Sport
Bundesrat Maurer und Sions Söldner
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 22.05.2009
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Was mag sich wohl Ueli Maurer gestern im Stade de Suisse gedacht haben, als sich die Spieler des FC Sion aus den verschiedensten Ländern vor dem Vertreter der SVP im Bundesrat zur Gratulation aufgereiht hatten?
Auf dem Podest ging ein Sion-Söldner nach dem anderen an Maurer vorbei. Torhüter Essam El-Hadary ignorierte den Regierungsvertreter komplett, die tanzenden Afrikaner Obinna Nwaneri, Geoffrey Serey Die und Paito hatten nur Augen für den Pokal, während Virgile Reset jovial die Hand Maurers im Bauarbeiter-Stil packte.
Bei Basel waren es acht Ausländer gewesen
Ein Ägypter, ein Ungare, ein Marokkaner, ein Nigerianer, ein Portugiese, ein Mann aus der Elfenbeinküste, ein Serbe, zwei Franzosen und zwei Schweizer waren in der Startformation des Cupsiegers gewesen. So viele Ausländer standen noch nie in der Startelf eines Cupsiegers. Die Bestmarke hielt bisher der FC Basel, der im letzten Jahr mit acht Ausländern gegen Bellinzona 4:1 gewonnen hatte.
Dass die beiden Schweizer, Enes Fermino und Guilherme Afonso, Wurzeln im Kongo und in Angola haben, passte ins internationale Bild, das der FC Sion abgab.
Der exzentrische «Pharao» im Tor
Im Tor des Multi-Kulti-Cupsiegers stand der ägyptische Nationalgoalie Essam El Hadary (36). Der exzentrischste Torhüter, den der Schweizer Fussball je gesehen hat, sass nach dem Triumph auf dem Tor und feierte mit den begeisterten Walliser Fans. Schon während der Partie hatte er sie immer wieder angetrieben und aufgefordert, Stimmung zu machen. Dass der Showman bei einigen Aktionen einen unsicheren Eindruck hinterlassen hatte, kümmerte die Anhänger nach Schlusspfiff nicht mehr.
Der ungarische Wandschrank
Als Rechtsverteidiger stoppte der 1,88 Meter grosse Ungare Vilmos Vanczak (25) die Berner Angriffe und hatte Alberto Regazzoni meist gut im Griff.
Der marokkanische Unglücksrabe im Glück
In der Innenverteidigung hatte der Marokkaner mit französischem Pass, Jamal Alioui (26), einige bange Momente zu überstehen. Und in der 36. Minute lenkte er gar einen Freistoss von Mario Raimondi zum 0:2 ins eigene Tor ab.
Das nigerianische Stehaufmännchen
Neben Alioui verteidigte der Nigerianer Obinna Nwaneri (27), der wegen seinen stetigen Wechselträumen während der turbulenten Saison bei Sion auch schon in Ungnade gefallen war. Nach 33 Minuten musste er wegen einer Oberschenkelverletzung das Feld räumen. Für ihn kam der erste waschechte Walliser, Stéphane Sarni, auf den Platz, der später für das 2:2 sorgen sollte.
Der flinke Doppelbürger
Von grosser Bedeutung für den Erfolg war auch der schnelle Linksverteidiger Paito (26). Der Doppelbürger von Portugal und Moçambique, für dessen Nationalmannschaft er spielt, war einer der Gründe, weshalb YB sein Flügelspiel nicht wunschgemäss aufziehen konnte.
Der Schweizer Pechvogel
Im Mittelfeld hatte sich der französische Sion-Trainer Didier Tholot dafür entschieden, mit Enes Fermino (21) einen zweiten defensiven Abräumer aufzustellen. Der ehemalige Schweizer Junioreninternationale mit kongolesischen Wurzeln begann nervös und schenkte YB mit einer panischen Aktion einen Penalty und damit den Führungstreffer. Er wurde in der 67. Minute durch den zweiten Walliser, Didier Crettenand (23), ersetzt.
Das Energiebündel von der Elfenbeinküste
Geoffrey Serey Die (25) verkörperte bei Sion wie kein Zweiter die Leidenschaft und die Bereitschaft sich aufzuopfern. Der Mittelfeldspieler von der Elfenbeinküste, der in der Vergangenheit auch schon durch äusserst grobe Fouls aufgefallen war, war die Quelle der Energie bei den Wallisern und der beste Mann auf dem Platz.
Die französische Flügelrakete
Virgile Reset (23) war lange der einzige Sion-Spieler, der die Berner Defensive vor Probleme stellte. Der pfeilschnelle Franzose blieb allerdings wie so oft ineffizient. In der 90. Minute wurde er durch Jocelyn Ahoueya, den Mittelfeldspieler aus Benin, ersetzt.
Das serbische Hirn der Mannschaft
Während Serey Die das Schwungrad Sions war, sorgte Goran Obradovic (33) für die spielerische Klasse und die überlegten Aktionen. Und wie schon beim letzten Cupsieg vor drei Jahren schoss er gegen YB ein Tor. Mit seiner Technik und seiner Intelligenz wäre der Serbe auch im fortgeschrittenen Fussballer-Alter für jedes Schweizer Team eine Verstärkung.
Der französische Star und Captain
Hätte Olivier Monterrubio (32) soviel Ehrgeiz wie Klasse, würde er bestimmt nicht in Sion spielen. Der Franzose hatte bei Rennes als Freund und Vorbereiter einst Alex Frei zum Torschützenkönig der Ligue 1 gemacht und dessen Marktwert massiv gesteigert. Mit seinen Toren gegen St. Gallen und Luzern machte der Captain den Finaleinzug der Walliser, der gemäss dem Gesetz der Serie gleichbedeutend mit dem Cupsieg war, erst möglich.
Der Schweizer Matchwinner
Guilherme Afonso (23) wurde mit seinem 3:2 zum grossen Matchwinner. Dabei überraschte der Schweizer mit angolanischen Wurzeln, den der damalige U21-Nationaltrainer Bernard Challandes einst bei Valence in Frankreich entdeckt hatte, durch seine Geschmeidigkeit. Denn ansonsten wirkt der Stürmer oft ein wenig hüftsteif. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.05.2009, 09:47 Uhr











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