Das Gejammere der Bayern – und was sie dabei alles vergessen

Zwei Offsidetore und ein falscher Platzverweis? Ja, das gabs – neben ähnlich grossen Fehlentscheiden für die Münchner.

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Sie lamentierten und klagten. Sie fühlten sich um den Sieg gebracht. Die Bayern. Und ihre engsten Freunde. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, urteilte nach dem 2:4 gegen Real: «Es war ein extrem emotionales Spektakel. Es war grossartiger Fussball, leider durch den Schiedsrichter extrem konditioniert zu unseren Lasten.» Und Trainer Carlo Ancelotti fand: «Der Schiedsrichter war schlechter als wir. Fehler können passieren, aber nicht so viele in Serie.»

Der Italiener hofft jetzt, dass der Videobeweis möglichst schnell kommt; nicht nur in der Bundesliga, wo er nächste Saison eingeführt wird. Ancelotti ist der Ansicht, dass Fehler wie gestern «in einem Viertelfinal der Champions League unmöglich» seien. Mit «unmöglich» meinte er wohl: inakzeptabel. «Es darf nicht sein, dass solche Fehler ein Spiel entscheiden.»

Ramos spielt den Pass auf Ronaldo, doch dieser steht beim 2:2 klar im Abseits. Video: SRF

Ja, Ronaldo stand beim 2:2 im Offside. Ja, Ronaldo war auch vor dem 3:2 in irregulärer Position. Und ja, Arturo Vidal hat in der 84. Minute den Ball gespielt und sah trotzdem Gelb-Rot. Die Bayern hatten Grund zum Klagen. Und wieder einmal hat ein Spiel allein gezeigt, dass mit dem Videobeweis vieles besser wäre, auch für die Schiedsrichter.

Fehlentscheid des Schiedsrichters: Vidal hat den Ball klar gespielt. Video: SRF

Allerdings: Was alles an Entscheiden zu ihren Gunsten ausfiel, davon redeten weder Rummenigge noch Ancelotti – obwohl auch das eine Menge war.

Auch beim 3:2 steht Ronaldo im Abseits. Und kurz vor dem Treffer soll sich Manuel Neuer laut Vereinsangaben den Fuss gebrochen haben. Video: SRF

Zum Penalty, den Robben mit seinem Flug provozierte und der zum 1:0 für die Münchner führte, sagte Bayerns früherer Sportvorstand Matthias Sammer im Studio des TV-Senders Sky: «Wenn sich die Szene im anderen Strafraum abspielt, stehen wir auf und sagen: kein Penalty.» Bayerns 2:1 fiel nach einer ungeahndeten Offsideposition Lewandowskis. Und Vidal hätte bereits lange vor der 84. Minute vom Platz gestellt werden müssen für ein Foul an Casemiro – wobei sich Reals bereits verwarnter Brasilianer nach mehrmaligem Foulspiel seinerseits über Gelb-Rot auch nicht hätte beklagen können.

Robbens provozierter Penalty: Lewandowski verwertet den umstrittenen Elfmeter zum 1:0. Video: SRF

Vidal foult Casemiro. Screenshot: SRF

Müller legt mit der Brust ab, Lewandowski steht unmittelbar vor dem 2:1 hauchdünn im Offside. Screenshot: SRF

Eine Serie von Fehl- oder umstrittenen Entscheiden gab es also auf beiden Seiten. Deshalb tat die Analyse des abtretenden Captains Philipp Lahm gut, der im Gegensatz zu anderen Bayern die Ruhe behielt. «Die Mannschaft hat Mut bewiesen und alles versucht, um hier zu gewinnen», sagte der Weltmeister von 2014. «In Sachen Schiedsrichterentscheidungen hatten wir ein bisschen Pech.» Was Lahm an Pech sah, war für Zinédine Zidane «auch etwas Glück». Reals Trainer freute sich (wieder einmal), Cristiano Ronaldo im Team zu haben, und bilanzierte: «Unter dem Strich sind wir verdient weitergekommen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2017, 09:13 Uhr

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