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«Danke. Danke. Danke.»
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Joo Ho Park bedankt sich vor dem Gespräch, dass es überhaupt stattfindet. Er bedankt sich während des Gesprächs – für die Ovo, die er bestellt hat. Und er bedankt sich nach dem Gespräch, dass er seine Gedanken und insbesondere seine Aufgabe hier beim FCB darlegen durfte. «So verstehen mich die Fans besser», lässt er vom Dolmetscher übersetzen. «Danke. Danke. Danke.»
So viel Dankbarkeit war noch selten bei einem Profifussballer in Rotblau zu spüren. Was der 24-Jährige in Basel erleben darf, ist für ihn ein unerwartetes Geschenk. Es ging alles unheimlich schnell. Im Frühling wurde Park dem FCB angeboten. Chefscout Ruedi Zbinden flog nach Japan, wo der Südkoreaner bei Jubilo Iwata unter Vertrag stand. Zbinden beobachtete ihn und war angetan von ihm. Park seinerseits hatte von Ex-FCB-Spieler Koji Nakata, mit dem er zuvor bei den Kashima Antlers spielte, nur Gutes über Basel gehört. Von der Schweiz wusste er nicht viel mehr als ein paar Allgemeinplätze: «Schöne Landschaften, teuer, Bankgeheimnis.»
Obwohl sich auch der VfB Stuttgart um Park bemüht hatte, unterschrieb er schliesslich beim FCB einen Vierjahresvertrag. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Basler sich für die Champions League qualifiziert hatten, während die Schwaben im Niemandsland der Tabelle das internationale Parkett verpassten. Trotzdem konnte es Park fast nicht glauben, als er vor zwei Monaten im Old Trafford einlaufen durfte. «Gegen eine Mannschaft, die du sonst nur vor dem Fernseher bewunderst.» Auf dem Feld streifte er die Ehrfurcht vor dem Gegner jedoch sehr schnell ab. Die übermächtigen ManU-Spieler schrumpften zu ganz gewöhnlichen Fussballern, die von so viel Gegenwehr überrumpelt waren. Gerne hätte er sich mit seinem Namensvetter, Ji-Sung Park, nach dem 3:3 noch ein wenig ausgetauscht. Das ging jedoch nicht mehr, «weil die Stimmung bei Manchester so mies war».
Bum-kun Cha als Idol
Jener Ji-Sung Park ist für viele koreanische Fussballer ein Idol. Er trug wesentlich dazu bei, dass Südkorea 2002 an der Heim-WM Vierter wurde. Zudem verpasste er mit dem PSV Eindhoven an der Seite von Johann Vogel gegen Milan knapp den Einzug in den Champions-League-Final. Bei Manchester United spielt er seit sechs Jahren. «Eine grossartige Karriere», sagt Joo Ho Park. Sein Vorbild ist trotzdem ein anderer südkoreanischer Fussballer: der legendäre Bum-kun Cha, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren die Bundesliga bei Eintracht Frankfurt und Leverkusen aufmischte und in 308 Spielen 98 Tore erzielte. «Er ist ein Pionier. Weil es damals nicht normal war, dass ein Koreaner ins Ausland geht.» Mit 55 Treffern ist Cha Südkoreas Rekordtorschütze.
Joo Ho Park selber bestritt im August gegen Japan sein elftes Länderspiel. Seitdem verzichtete er auf weitere Einsätze in der Heimat. Aus Rücksicht auf seine Gesundheit. «Der Zeitunterschied zu Asien bereitet mir mehr Mühe als erwartet», sagt Park. Auch sonst musste sein Körper in den letzten zwölf Monaten einiges durchmachen. Erst brach er sich bei seinem alten Club das Wadenbein. Kaum genesen, wurde Park forciert und spielte bis zum Saisonende durch. Ohne Sommerferien ging es beim FCB weiter, wobei Park bald unter muskulären Problemen litt. Seit Mitte August hat der Südkoreaner pausenlos gespielt. Am Samstag wirkte Park gegen Luzern ausgelaugt. Trainer Heiko Vogel hält gegen Manchester trotzdem an ihm fest. Die zuletzt schwächeren Spiele sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Park die Erwartungen erfüllt hat – trotz minimaler Eingewöhnungszeit.
Die Balance muss stimmen
Er selber ist überzeugt, dass er im nächsten Jahr noch mehr zeigen wird. Im physischen Bereich könne er zulegen. Ebenso in offensiver Hinsicht. Wobei er sich in diesem Bereich manchmal bewusst zurückgehalten hat. «Damit die Balance im Team stimmt.» So bekam er es von Heiko Vogel eingetrichtert. Die andere, rechte Seite mit Steinhöfer und Shaqiri sei sehr offensiv. «Da kann ich nicht auch noch nach vorne stürmen.»
Von seinen Mitspielern fühlt sich Park gut unterstützt. Als er gegen Galati den Anschlusstreffer zum 3:2 verschuldete, hörte er keinen Vorwurf, stattdessen den Ratschlag, dass er dieses Malheur umgehend vergessen solle. Wurde er zu Beginn noch von Radoslav Kovac herumchauffiert, fährt er nun selber mit dem Auto durch die Gegend. Park wohnt in einem Appartement in Muttenz. «Die Ruhe in einem Dorf gefällt mir besser als der Lärm einer Grossstadt.» Derzeit ist auch seine Mutter hier; trotz guter Integration kann ein bisschen familiäre Unterstützung nicht schaden. Mit seinen Mitspielern verständigt sich Park auf Englisch, aber auch auf Deutsch. Die wichtigsten Floskeln wie «guten Morgen» oder «auf Wiedersehen» hat er sich angeeignet. Ebenso die elementaren Ausdrücke auf dem Fussballplatz: «Achtung!», «geh allein» oder «abspielen».
Zuweilen ist es jedoch er, der den anderen seine Sprache beibringt. Wie zum Beispiel Pascal Schürpf. Die Nummer 7 des FCB wollte unbedingt ein paar Brocken Koreanisch lernen – am liebsten ein paar richtig derbe und schmutzige. Als Park nach dem Hinspiel gegen Manchester beim Interview mit südkoreanischen Medien stand, schaute ihm Schürpf über die Schulter und wiederholte all das, was er gelernt hatte. Die Journalisten machten grosse Augen. Und Joo Ho Park sagte für einmal nicht «danke», sondern lachte aus vollem Herzen. Mitarbeit: Jinsu Ahn (Basler Zeitung)
Erstellt: 07.12.2011, 15:01 Uhr
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