Sport

Der Kampf um und gegen die SRG

Von Ueli Kägi. Aktualisiert am 23.09.2011 64 Kommentare

Wer erhält die 36 noch nicht vergebenen Livespiele der Super League? Die SRG taktiert – und verärgert.

Kein anderer Kanal als die SRG kann eine bessere Abdeckung des Landes bieten: TV-Aufnahmen eines Länderspiels.

Kein anderer Kanal als die SRG kann eine bessere Abdeckung des Landes bieten: TV-Aufnahmen eines Länderspiels.
Bild: Keystone

Ein Kommentar von Fredy Wettstein

Mehr als nur ein Spiel

Jede Partei hat ihre eigenen Interessen. Die Vereine wollen mehr Geld, die Sponsoren grosse Beachtung, und das Fernsehen, welches auch immer, will hohe Einschaltquoten – vom Fussball, der populärsten Sportart, möchten alle profitieren. Und theoretisch sind sich auch alle Beteiligten in diesem Streit über die künftige Ausstrahlung der Super-League-Spiele einig: Der Fussball muss weiter im öffentlichen Fernsehen gezeigt werden.

Trotzdem gibt es bisher keine Einigung. Wird gestritten, werden Positionen bezogen, unterschiedliche Interessen verteidigt, gibt es persönliche Differenzen zwischen Verhandlungspartnern, auch Eitelkeiten. Den Fan in Zürich, Basel, Genf oder im Tessin interessiert das aber nicht. Er will auch ab dem Sommer 2012 die Schweizer Meisterschaft, mit Live-Spielen, Ausschnitten und Hintergründen, im Schweizer Fernsehen sehen. Alles andere wäre für ihn unverständlich – und kein Service publique.

Und da sich alle in diesem Grundsatz einig sind, kann es auch nur diese Lösung geben. Deshalb reden inzwischen selbst die Chefs der beiden staatsnahen Betriebe SRG und Swisscom, Roger de Weck und Carsten Schloter, miteinander und gibt es Einfluss von höchster politischer Seite. So brisant ist das Thema geworden.

Artikel zum Thema

Super League

36. Runde

23.05.Basel - Young Boys1 : 2
23.05.Lausanne - Grasshoppers2 : 1
23.05.Sion - Luzern1 : 3
23.05.Thun - FC Zürich2 : 4
Stand: 23.05.2012 22:10

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel34228478:3374
2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

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Fussball-Diskussion

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In Neuenburg wütet Bulat Tschagajew. In Zürich wankt der FCZ. In Basel stürmen Reizfiguren. In Bern diktiert Christian Gross. In Luzern gewinnen die Yakins. In Sitten wirbelt Constantin. Alle zusammen machen sie den Schweizer Fussball begehrenswert. In der letzten Saison strömten erstmals über 2 Millionen Zuschauer zu den 180 Partien in die Stadien. Und ab der nächsten Saison ist die Super League so viel wert wie noch nie: 28 Millionen Franken wird Pay-TV-Anbieterin Cinetrade jährlich an die Swiss Football League (SFL) überweisen, um 144 Spiele exklusiv im Bezahlfernsehen via Swisscom-TV und Teleclub zeigen zu können.

Damit ist ein wichtiges, aber nicht das wichtigste TV-Geschäft abgeschlossen. Der Vertrag zwischen Liga und Cinetrade sieht vor, dass pro Saison 36 Livespiele auf einem frei empfangbaren Sender ausgestrahlt werden. Marc Walder, der CEO von Ringier, sagt deshalb: «Das heisse Eisen liegt jetzt auf dem Tisch.»

Staatsfernsehen im Dilemma

Walder ist an verschiedenen Fronten Direktbeteiligter und deshalb Interessenvertreter. Infront-Ringier hält ab nächster Saison die Marketingrechte und ist auch am Teleclub beteiligt. Walder könnte Interesse haben, die 36 freien Spiele Sat 1 Schweiz zuzuhalten, das ebenfalls teilweise zu Ringier gehört. Das hat er aber nicht.

Walder wünscht sich das Livepaket bei der SRG, weil kein anderer Kanal im Land eine bessere Abdeckung bieten kann – was Auswirkungen auf den Wert von Liga und Marketingrechten hat. Die SRG als Partnerin, das wünscht auch die Liga. Das wünschen der zukünftige Super-League-Namenssponsor Raiffeisen und die Swisscom. (SCMN 352 0.09%) Das mag gerade im letzten Fall überraschen, weil der Kommunikationskonzern mit dem Exklusivrecht auf 144 Spiele Kunden an sich binden möchte. Er weiss aber auch: Wird der Fussball nur noch im Bezahlfernsehen ausgestrahlt, verschwindet er mancherorts von der Agenda. Und die Cinetrade muss der Liga 32 statt 28 Millionen jährlich bezahlen, wenn die SRG die Livespiele nicht übernimmt.

Zum Ärger aller anderen Parteien hat die SRG bislang wenig Interesse gezeigt am Angebot, für 5 Millionen die 36 Partien zu zeigen, obwohl sie derzeit für den gleichen Betrag nur 10 Livepartien hat. Laut gut informierten Quellen befindet sich das Staatsfernsehen in einem Dilemma. Es möchte zwar die Rechte, konkrete Gespräche hat es trotzdem nie geführt. Das hat vor allem einen Grund: Sport- und Verhandlungschef Urs Leutert ist verärgert, dass die Liga während des ersten Bieterverfahrens für die Hauptrechte die Regeln entgegen der schriftlichen Abmachung änderte und mit Cinetrade zum Abschluss kam. Kritiker werfen der SRG vor, nach jahrelanger Monopolstellung mit der neuen Konkurrenzsituation nicht umgehen zu können.

Zu seiner Strategie will Leutert keine Auskunft geben. Gesichert aber ist, dass sich sein Groll vor allem auf die Verhandlungsdelegation der Liga konzentriert. Er hat auch aus persönlichen Gründen keine Bereitschaft gezeigt, sich mit SFL-Finanzchef Heini Schifferle und FCZ-Präsident Ancillo Canepa an einen Tisch zu setzen. Ausserdem stört er sich daran, gemäss Offerte nur in 10 von 36 Runden Wahlrecht bei den Partien zu haben. Er wünscht sich Einfluss auf Spielplangestaltung und Bildproduktion und könnte sich auch vorstellen, weniger als 36 Livespiele zu zeigen.

Das Ausstiegsszenario

Leutert hat seinen Kurs von SRG-Generaldirektor Roger de Weck absichern lassen. Und er hat intern auch schon davon gesprochen, den Schweizer Spitzenfussball komplett sein zu lassen. Das ist für den SRG-Verwaltungsratspräsidenten Jean-Bernard Münch keine leere Drohung, sondern ein realistisches Szenario, «wenn keine für die SRG akzeptable Lösung gefunden wird». Die Frage ist trotzdem, wie sehr die SRG mit der Ausstiegsdrohung taktiert. Es gibt im Leutschenbach auch Stimmen, für die Live-Fussball zum Service public gehört.

Ringier-CEO Walder hat wenig Verständnis für das bisherige Verhalten der SRG. Er sagt: «Ich bin im höchsten Mass irritiert über die Signale, die die SRG in diesem Dossier aussendet.» Sie bekomme für den gleichen Preis wie bisher deutlich mehr Livepartien, «deshalb ist es für mich absolut unverständlich, weshalb sie so destruktiv verhandelt.» Gemäss Walder und Schifferle wären Cinetrade und Liga verhandlungsbereit in Fragen des Erstwahlrechts und neuerdings auch bei der Spielplangestaltung.

Als Geschäftsleiter der Raiffeisenbank strebt auch Pierin Vincenz eine möglichst hohe Publizität der Super League an. Er wünscht sich ein öffentlich-rechtliches Fernsehen, das bei der Fussballberichterstattung «eine Begeisterung und einen Enthusiasmus zeigt wie bei den Ski-Übertragungen». Und er glaubt auch: «Das erwartet die Öffentlichkeit.» Vincenz will Überzeugungsarbeit leisten. Am Ende müsse eine Delegation am Tisch sitzen, die sich nicht von persönlichen Animositäten leiten lasse, sondern eine gewisse Distanz zeige. Er wird in den kommenden Tagen das Gespräch suchen mit de Weck und Carsten Schloter von der Swisscom.

Schloter und de Weck: Kontakt

Die zwei Chefs der staatsnahen Betriebe hatten wegen des Fussballzwists zuletzt Kontakt. Eingeschaltet haben sich auch hohe Politiker aus Bern, die eine Lösung mit der SRG forcieren möchten. Deeskalierende Massnahmen auf höchster Ebene hält hingegen VR-Präsident Münch nicht für nötig, es gebe keinen Grund, Druck auf Leutert auszuüben.

Einer Lösung zuträglich könnte sein, dass seit kurzem nicht mehr die SFL, sondern die Cinetrade die Verhandlungen über die TV-Rechte führt. Bis zum 1. Oktober darf Cinetrade das Paket nur der SRG anbieten, danach kann sie mit anderen Sendern verhandeln. Kein schlechtes Signal für den Schweizer Fussball ist, dass es zwischen einer SRG-Delegation und Cinetrade-Chef Willy Heinzelmann ein erstes Gespräch gegeben hat. In der kommenden Woche soll es zu einem nächsten Treffen kommen.

(Mitarbeit: Maurice Thiriet)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2011, 23:07 Uhr

64

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64 Kommentare

Ursi Brock

23.09.2011, 08:53 Uhr
Melden 39 Empfehlung

Am besten alles den privaten überlassen so das die via Abogebühren, Kopierschutz, Urheberrechten usw. die Milliarden Investitionen wieder beim Zuseher reinholen können. Dabei wäre, wenn alles Oeffentlich-Rechtlich aufgebaut wäre, das ganze viel billiger... Aber besser man drückt 80.- und mehr für eine Settopbox ab als der SRG auch nur 1.- mehr an Gebühren anzugeben. Antworten


Daniel Wigger

23.09.2011, 10:12 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Korrekt, den privaten übergeben. Bitte in die Lizenzgebühren dann noch die Mio für die Polizeiaktionen gegen die Hooligans einschliessen, so dass sich dieser Verblödungssport endlich selber finanziert. Antworten



FC Basel

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 07:34
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden

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