Die bunte Karriere eines Wandervogels

Darko Damjanovic, der ehemalige Torhüter des FC Wil und des FC Gossau, gehört zu den verdächtigten Spielern im Fussball-Wettskandal.

Unauffindbar: Torhüter Darko Damjanovic, hier im Challenge-League-Spiel Lausanne gegen Gossau im Februar 2009, ist weder für seine Klubkollegen noch für die Journalisten zu erreichen.

Unauffindbar: Torhüter Darko Damjanovic, hier im Challenge-League-Spiel Lausanne gegen Gossau im Februar 2009, ist weder für seine Klubkollegen noch für die Journalisten zu erreichen.
Bild: Keystone

Eigentlich hätte Darko Damjanovic (32) am letzten Samstag am traditionellen Martiniball des FC Linth 04 teilnehmen sollen. Er kam aber nicht. Präsident Erich Fischli erfuhr, der Torhüter habe sich wegen eines Todesfalls in der Familie bei einem Mannschaftskollegen abgemeldet; er müsse unverzüglich zurück in seine Heimat. Seither wählen die Klubverantwortlichen und eine Menge Journalisten vergeblich Damjanovics Handynummer. Sie suchen ihn, weil er zu den Verdächtigen im europäischen Fussball-Wettskandal gehört, der auch die Schweiz erschüttert. Der mittlerweile suspendierte Mario Bigoni vom FC Gossau steht im Verdacht, in der vergangenen Saison Spiele manipuliert zu haben. Dasselbe gilt auch für seinen damaligen Teamkollegen Damjanovic.

Ob Damjanovic tatsächlich den Verlockungen des schnellen Geldes erlegen ist, wird die laufende Untersuchung zeigen. Unbestritten ist, dass der Goalie zu einer Spielerspezies gehört, die man wegen ihrer vielen Klubwechsel als «Wandervögel» bezeichnet.

1977 in Bosnien-Herzegowina geboren, wuchs Damjanovic bei seinen Grosseltern auf. Vor Ausbruch des Balkankriegs holten die Eltern den damals 13-Jährigen nach St. Gallen, wo sie schon seit geraumer Zeit lebten und arbeiteten. Im Oktober 1990 trat der Junge den C-Junioren des FC St. Gallen bei. Zuerst spielte er als Stürmer, später profilierte er sich im Tor. Er hatte Talent und wurde als 18-Jähriger zwecks sportlicher Reifung an den benachbarten Erstligaklub Rorschach ausgeliehen. Daneben absolvierte er eine Lehre als Heizungsmonteur.

Schlüsselerlebnis beim FC Wil

Er habe - anders als die meisten Spieler - nie einen Berater gehabt, sagen jene, die ihn kennen. Damjanovic ging zielstrebig seinen eigenen Weg: eine Saison bei Gossau, zwei weitere bei Kreuzlingen (beide in der 1. Liga), dann der Wechsel zum FC Wil in die damalige Nationalliga B. Dort waren die Ambitionen riesig. Präsident Andreas Hafen rüstete die Mannschaft mit Millionen auf. Zweifellos verdiente auch Damjanovic nicht schlecht. Zumal er mit dem FC Wil in der vierten Saison in die höchste Spielklasse aufstieg. Kurz zuvor war er eingebürgert worden.

Am 3. November 2002 stand Damjanovic im Tor, als das kleine Wil den grossen FC St. Gallen in einem legendären Spiel 11:3 besiegte. Schon die erste Sequenz hatte es in sich: Tranquillo Barnetta vom FC St. Gallen flankte nach 150 Sekunden fast von der Seitenlinie aus scharf zur Mitte. Damjanovic stand wie angewurzelt im Tor. Der Ball flog an ihm vorbei an den Pfosten und von dort ins Netz zum 0:1. Heute kann man auf solche Ereignisse wetten.

Wenig später krachte das Kartenhaus des FC Wil zusammen. Es kam heraus, dass Präsident Hafen die UBS um mehr als 50 Millionen Franken betrogen hatte, von denen er 11 Millionen in den FC Wil investierte. Der Klub musste saniert werden; Damjanovic wurde wie viele andere Spieler überzählig - es war sein Abschied vom bezahlten Spitzenfussball. Willy Scheepers holte ihn zum Erstligisten FC Kreuzlingen. Der Holländer, ein ehemaliger Spieler des FC Zürich, strebte dort als Trainer den Aufstieg in die Challenge League an.

«Ein fröhlicher, aufgestellter Typ»

Als Heizungsmonteur mochte Damjanovic nicht mehr arbeiten. Er stieg als Aussendienstmitarbeiter in die Versicherungsbranche ein. Sein damaliger Arbeitgeber weiss nur Gutes über ihn zu berichten: «Ein fröhlicher, aufgestellter Typ, der gerade geheiratet hatte und bald schon Vater wurde - ich fiel aus allen Wolken, als ich hörte, dass er Spiele manipuliert haben soll.»

Wie unberechenbar Fussball ist, erfuhr Damjanovic auch beim FC Kreuzlingen. Zwar qualifizierte sich die Mannschaft im Jahr 2004 für die Aufstiegsspiele. Doch vor dem entscheidenden Match in Baulmes VD verhaftete die Bundesanwaltschaft Trainer Scheepers unmittelbar nach der Teamsitzung wegen Verdachts auf Drogenhandel. Das Spiel ging 2:3 verloren. Jahre später wurde Scheepers freigesprochen. Man konnte ihm keine Kokain-, sondern nur Viagrageschäfte nachweisen. Die gelieferten Produkte hatte er am Telefon jeweils als «Fussballspieler» bezeichnet.

Damjanovic zog weiter zum Konkurrenten FC Herisau, wo er drei Saisons in der 1. Liga spielte. Präsident Marcel Wäspi erinnert sich: «Er war ein sehr guter Torhüter und dazu ein cleverer Bursche, der genau wusste, was er wert war. Vom Fussball leben konnte er bei uns allerdings nicht.»

Ein Vorbild?

So tingelte der nunmehr 30-Jährige weiter zum FC Gossau, der soeben in die Challenge League aufgestiegen war. Vor dem Lokalderby gegen den FC Wil fragte ihn ein Reporter, warum der Trainer so gern auf einen routinierten Torhüter wie ihn setze. Damjanovic sagte: «Weil er sich auf mich verlassen kann. Ich will für die jungen Spieler auf und neben dem Platz ein Vorbild sein.»

Ob er in der Schlussphase der vergangenen Saison tatsächlich ein Vorbild war, untersucht nun die Staatsanwaltschaft in Bochum. Der Match zwischen Gossau und Yverdon vom 3. Mai 2009 endete 0:4. Er soll auf der Liste der insgesamt 28 manipulierten Schweizer Spiele stehen. Torhüter Damjanovic kassierte in der Schlussphase jener Meisterschaft 22 Gegentore: 1:4 gegen den FC St. Gallen, 0:4 gegen Yverdon, 1:4 gegen Biel, 0:2 gegen Wohlen, 0:4 gegen Locarno und 0:4 gegen den FC Servette-Genf.

Danach wechselte Damjanovic zum FC Linth 04, der gerne aus der 2. Liga Interregional in die 1. Liga aufsteigen würde. Der Klub steht an 5. Stelle, acht Punkte hinter Leader Brühl St. Gallen. Seit die Polizei an die Tür von Damjanovics Wohnung in Romanshorn geklopft hat, ist freilich unsicher, ob der Wandervogel noch einmal zwischen den Pfosten des FC Linth landen wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2009, 07:59 Uhr

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Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
07.02.10 Aarau - Bellinzona 6 : 3 (4:2)
07.02.10 FC Basel - Young Boys Bern 4 : 0 (0:0)
07.02.10 Luzern - GC Zürich 4 : 2 (2:1)
06.02.10 St. Gallen - FC Sion 1 : 0 (1:0)
06.02.10 Zürich - Neuchatel Xamax 0 : 0
R Mannschaft Sp S U N Tvh P
1. Young Boys Bern 19 13 2 4 43:24 41
2. FC Basel 19 11 4 4 45:27 37
3. Luzern 19 9 5 5 37:28 32
4. Neuchâtel Xamax 19 7 6 6 34:25 27
5. GC Zürich 19 8 2 9 33:28 26
6. St. Gallen 19 7 5 7 27:26 26
7. FC Sion 19 7 5 7 29:32 26
8. Zürich 19 6 6 7 31:29 24
9. Bellinzona 19 4 3 12 28:57 15
10. Aarau 19 2 4 13 17:48 10




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