Die erste Schiedsrichterin in der Bundesliga

Ihr Name wird als Patronin gegen Fallsucht geführt, nun wird Bibiana Steinhaus kommende Saison erstmals Spiele in der höchsten deutschen Liga leiten.

Wird befördert: Bibiana Steinhaus, von Beruf Schiedsrichterin und Polizistin.

Wird befördert: Bibiana Steinhaus, von Beruf Schiedsrichterin und Polizistin. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es wurde Zeit. Ab kommender Saison pfeift in der Bundesliga erstmals eine Frau. Bibiana Steinhaus heisst sie, sie hat seit 2007 Spiele der 2. Bundesliga geleitet, war in der 1. Bundesliga als vierte Offizielle an den Partien und wird dieses Jahr den Frauenfinal der Champions League pfeifen.

Bibiana heisst im Lateinischen «die Lebendige», die FAZ führte vor Jahren einmal aus, dass sich unter dem Namen Bibiana im katholischen Heiligenlexikon eine Märtyrerin findet, die heute als Patronin gegen Fallsucht geführt wird. Eine wiederum andere Bibiana gilt als Beschützerin vor Krämpfen.

Passt ja, eine Frau gegen Schwalbenkönige und Verletzungen. Die 38-Jährige arbeitet als Polizistin und ist begeistert von ihrer Beförderung: «Das war schon immer mein Traum.» Sie sei sprachlos und der Aufstieg «eine turbulente Achterbahnfahrt der Gefühle».

Immer ein bisschen besser sein

Tatsächlich musste sie immer ein bisschen besser sein als ihre männlichen Kollegen, wenngleich sie immer – wenn darauf angesprochen – betonte, dass auf dem Papier alle die gleichen Voraussetzungen hätten. Doch eben, nicht alle können gleich damit umgehen.

So war Steinhaus in der zweiten Liga schon harscher Kritik und dumpfer Pöbelei ausgesetzt, auch von Spielern. Kerem Demirbay von Fortuna Düsseldorf sagte einmal nach einer von Steinhaus gegebenen Gelb-Roten Karte reichlich unverblümt: «Ich finde, Frauen haben im Männerfussball nichts zu suchen.» Der DFB verurteilte ihn dafür zu fünf Spielen Sperre. Rudi Völler sagte einmal nach einer umstrittenen Schiedsrichterleistung, der Spielleiter Aytekin solle doch künftig Frauenfussball pfeifen. An Steinhaus sind solche Entgleisungen immer abgeperlt, nie liess sie sich davon aus der Ruhe bringen.

Die müden Sprüche sind vorbei

Steinhaus sagt, dass die verbalen Ratschläge und Beleidigungen in höheren Ligen überschaubar wären. Einerseits seien da Spieler und Trainer unter grösserer Beobachtung, andererseits höre man bei 20'000 Leuten im Stadion einzelne Rufe nicht.

Damals, als sie als Zweitliga-Schiedsrichterin vorgestellt wurde, musste sie sich unverschämt geistreichen und witzigen Fragen aussetzen: Ob sie etwa mit ihren männlichen Kollegen die Garderobe teilen werde.

Diese Sprüche sind Vergangenheit, die 1,81 Meter grosse Frau bewegt sich auf Augenhöhe mit ihren Schiedsrichterkollegen, wie auch Fussballern. So wird sie auch mal als «Herr Schiri» angesprochen. Für sie ein Indiz, dass es den Spielern egal ist, wer da pfeift. (czu)

Erstellt: 19.05.2017, 17:25 Uhr

Artikel zum Thema

Die Erben der Hand Gottes

SonntagsZeitung Schummeln ist Mode im Fussball. Ist der Kampf dagegen aussichtlos? Mehr...

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Stillgestanden: Freiwillige Zivilschützer aus Hong Kong haben sich für eine zweitägige Grossübung in der Metropole Schutzanzüge übergestreift. (21. Mai 2017)
(Bild: Dale de la Rey) Mehr...