Sport
Die grossen Sorgen des Fabio Capello
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 30.08.2010
Englands Aufgebot, EM-Qualifikation
Tor: Scott Carson (West Bromwich Albion), Ben Foster (Birmingham City), Joe Hart (Manchester City).
Abwehr: Gary Cahill (Bolton Wanderers), Ashley Cole (Chelsea), Michael Dawson (Tottenham Hotspur), Kieran Gibbs (Arsenal), Phil Jagielka (Everton), Glen Johnson (Liverpool), Joleon Lescott (Manchester City), Matthew Upson (West Ham United).
Mittelfeld: Gareth Barry (Manchester City), Michael Carrick (Manchester United), Steven Gerrard (Liverpool), Adam Johnson (Manchester City), James Milner (Manchester City), Theo Walcott (Arsenal), Shaun Wright-Phillips (Manchester City), Ashley Young (Aston Villa).
Sturm: Darren Bent (Sunderland), Carlton Cole (West Ham United), Peter Crouch (Tottenham Hotspur), Jermain Defoe (Tottenham Hotspur), Wayne Rooney (Manchester United).
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Der 201 cm grosse «Riese» von Tottenham Hotspur, der mit seinem Hattrick beim 4:0-Erfolg am Mittwoch den Young Boys den Einzug in die Königsklasse verwehrt hatte, verletzte sich bei der samstäglichen 0:1-Heimpleite gegen Wigan ernsthaft an einer Rippe. Zurzeit wird noch untersucht, ob sich Crouch einen Bruch zuzog oder ob er «bloss» eine starke Quetschung erlitt – so oder so ist die Blessur eine schmerzhafte Angelegenheit. Vorderhand steht der Stürmer noch im Aufgebot der «Three Lions» für die EM-Quali-Partien gegen Bulgarien am Freitag in London sowie am 7. September in Basel gegen die Schweiz.
Der Ausfall des schlaksigen Tottenham-Profis, der immer für ein Kopfballgoal gut ist, ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für Capello. Am Wochenende musste er auch das Forfait von Mittelfeld-Ass Frank Lampard (Leistenoperation) sowie von Verteidiger John Terry (Oberschenkelprobleme) zur Kenntnis nehmen. Letzterer wird durch West Hams Matthew Upson ersetzt. Dieser machte allerdings bei der 1:4-Pleite im WM-Achtelfinal gegen Deutschland alles andere als eine gute Figur. Überhaupt ist die Abwehr nicht das Prunkstück der Engländer, zumal sich Routinier Rio Ferdinand (Manchester United) noch nicht von seiner Knieoperation erholt hat und sein Teamkollege Wes Brown sowie Liverpools Jamie Carragher ihren Rücktritt aus der Landesauswahl erklärt haben.
Wer kann die Chelsea-Stars ersetzen?
Aber auch der Ausfall von Lampard kommt dem italienischen Trainer der Engländer äusserst ungelegen, obwohl sich Steven Gerrard beim Test gegen die Ungarn im August ohne seinen Mannschaftskollegen von Chelsea äusserst wohlfühlte und endlich einmal einen überzeugenden Auftritt im Nationaltrikot zeigte. Der ehemalige schottische Liverpool-Verteidiger Alan Hansen, heuer Kolumnist und Fussball-Experte in britischen Medien, ist überzeugt, dass weder Terry noch Lampard derzeit adäquat im Nationalteam ersetzt werden können. «Sagen Sie mir: Wer soll diese beiden ersetzen? Capello hat keine Optionen für dieses Duo», analysiert Hansen im «Daily Telegraph». Zumal Paul Scholes von Manchester United im November 36-jährig werden würde und bei Beginn der EM zu alt für eine Rolle als Leistungsträger in Englands Mittelfeld sei.
Das zeigt wiederum, dass Schlüsselpositionen in den Premier-League-Klubs oft von Ausländern besetzt sind und deshalb die Alternativen für den englischen Nationalcoach längst nicht so vielseitig sind, wie man aufgrund der renommierten Liga annehmen könnte.
Capello: «Ich bin ein Kämpfer»
Andere Zeitungen, die sich seit Wochen gegen Capello eingeschossen haben, sind über das jüngste Aufgebot unzufrieden. Das Boulevardblatt «Sun» fragt, warum die beiden Spurs-Profis Aaron Lennon und Tom Huddlestone nicht den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft hätten. Beide würden die Offensivabteilung erheblich verstärken, zumal Crouch als auch Jermain Defoe (Leistenprobleme) mehr als nur angeschlagen seien. In der Tat muten Capellos Entscheidungen manchmal kurios an. Für die beiden wichtigen Matches gegen Bulgarien und die Schweiz greift er auf Goalie Scott Carson zurück, Mittelfeldspieler Joe Cole (Liverpool) dagegen erhielt keine Berücksichtigung, was im Mutterland des Fussballs mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wird.
Capello steht wegen des missglückten Trips nach Südafrika schwer unter Beschuss, zumal er sich nicht gerade gentlemanlike bei der Ausbootung von Idol David Beckham präsentierte. «Vor der WM war ich einer der besten Trainer. Nach der Niederlage gegen Deutschland gibt es nun diverse Probleme sowie Diskussionen über meine Qualität», hat der erfahrene Trainer auf der Insel festgestellt. Diese Situation sei aber für ihn nicht neu, er habe dies auch mit Real Madrid erlebt. «Am Ende der Saison gewannen wir die Meisterschaft der Primera Division. Und die Leute erinnern sich stets gerne an jene Zeit.» Er hoffe, dasselbe würde auch jetzt in England passieren. «Ich konzentriere mich ganz auf die Spiele und meinen Job. Ich bin ein Kämpfer», erklärte der ruhige Capello am Wochenende mit einem Hauch von Entschlossenheit.
Der Italiener muss auf diese Tugend zurückgreifen, wenn er im Haifischbecken der englischen Medien und der kritischen öffentlichen Meinung überleben will. Goodwill kann sich Capello nur zurückholen, wenn sein Team gegen Bulgarien und die Schweiz gewinnt. Das ist, Personalsorgen der Engländer hin oder her, immer noch möglich. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.08.2010, 13:27 Uhr

