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«Das grösste Goalieversprechen seit 30 Jahren»
Englands Captain Steven Gerrard zum Spiel gegen die Schweiz. (Video: Reuters )
Englands Coach Fabio Capello zum Spiel gegen die Schweiz. (Video: Reuters )
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Es gibt diese Geschichten mit verschiedensten englischen Nationalgoalies, es sind keine schönen Geschichten, und sie wiederholen sich jetzt schon seit acht Jahren. Zuerst sind sie die Hoffnungsträger der Nation. Es gelingt ihnen vielleicht eine gute Premiere, es gelingt ihnen vielleicht auch noch ein gutes zweites Spiel. Dann aber kommt der Moment des Untergangs: Sie lassen einen Rückpass ins Tor rollen. Oder einen lahmen Schuss durch die Hände fallen.
Zu wenig Spass
So sind in England seit David Seamans Rücktritt 2002 David James, Paul Robinson, Scott Carson und Robert Green durchgefallen. David James erklärte einen fabelhaft schwachen Tag einmal damit, in der Nacht vor dem Match zu lange mit Videospielen beschäftigt gewesen zu sein. «Calamity James» nannte ihn die bissige Presse wegen seiner regelmässigen Aussetzer. Er kehrte trotzdem immer wieder ins Tor der Engländer zurück. Zuletzt bei der WM in diesem Sommer. Weil eben die anderen noch schlechter waren als er.
Jetzt ist Joe Hart die Nummer 1, wenn England heute in der EM-Qualifikation im Basler St.-Jakob-Park auf die Schweiz trifft. Er hätte schon an der WM die erste Wahl sein müssen, wenn allein die Leistung aus der vorangegangenen Saison gezählt hätte. Das war nicht so, weil der italienische Coach Fabio Capello konservativ und Hart erst 23 ist. Hart war deshalb nicht unglücklich. Er findet: «Es war grossartig, an der WM dabei zu sein.»
Es spricht hier einer, der schon als 12-, 13-Jähriger ungemein talentiert war, aber nicht wusste, wohin sein (Goalie-)Leben führen sollte. Er lehnte Angebote von Grossklubs ab, wollte nicht den Weg gehen durch ihre Nachwuchsabteilungen, die sogenannten Academies. «Das Academy-Zeugs und die Trainingsdrills, das interessierte mich nicht», sagt er. Das war ihm zu viel Druck und zu wenig Spass. Er spielte lieber in der Sunday League, dieser Liga ohne Schiedsrichter auf unebenen Rasenplätzen, bevor er sich mit 14 entschloss, zum unbekannten Viertligisten Shrewsbury zu wechseln. Mit 18 wechselte er für 1,5 Millionen Pfund doch noch zu Manchester City.
Zuversicht und Selbstvertrauen
Für den «Observer» ist Hart «das grösste Goalieversprechen seit 30 Jahren oder mehr». Die Geschichte seiner Vorgänger verrät, wie gross der Druck ist auf den Nationalgoalie in einem Land, das seit der Weltmeisterschaft 1966 auf einen Titel wartet. Hart findet es unfair, wie hart die Goalies vor ihm kritisiert wurden. «Fast niemand stellt sich ins Tor», sagt er, «aber fast alle scheinen über die Arbeit des Goalies alles zu wissen.»
Gross, stark und mutig müsse man sein, um mit der Erwartungshaltung im Land umgehen zu können. Er arbeitet mit einem Mentaltrainer zusammen und glaubt nicht, dass der Druck seine Leistungen beeinflussen kann. Er will nicht mit dieser ständigen Angst vor dem Fehler leben, sondern lieber «die Chance umarmen, mit der Nummer 1 auf dem Rücken in ein Stadion einzulaufen».
Gegen Ungarn debütierte Hart Mitte August in der Startformation. Gegen Bulgarien war er beim 4:0 zum Auftakt in die EM-Qualifikation am vergangenen Freitag überragend wie schon seit Saisonstart für Manchester City. Zuversicht und Selbstvertrauen prägen seine Arbeit. Und auch wenn Hart selbst sagt, dass es nicht immer so perfekt weitergehen könne, so gibt es doch Anzeichen dafür: Ein Fehler wird nicht schon sein Ende bedeuten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.09.2010, 07:22 Uhr












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