Das Rätsel Vonlanthen

Johan Vonlanthen, der ehemalige YB-Spieler, ist ein begnadeter Fussballer, aber auch eine unfassbare Figur. Die Geschichte eines 23-Jährigen, gespickt mit Hoffnungen, Wirren und unerfüllten Träumen.

1/7 Das junge Talent aus Flamatt brilliert bei den Berner Young Boys. Hier schoss er 2003 ein Tor gegen den FC Wil.
Bild: KEYSTONE/AP

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Grösste Erfolge

Jüngster Spieler in der Geschichte NLA
Jüngster Torschütze der NLA (16 Jahre, 23 Tage)
Jüngster EM-Torschütze der Geschichte (2004)
2 EM-Teilnahmen mit der Schweiz (2004, 2008) 2007 und 2009 österreichischer Meister
Wertvollster Spieler der Saison 06/07 in Österreich

Ende August sagt Johan Vonlanthen: «Ich bin nicht mehr der Johan, den die Schweiz von früher kennt.» Und so wie er es mit Überzeugung erzählt, so wirkt er tatsächlich. Mit seinen 23 Jahren gibt er das Bild eines gereiften und zuvorkommenden Mannes. Er ist bereit, seine Vergangenheit und die dazugehörenden polarisierenden Geschichten selbstkritisch aufzuarbeiten.

Seit dieser Saison ist Vonlanthen beim FC Zürich unter Vertrag. Sein Trainer Bernard Challandes hat ihn wohlwollend empfangen: «Johan ist überhaupt nicht schwierig.» Vonlanthen wird für den Meister schnell zu einem Pfeiler. Er verhilft mit Toren zur Qualifikation für die Champions League, er wird in der Meisterschaft mit sieben Treffern zum erfolgreichsten Zürcher. Extravaganz ist keine auszumachen, und seine persönliche Botschaft ist die: «Ich fühle mich sehr wohl in diesem Verein.»

Seine Freundin heiratet er, ohne dass die breite Öffentlichkeit davon erfährt. Vonlanthen streift das Image des Problemspielers ab. Bis er in der vergangenen Woche Sportchef Fredy Bickel mitteilt, er wisse nicht, ob er künftig noch an Samstagen für den FCZ spielen könne. Bickel registriert die Worte, er kennt Vonlanthen schon seit Jahren und gemeinsamen Zeiten bei YB. Vonlanthen spielt am Samstag trotzdem das Derby gegen GC. Es kommt aber der Dienstag, der Abschluss der Champions League gegen Milan - und der Abend der Gerüchte. Vonlanthen sitzt zu Beginn nur auf der Bank. Coach Bernard Challandes argumentiert mit erschreckenden Trainingsleistungen. Das Gerücht macht die Runde, Vonlanthen sei einer Freikirche beigetreten; er sei ferngesteuert von seiner Schwiegermutter, einer Predigerin der Siebenten-Tags-Adventisten, denen es untersagt sei, am Samstag zu arbeiten. Johan Vonlanthen dementiert auf seiner Homepage. Und sonst schweigt er. Er ist plötzlich nicht mehr der zugängliche, kommunikative, neue Johan Vonlanthen. Er ist jetzt wieder ein Rätsel. Und sein von Veränderungen geprägtes Leben um eine Episode reicher.

Der Aufstieg des Riesentalents

In der kolumbianischen Küstenstadt Santa Marta wuchs Vonlanthen ohne Vater auf. Mit seiner Mutter verliess er die Heimat, nachdem sie einen Touristen aus der Schweiz kennengelernt hatte. Johan war damals 12. Er tauchte ein in eine fremde Welt, in der er die Sprache nicht verstand, aber sich am Ball ausdrücken konnte wie kaum ein anderer. Der Wechsel des Jungen aus dem freiburgischen Flamatt zu den Young Boys hatte seine Logik. Vonlanthen legte ein beeindruckendes Tempo vor. Er war 16 Jahre und 23 Tage alt, als er in der höchsten Schweizer Klasse debütierte. Und er brauchte genau sechs Minuten, um sich zum jüngsten NLA-Torschützen zu machen.

Vonlanthen war der Künstler, dem ein steiler Weg zugetraut wurde. Die «Berner Zeitung» schrieb, die Welt werde uns dereinst um diesen Spieler beneiden. «Herrgott noch mal, wunderbar, was da heranwächst», sagte selbst Günter Netzer. Das war die eine Seite des Johan Vonlanthen. Die andere war die abseits des Rasens. Er gab sich verschlossen, er war der Eigenbrötler, er war oft auch un- oder missverstanden, erweckte das Gefühl, sich mit jeder Frage in die Enge getrieben zu sehen.

Später sagte Vonlanthen einmal: «Es war nicht einfach für mich. Ich konnte mich nicht in der Sprache verständigen und reden, die hier gesprochen wird. Ich konnte meine Gefühle nicht so ausdrücken, dass sie authentisch wirkten.» Ihm wurde als ganz junger Spieler das Etikett des «kleinen Prinzen» angehängt, das deshalb als zweifelhaft ausgelegt werden muss, weil dahinter der Vorwurf der Arroganz steckt.

Der Ruf der Diva

Fern seiner Heimat Kolumbien behauptete sich Vonlanthen auf seine Weise. Er ging mit 17 zum PSV Eindhoven, und unter den Eindrücken seines schnellen Aufstiegs hielt er sich auch für zu gut, um sich im November 2003 beim EM-Achtelfinal der Schweizer U-21 gegen Tschechien auf die Ersatzbank zu setzen. Er kokettierte damit, künftig für Kolumbien zu spielen. Vonlanthen erwies sich damit keinen Gefallen. Er arbeitete fleissig am Ruf der Diva, die in der Öffentlichkeit schon viel an Kredit eingebüsst hatte. Aus Kolumbien wurde nie etwas. Vonlanthen durfte 2004 mit der Nationalmannschaft an die Euro nach Portugal und wurde beim 1:3 gegen Frankreich jüngster EM-Torschütze der Geschichte.

Die traumhafte Fortsetzung der Karriere blieb aus. Eindhoven schob den Offensivspieler nach Brescia ab, weil Trainer Guus Hiddink ihn taktisch für unreif hielt; in Italien war nach sechs Monaten Schluss. Breda in der holländischen Provinz war die nächste Kurzstation. Über seine sportlich ungenügende Entwicklung wunderten sich die Experten. Und die Kritiker meldeten, sie hätten das Scheitern immer geahnt. Vonlanthen selber sagt: «In Eindhoven hatte ich die grössten Möglichkeiten. Da hätte ich viel mehr draus machen müssen.»

Vonlanthen erkannte in der WM 06 die Möglichkeit, auf dieser prominenten Bühne auch Werbung in eigener Sache machen zu können. Er verletzte sich ausgerechnet vor dem Turnier, Coach Köbi Kuhn strich ihn von der Aufgebotsliste. Aber Vonlanthen gab nicht auf. Er wollte sich seinen Platz im Kader erstreiten und liess sich von einem Nichtverbandsarzt bescheinigen, gesund zu sein. Ein Aufgebot bekam er trotzdem nicht, dafür neuerlich Kritik und Häme. Ein unverschämter Egoist sei er. Zwei Jahre später erklärte er: «Ich wollte es damals einfach nicht wahrhaben, dass ich die WM verpassen würde.» Nur ist ihm eines auch bewusst: «Wenn man einen Stempel aufgedrückt bekommen hat, ist es schwer zu beweisen, dass man sich geändert hat.»

Die Bibel als Begleiter

Es wurde nach der WM-Episode ruhig um Vonlanthen, der auf seine Fussballschuhe den Spruch «Jesus ist the way» sticken liess. Die Chelseas und Reals dieser Welt spielten ohne das vermeintliche Jahrhunderttalent. Vonlanthen wechselte zu Salzburg, er bekam einen Vertrag bis 2011 und einen Jahreslohn von rund 1,5 Millionen Franken. Er erlebte Hochs und Tiefs, die Tiefs vor allem vor der Euro 08, als er beim italienischen Maestro Giovanni Trapattoni ausser Rang und Traktanden fiel. An der Euro war er zwar dabei, aber in den Tagen der allgemeinen Schweizer Enttäuschung auch nicht mehr als eine Figur am Rande.

Nach der EM wollte Vonlanthen nach Spanien, aber der angeblich vorliegende Vierjahresvertrag bei Santander trat nie in Kraft. Erst ein Jahr später verliess Vonlanthen, 23 jetzt, Salzburg - aber nicht Richtung Spanien, sondern nach Zürich. Aus seiner Nähe zur Religion machte er kein Geheimnis. Den «Salzburger Nachrichten» sagte er im April: «Ich bete jeden Tag. Man sollte die Verbindung zu Gott nie unterbrechen. Die Bibel ist die Nummer 1 bei mir, wenn wir auswärts spielen, nehme ich sie mit.»

Auch im Kreis der Nationalmannschaft soll er sich mit der Bibel gezeigt haben, bis ihm Kollegen rieten, dies sein zu lassen. Vonlanthen, 40-facher Nationalspieler, hat zwar an Akzeptanz gewonnen und ist kein Fremdkörper mehr. Aber er ist gleichwohl ein Mysterium geblieben. Zwischen Flamatt und Zürich lagen Jahre voller Hoffnungen, Wirren, Missverständnissen, Fragezeichen, Desillusionen. Dort, wo er hin wollte, ist er nicht angelangt.

Auf seiner Homepage steht: «Im Moment beschäftigen mich persönliche Probleme verbunden mit dem Gedanken an meine langfristige Zukunft.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.12.2009, 13:32 Uhr

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FC Basel

Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
17.03.10 GC Zürich - FC Sion 2 : 0 (1:0)
R Mannschaft Sp S U N Tvh P
1. Young Boys Bern 24 17 2 5 50:28 53
2. FC Basel 24 15 4 5 54:31 49
3. GC Zürich 23 12 2 9 41:30 38
4. Luzern 24 11 5 8 42:34 38
5. St. Gallen 24 9 6 9 36:32 33
6. Zürich 23 8 7 8 37:33 31
7. Neuchâtel Xamax 24 8 7 9 39:35 31
8. FC Sion 24 8 7 9 33:38 31
9. Bellinzona 24 5 3 16 33:67 18
10. Aarau 24 2 5 17 22:59 11




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