Der Schweizer beim Bayern München von Österreich

Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 10.03.2010

Der ehemalige YB-Spieler Christian Schwegler steht seit acht Monaten bei Red Bull Salzburg unter Vertrag. Die ungleich lange Tradition sei nicht das Einzige, das die Klubs unterscheide, sagt er.

«Einen wie ihn habe ich noch nie erlebt», sagt der ehemalige YB-Spieler Christian Schwegler (rechts) über Huub Stevens. Der Holländer ist Schweglers Trainer bei Red Bull Salsburg.

GEPA pictures/Christian Ort

Christian Schwegler steht im Kabinengang der Salzburger Red Bull Arena und schüttelt den Kopf. Unnötig habe sein Team gegen Wiener Neustadt den Sieg verspielt, sagt er nach dem 1:1. Sein Team, das ist seit acht Monaten Red Bull Salzburg, der amtierende Meister und Tabellenführer der österreichischen Bundesliga. Hier steht der Aussenverteidiger unter Vertrag, seit er am Ende der letzten Saison nach drei Saisons die Berner Young Boys verliess. Unzufrieden ist auch Schweglers Trainer, der Holländer Huub Stevens. Bevor er die Mannschaft in den freien Sonntag entlässt, tobt er so laut, dass seine Tirade ausserhalb der Mannschaftskabine zu vernehmen ist.

Von Wiener Fans verachtet

Am Tag zuvor, beim Mittagessen in einem italienischen Restaurant, ist Schwegler noch guter Dinge. Bei einem Teller Pasta spricht er über sein Leben in Salzburg. Er hat sich gut eingelebt in der Stadt, in der die Kultur nicht nur wegen Mozart, der 1756 hier geboren wurde, einen grossen Stellenwert geniesst. Mit seiner Freundin Jenny wohnt der 25-Jährige nahe der Innenstadt. Doch das Paar schaut sich nach einem Zuhause etwas ausserhalb des Zentrums um. Die beiden haben sich kürzlich einen Hund angeschafft. Murphy, einen lebhaften Havaneser, der während des Gesprächs aber brav unter dem Tisch wartet.

Über seinen Trainer Stevens sagt Schwegler schon beim Essen: «Einen wie ihn habe ich noch nie erlebt. Er ist fordernd und kann extrem laut werden. Daran musste ich mich gewöhnen.» Die Art des Trainers ist nicht das Einzige, in dem sich Red Bull Salzburg von YB unterscheidet. Die Tradition – YB wurde 1898 gegründet, Red Bull Salzburg gibt es in dieser Form seit 2005 – ist nur ein Aspekt. «Hier steht der Erfolg noch stärker im Vordergrund als bei YB», hat Schwegler zu spüren gekriegt. Es zähle nur der Meistertitel.

Enorm ist der finanzielle Aufwand, den der Getränkehersteller betreibt. Red Bull Salzburg, das ist das Bayern München des österreichischen Fussballs. Nicht von der Geschichte, aber von den Erwartungen und der wirtschaftlichen Potenz her. Der reichste Fussballklub der Liga ist verhasst bei den Fans der anderen Teams. Schwegler erzählt von Fahrten zu Auswärtsspielen auf denen den Spielern von Autofahrern der Stinkefinger gezeigt wird, sobald diese den Mannschaftsbus erkennen. «Vor allem auf dem Weg nach Wien geschieht das.» In der Hauptstadt sind die härtesten Rivalen der Salzburger zu finden. Rapid und Austria. «Gegen diese Teams ist auswärts jeweils die Hölle los. Wir werden andauernd beschimpft.» Erschrocken wirkt Schwegler nicht, als er das erzählt, eher amüsiert. «Mich spornen solche Situationen an.»

Kein Anruf von Hitzfeld

13 Nationen sind in Salzburgs Kader versammelt. Schwegler ist einer von 15 Ausländern. «Nach drei Jahren in Bern hatte ich Lust, mich zu verändern», sagt er rückblickend. Salzburg habe sich um ihn bemüht und ihm das Gefühl vermittelt, alles zu bieten, was er brauche. Letzten Sommer führte Schwegler auch an, er wolle wieder in einer Viererabwehrkette spielen und so seine Chancen auf einen Einsatz im Nationalteam vergrössern. Er ist ehrlich genug, um zuzugeben, dass sich der Wechsel in dieser Hinsicht nicht gelohnt hat. Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld hat ihn noch nie angerufen.

Ansonsten ist seine Bilanz überzeugend: Über 30 Partien hat er diese Saison bestritten. Salzburg ist auf dem Weg zur Titelverteidigung und zeigte in der Europa League starke Leistungen, ehe das Team im Sechzehntelfinal gegen Lüttich scheiterte. Schweglers Vertrag läuft 2012 aus. Was danach kommt, damit beschäftigt er sich noch nicht. Einen Plan hat er aber bereits: Er möchte noch einmal mit seinem jüngeren Bruder Pirmin, der in Frankfurt unter Vertrag steht, für den gleichen Klub spielen. «Am liebsten bei YB.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.03.2010, 12:54 Uhr

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