Sollte es während des Spiels zu widerrechtlichen Handlungen kommen, suchen die Konfliktmanager das Gespräch mit den exponierten Personen. Die Ultras werden vorgewarnt.

Das nützt doch nichts.
Oh, doch. Ich begleite bei Hannover 96 seit einigen Jahren ein ganz spezielles Projekt gegen Hooliganismus; sehr erfolgreich. Die Konfliktmanager haben dabei eine tragende Rolle. Meist kommen die Fans nach einer Ermahnung zur Einsicht. Der im grossen Teil vernünftige Teil der Fans macht Druck auf die aggressiven Leader. Die überwiegende Mehrheit solidarisiert sich dann.

Das klappt aber nicht immer.
Klar, es gibt keine Garantie. Manchmal nützen auch die Ermahnungen nichts. Aber erst, wenn es klar zu einer Straftat kommt, reagiert die Polizei von aussen. Die Repression halte ich jedoch für das letzte Mittel zur Bekämpfung der Gewalt.

Offenbar lässt es sich auch in der Bundesliga nicht verhindern, dass Pyros im Stadion abgefackelt werden.
Sie können kein Stadion der Welt so sicher machen. Die Pyros werden immer ein Thema sein. Es gab schon Fälle, wo Frauen die Fackeln in der Scheide ins Stadion schmuggelten. Wenn Sie das verhindern wollen, müssen Sie bei der Eingangskontrolle überall Körperscanner installieren. Das ist aber unrealistisch, weil die Fanmasse so nicht in einer vernünftigen Zeit kontrolliert werden kann.

In der Schweiz müssen die Vereine in der Super League sich an den Polizeikosten beteiligen. Ist das richtig?
Nein, das ist sicher nicht fair. In Deutschland werden die Polizeieinsätze ausschliesslich von Steuergeldern finanziert. Für die Gewalt sind nicht die Klubs verantwortlich. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Einsätze für öffentliche Veranstaltungen, wie eine Street-Parade, Fasnacht oder auch Demonstrationen werden ja auch vom Staat getragen.

Welche Schuld tragen die Medien? Vor allem die TV-Stationen bieten den Ultras eine Plattform.
Bengalische Feuer und Ausschreitungen sind für die Fernsehsender sicher attraktiv. Die Medien verurteilen die Hooligans zwar, finden die Bilder aber selber auch toll. Es wäre sicher förderlich, wenn die Berichterstattung auf ein Minimum reduziert werden würde. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2011, 13:31 Uhr

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65 Kommentare

Thomas Matter

27.10.2011, 14:07 Uhr
Melden 64 Empfehlung

Also ich erkenne auf den Bildern keine Gewalt??? Antworten


marcel finn

27.10.2011, 13:40 Uhr
Melden 57 Empfehlung

Liebe Medien, wann begreift ihr es endlich. Auch wenn es per Gesetz so ist, Pyro ist nicht mit Gewalt gleichzusetzen. Recht heisst nicht gerecht. Antworten



FC Basel

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 10:26
Keine Daten vorhanden
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Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
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Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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