Die Trennung von Urs Fischer ist logisch und richtig

Hasenfüsse entscheiden anders. Marco Streller macht sich früh angreifbar – aber er hat Chuzpe.

Vom Meistertrainer zum Zauderer. In seiner zweiten Saison stagnierte Urs Fischer verblüffend schnell.

Vom Meistertrainer zum Zauderer. In seiner zweiten Saison stagnierte Urs Fischer verblüffend schnell. Bild: Keystone

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Haben sie nun beim FC Basel komplett den Verstand verloren? Diese Frage stellt sich der Laie beim Lesen der Mitteilung, die der Schweizer Serienmeister gestern verbreiten liess. Zum zweiten Mal in nur drei Jahren muss ein zweifacher Meistertrainer den Club verlassen. Nach Murat Yakin 2014 trifft es diesmal Urs Fischer, der kurz davor steht, den Titel einzufahren – und Ende Mai sogar die Chance hat, mit dem FCB im Cup­final gegen Sion das Double zu erobern.

Damit kein Missverständnis entsteht: Es ist logisch und richtig, wie der designierte Sportchef Marco Streller mit dem Segen des neuen Präsidenten Bernhard Burgener entschieden hat. Oberflächlich betrachtet hätte es Gründe gegeben, Fischer über die Saison hinaus zu beschäftigen. Für das Kerngeschäft Super League bietet sich der Büezer aus Zürich geradezu an. Er unterschätzt niemals einen Gegner, arbeitet zuverlässig mit seiner Crew und gibt sich demütig gegenüber seinen Vorgesetzten.

In seinem ersten Jahr im St.-Jakob-Park überzeugte Fischer noch. Er liess einen gefälligen Fussball spielen, vor allem im Frühling 2016. Auch in der Europa League schlug er sich achtbar. Doch in seiner zweiten Saison wurde aus dem Meistertrainer ein Zauderer, der erstaunlich schnell stagnierte. Seine schönfärberischen Analysen hätte man ihm noch nachgesehen. Genauso wie sein Verhältnis mit der Physio-Abteilung, das sich im Zuge der vielen Verletzten in seiner ersten Saison schnell zerrüttete. Die Verpflichtung von Werner Leuthard als Leiter Fitness war nicht zuletzt der gestörten Kommunikation der beiden Parteien geschuldet. Nein, es waren andere Kriterien, an denen Urs Fischer scheiterte.

Nur individuelle Klasse

Zum einen veredelte er den Fussball seiner Mannschaft keinen Deut, was sich hauptsächlich in einem festgefahrenen Spielsystem sowie der ewig gleichen Personalwahl akzentuierte. Praktisch alle Matches gewann der FCB dank der individuellen Klasse der Spieler, aber niemals, weil er den Gegner taktisch überraschte. Das zeigte sich vor allem in der Champions League, wo der Trainer mutlos agierte.

Zum anderen entwickelte Fischer seine Spieler nicht weiter. Es ist normal, dass bei einem 26-köpfigen Kader nicht alle durch die Decke schiessen. Aber die Liste jener, die nicht vorwärtskamen (Gaber, Serey Die, Hoegh, Riveros, Kakitani, Bua, Kutesa, Fransson, Traoré, Sporar) oder gar unzufrieden vom Club schieden (Kuzmanovic, Gashi, Boëtius), ist bemerkenswert lang. Ein moderner Trainer muss in der Lage sein, das Leistungsvermögen seiner Spieler auch unter höchstem medialem Druck nach oben zu verschieben. Gerade in Basel ist dieser Aspekt ein tragender Teil jenes Geschäftsmodells, das den Club in den letzten Jahren so sagenhaft riesig hat werden lassen.

Beispiellos professionell

Wenn man nun noch berücksichtigt, wie die neue Crew um Burgener und Streller die Jugend forcieren will und einen unterhaltsameren Stil fordert, kommt man schnell zum Schluss, dass Fischer unmöglich der richtige Mann sein konnte, dies umzusetzen.

Das Vorgehen der neuen Führung ist beispiellos professionell. Nur drei Tage nach dem Einverständnis der FCB-Mitglieder an ihrer ausserordentlichen GV hat sie den wichtigsten Entscheid für die Saison 2017/2018 bereits gefällt und kommuniziert. So schnell hat Streller früher als Stürmer und rotblauer Volksheld auf dem Rasen nicht mal ein Tor geschossen.

Er und seine neuen Mitstreiter im Tagesgeschäft, Alex Frei und Massimo Ceccaroni, hätten es sich einfacher machen können. Sie hätten auf Bewährtes setzen und Fischer behalten können. Dass sie es nicht tun, spricht für ihre Courage. Der neue Chef an der Linie, ob er nun Fink, Wicky oder wie auch immer heissen wird, ist nun «ihr» Trainer. Gerade Streller setzt sich damit als Sportdirektor gehörig unter Druck, er macht sich früh in seiner Amtszeit angreifbar. Hasenfüsse entscheiden anders. Streller hat Chuzpe.

In den letzten Jahren ist der Eindruck entstanden, Carlo Ancelotti, Pep Guardiola oder der Heiland persönlich seien gut genug für den FCB, so hoch sind mittlerweile die Ansprüche beim verwöhnten Serienmeister. Das ist Unfug. Hohe Kunst ist es dagegen, Siege mit Spektakel zu verbinden und dabei den Fussball als das zu begreifen, was er letztlich in den Augen der zahlenden Kundschaft ist: pure Unterhaltung. Mit ihrer Ankündigung haben Streller und Co. jetzt schon für jene Aufbruchsstimmung und Vorfreude gesorgt, die dem Club nur guttun kann. Für den möglichen Double-Gewinner Fischer dagegen ist es ein ganz bitteres Verdikt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.04.2017, 06:56 Uhr

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