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«Der lässt sich nur mit dem Gewehr stoppen»
Von Oliver Meiler, Rom. Aktualisiert am 09.04.2010 7 Kommentare
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Man darf von einer kleinen Hysterie reden, von einem fröhlichen Auswuchs des «Calcio parlato», des gesprochenen Fussballs, einer Sprache, der die Italiener wahrscheinlich mächtiger sind als die meisten Weltenbürger. Sie hat durchaus dichterische Elemente, bedient sich gerne des Pathos, rutscht zuweilen aber auch ins martialisch Prosaische ab. Jedenfalls ist sie eine lebendige Sprache.
Was können die Italiener beim Caffè nicht animiert und sehr ernsthaft über Spielschemen streiten, über 4-4-2 und 4-3-2-1? Über passives Abseits, Vertikalisierungen und Horizontalisierungen. In diesen Tagen dreht der «Calcio parlato» aber allein um einen jungen und recht klein gewachsenen Mann, 22 Jahre alt, aus dem argentinischen Rosario, den die italienischen Zeitungen wahlweise einen Propheten, einen Ausserirdischen, ein UFO oder einfach nur «il pericolo» nennen: die Gefahr. Lionel Messi.
Kann man ihn stoppen?
Im Halbfinal der Champions League trifft sein FC Barcelona bald auf Inter Mailand. Und Italien fragt: Wie kann man den Mann stoppen? Oder, noch kategorischer, metaphysisch fast: Kann man ihn stoppen? Die Frage wächst gerade zur nationalen Mission heran.
Die «Gazzetta dello Sport», die tägliche Souffleuse des Bargesprächs, widmete der vermeintlichen Unstoppbarkeit Messis am Donnerstag ihre ersten acht Seiten. Der Titel des fachtechnischen Kommentars ging so: «Wenn wir mal die Bazooka ausschliessen . . .» Die Bazooka war eine Handwaffe für die Panzerabwehr, wie sie die amerikanische Infanterie früher in vielen Kriegen einsetzte. Das wüste Bild soll dem fintenreichen Spiel des Fussballers Tribut zollen. Im «Calcio parlato» steht der Ausdruck «Der lässt sich nur mit dem Gewehr stoppen» für die höchstmögliche Respektsadresse.
Theoretisch bestehen drei Lösungen
Hier nun etwas Fussballkunde, erteilt von der «Gazzetta». Es gibt offenbar drei Methoden, um die Kreise Messis zu stören. Theoretisch wenigstens. Man könnte einen «Käfig» um ihn herum bauen: zwei, drei, zuweilen vier Spieler auf ihn ansetzen, die ihn an seiner eigentümlich explosionsartigen Entfaltung hindern. Weniger erfolgreich waren Gegner, die ihn auf Distanz zu kontrastieren suchten – im Raum also. Man dürfe ihm keinen Raum geben, nie. Unglücklich sahen bisher aber auch die meisten Verteidiger aus, denen die Aufgabe beschieden war, Messi auf Mann zu decken, ihm also wie ein Schatten zu folgen, ihn am Trikot zu reissen, mit versteckten Schubsern aus der Balance zu bringen und im Notfall zu foulen. Er ist schneller als seine Gegner, schüttelt den Schatten meist mit lächerlicher Leichtigkeit ab. Und verbal provozieren lässt er sich auch nicht, was die Hoffnung auf einen Ausraster eindämmt.
Was nun? Der «Corriere della Sera» und die «Repubblica», beides seriöse Blätter, haben alte Heroen des Calcio um Rat gebeten. Giuseppe «Beppe» Bergomi etwa, 81 Länderspiele, fiel mit der Bemerkung auf: «Ganz einfach, Messi darf keine sauberen Zuspiele erhalten.» Das hört sich nur scheinbar lapidar an: Anscheinend ist es nämlich so, dass Messi schnell nervös wird, wenn er den Ball mal für eine oder zwei Minuten nicht kriegt. Dann reisst die Geduld, dann scheint das Kind in ihm durch. Claudio Gentile, ein Haudegen zu seiner Zeit, ein klassischer Manndecker, dem es 1982 gelang, Diego Maradona zu stoppen, sagt: «Es gibt nur ein Mittel: hart am Mann, mit wilder Entschlossenheit.» Und Roberto Baggio, einst eine Augenweide am Ball, rät: «Am besten, wir lassen ihn gar nicht erst ins Stadion.»
So viel Anerkennung war selten. Fällt Messis Name, gerät das Reden in der Bar auch mal ins Stocken und macht einer ausladenden Geste Platz. Dann verstummt selbst der «Calcio parlato». Mehr Lob geht gar nicht.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.04.2010, 10:12 Uhr
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7 Kommentare
Ein herrlicher Artikel, danke Herr Meiler, für diese humorvolle Einsicht in den italiensichen Alltag ; -) Meiner Meinung nach hilft Inter wohl nur ein Wunder von Mailand... im Camp Nou ist dem FCB sowieso nicht beizukomen in der momentanen Verfassung! Es spielt eben nicht nur Messi sehr gut, Xavi spielt auch fast ausserirdisch... er ist das Hirn & der Motor des FCB! Antworten
Da bleibt aber immer noch das Problem von Xavi und Iniesta. Mourinho muss wohl auf das 4-5-1 mit 4 'Stürmern' verzichten und das Mittelfeld verstärken, wenn ihre Zuspiele unterbinden will. Zudem gibts da noch Ibrahimovic der auch immer 2 Spieler auf sich zieht, falls er wieder spielen kann. Antworten




