Burgener verdient Kredit

Wie war der Auftritt von Burgener und Co. bei der gestrigen ausserordentlichen GV des FC-Basel?

Zu Beginn etwas zaghaft und schüchtern, letzten Endes aber offen und ehrlich.

Zu Beginn etwas zaghaft und schüchtern, letzten Endes aber offen und ehrlich. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Wer an einer FCB-Versammlung unmittelbar hinter Bernhard Heusler das Wort führen muss, hat grundsätzlich einen schweren Stand. Heusler, ein brillanter Rhetoriker, nutzte den Moment als abtretender Präsident und führte der FCB-Familie nochmals eindrücklich vor Augen, was für ein rotblaues Monster da in den letzten Jahren erschaffen worden ist. Sieben Meistertitel in Serie, den achten in Griffweite. 132 Millionen Franken Umsatz 2016, 29 Millionen Gewinn. Dem sagt man nicht Buchhaltung, sondern Schlussfeuerwerk einer grandios agierenden Vereinsführung.

Dann war die Reihe an Bernhard Burgener. Etwas zaghaft und schüchtern wirkte der Unternehmer, doch in den folgenden 22 Minuten, die er brauchte, um dem Plenum sein Konzept mit dem schlichten Titel «Für immer rot-blau» zu erklären, wirkte er verblüffend offen und ehrlich. Wer deklariert schon vor Amtsantritt, dass er für das Jahr 2017 einen Transfer­ertrag von 22 Millionen Franken anpeilt?

Doch Hand aufs Herz – die Fussballwelt hat auch Burgener nicht neu erfunden. Seine Botschaft war simpel: Mehr Basler für den FCB, mehr rot-blauen Touch für die Region, mehr eigene Junioren – und über allem die eigenen Fans im Mittelpunkt. Diese Vision reisst in einer Fussballhochburg wie Basel längst niemandem mehr vom Sitz. Doch was hätte Burgener und seine neue Crew auch sonst erzählen sollen?

Weniger berechnend als Burgener wirkte der kurze Auftritt von Marco Streller. Der neue Sportdirektor trägt sein Herz auf der Zunge – das hat den einstigen Topstürmer schon auf dem Platz ausgezeichnet. Streller kommt bei der Basis prima an. Das hilft.

Die Königsfrage des Abends konnten aber weder Streller noch Burgener beantworten: Wer führt als CEO künftig das Tagesgeschäft? Burgener selbst sieht sich nicht in dieser tragenden Rolle. Er wird bald spüren, wie gross die Schuhe sind, die ihm Heusler sowie Ex-Sportdirektor Georg Heitz hinterlassen haben.

Und wer die eigene Jugend forcieren will, dem sei gesagt: Nach drei Niederlagen en suite interessiert es im Joggeli niemanden, mit wie viel «Eigenen» der FCB spielt – der Fan will seinen Club siegen sehen. Sonst ist schnell soviel Feuer im Dach wie heute nach einem lustlosen 1:0-Sieg über Vaduz.

Dennoch verdienen Burgeners Pläne Respekt und Kredit. Dem erfolgsverwöhnten Basler Publikum wieder Freude zu vermitteln, ist schwer genug. Und wer Burgener unterschätzt, macht einen Fehler – der smarte Geschäftsmann hat in den letzten Jahren genug bewiesen, was in ihm steckt. marcel.rohr@baz.ch (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.04.2017, 08:05 Uhr

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