Sport
«Du musst loslassen, sonst gehst du kaputt»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 29.11.2011 2 Kommentare
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Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
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Deutschlands Nationalkeeper Robert Enke hatte sich in seiner Verzweiflung vor einen Zug geworfen. Auch der ehemalige Basler Mittelfeldspieler Ivan Ergic musste sich wegen Depressionen in psychiatrische Behandlung begeben. Bayerns Star Sebastian Deisler beendete wegen derselben Erkrankung sogar seine Karriere. Schalkes Trainer Ralf Rangnick nimmt eine Auszeit, weil er völlig ausgebrannt und vom Burn-out befallen ist. Vor zehn Tagen wollte sich Bundesligaschiedsrichter Babak Rafati vor dem Spiel Köln gegen Mainz im Hotelzimmer das Leben nehmen und schnitt sich die Pulsadern auf. Am Samstag hat sich Gary Speed, der Nationaltrainer von Wales und zweifacher Familienvater, mit 42 Jahren das Leben genommen und sich in der Garage erhängt. In Belgien hat ein Linienrichter versucht, sich vor dem Zweitliga-Derby zwischen Turbize Brüssel und dem FC Brüssel in der Schiedsrichterkabine das Leben zu nehmen. Das Spiel wurde abgesagt.
«Die Nachricht vom Tod von Gary Speed hat mich tief getroffen, ja sie hat mich schockiert», sagt ein nachdenklicher Sforza, der ebenfalls zweifacher Familienvater ist. Auch wenn das Motiv von Speeds Freitod nicht geklärt sei, dürfe man die enorme psychische und physische Belastung für Spieler, Trainer und Schiedsrichter unter keinen Umständen unterschätzen. In der Branche gebe es Existenzängste und unglaubliche Stresssituationen. Der Erfolgsdruck sei geradezu enorm und manchmal auch unerträglich. Die Angst vor dem Versagen sei allgegenwärtig. «Mit diesen Problemen muss man sich täglich auseinandersetzen und sie auch verarbeiten können», sagt der ehemalige Nationalspieler. Dabei dürfe man sich jedoch nicht das Gehirn rund um die Uhr zermartern. «Du musst auch mal loslassen können, sonst gehst du innerlich kaputt», sagt Sforza.
«Es muss sich keiner schämen»
Es wundere ihn nicht, dass es bei gewissen psychischen Konstellationen zu Kurzschlusshandlungen kommen könne. «Wenn du Probleme hast, musst du auch den Mut aufbringen, sie offen anzusprechen», sagt Sforza. Man dürfe sich nicht in die eigene Tasche lügen. Man müsse auch mal so richtig Dampf ablassen können. Man müsse auch in seinen Körper hineinhören und hineinfühlen können. Dann erhalte man auch gewisse Signale, auf die man reagieren könne. «Ein Trainer ist in seinen Entscheidungen vorwiegend alleine. Aber wenn du alles in dich hineinfrisst, entwickelt dies automatisch negative Energien», ist Sforza überzeugt. Und dann werde man mit der Zeit psychisch wie auch physisch krank. «Ich bin sicher, dass darunter auch die Gesundheit leidet», so Sforza.
Sforza glaubt, dass in Gary Speed ein Konflikt geschwelt haben muss. «Wenn so etwas geschieht, würde ich jedem raten, sich mit seiner Familie und seinen Freunden zu beraten oder sogar einen Psychologen aufzusuchen», sagt Sforza. Man dürfe keine Angst haben, solche Probleme offen anzusprechen. «Es muss sich keiner schämen, wenn er in diesem Stressjob psychische Probleme bekommt. Nur muss er damit umgehen und sie verarbeiten können», so Sforza. Sonst bestehe tatsächlich die Gefahr, dass es zu einer tragischen Wende im Leben kommen könne. «Wenn sich einer wie Robert Enke vor einen Zug wirft oder einer wie Gary Speed sich erhängt, dann muss die Verzweiflung bei diesen Menschen unerträglich gewesen sein. Sie waren sich in ihrer Ausweglosigkeit offenbar dann gar nicht mehr bewusst, welchen Schmerz sie den Hinterbliebenen zufügen.»
«Die Trennung von Luzern hat mir psychisch gutgetan »
Ciri Sforza hat in seinem Job auch schon mal die Notbremse gezogen. «Als ich in Luzern merkte, dass ich keine Energie und Freude mehr hatte und auch nichts mehr bewirken konnte, habe ich meinen Job zur Verfügung gestellt. Und dann haben Präsident Walter Stierli und ich uns im Guten und gegenseitigen Einvernehmen getrennt», sagt Sforza. Man müsse, wie gesagt, auch mal loslassen können, sonst gehe man psychisch kaputt. Sein Abschied aus Luzern habe sich im Nachhinein positiv auf sein weiteres Leben ausgewirkt. Es sei wichtig, dass man für sein Wohlbefinden und sein Seelenleben stets eine Lösung finde. «Da muss man auch ein bisschen Egoist sein können.» Man müsse sich auch im gnadenlosen Business des Fussballs am Leben noch freuen dürfen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.11.2011, 11:10 Uhr
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2 Kommentare
Danke Ciri. Auch mal Worte die deinen Kritikern den Mund stopfen. Sportler sind dem gesellschaftlichen Druck genauso ausgesetzt wie Büetzer etc. Niemand kann in die Seele des andern hineinschauen. Wann endlich kapiert die Gesellschaft , dass Depressionen eine Krankheit sind. Es gibt zig Formen davon. Danke Ciri für deine offenen Worte. Du sprichst als Mensch und nicht als Promi. BRAVO !! Antworten
Der grosse Erwartungsdruck wohl jedes Clubvorstandes übersteigt oft die realen Möglichkeiten von Trainer, Goalie und Spieler. Ziele, Kosten und Resultate stimmen so nicht, gut sichtbar zurzeit auch bei Vereinen in Zürich und Bern.
Kein Wunder hält das nicht Jeder aus. Aufgeben wäre oft das Beste, aber dazu fehlt meistens der Mut.
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