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England erlebt seine schlimmste Niederlage

Von Ueli Kägi. Aktualisiert am 03.12.2010 425 Kommentare

Die Fifa attestierte den Engländern die beste Bewerbung – bevor sie für Russland stimmte. Die Verlierer wie David Beckham, Alan Shearer oder David Cameron wählten deutliche Worte.

1/8 Die WM-Kandidatur von England ging den Bach herrunter.
Bild: Keystone

   

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Presseschau: Bittere Enttäuschung in Grossbritannien

Presseschau: Bittere Enttäuschung in Grossbritannien
In England herrscht gross Enttäuschung über die Wahl der Fifa betreffend des Austragungsortes der Weltmeisterschaften.

«Wir hätten vielleicht die beste WM der Geschichte organisiert»: David Beckham. (Bild: Keystone )

«Das zerstört Dich»

David Beckham, hätte das englische Bewerbungskomitee mehr tun können, um die WM ins eigene Land zu holen?

Nein. Es ist ganz offensichtlich ein sehr enttäuschender Moment für uns. Wir haben dieses Resultat nicht erwartet; wir fühlten uns in einer starken Position; wir hatten ein gutes Tempo. Wir hätten nicht mehr unternehmen können. Aber Gratulation an Russland und Qatar, die beide gute Bewerbungen hatten.

Was fühlten Sie, als Sepp Blatter das Couvert öffnete und Russland auf dem Zettel stand?

Ein solches Resultat zerstört dich, wenn du so viel Kraft in die Bewerbung gesteckt hast wie wir. Aber jetzt können wir nur eines machen: Wir werden weiterhin unsere Leidenschaft demonstrieren und versuchen, die WM zu uns zu bringen. England ist berühmt für dieses Spiel, das wird sich mit dieser Niederlage nicht ändern. Unsere Kinder werden weiterhin begeisterte Fussballer sein. Und in keinem Land gibt es bessere Möglichkeiten für den Profifussball als bei uns. Es wäre wunderbar gewesen, die WM erstmals nach 1966 wieder nach England zu bringen.

Sind Sie überrascht, dass England schon nach der ersten Runde aus der Entscheidung gefallen ist?

Ja, wir dachten, es würde sehr viel enger werden. Du kannst jetzt über alle möglichen Szenarien nachdenken und dir überlegen, wer wie gestimmt hat. Aber das bringt nichts.

Am Morgen nach der Präsentation hatte alles gut ausgesehen für Ihre Kandidatur. Hat die Fifa ehrlich entschieden?

Es waren Momente voller Stolz für uns, für unser Land auf die Bühne zu stehen und zu sagen, weshalb wir die WM haben möchten. Ich glaube nicht, dass die Fifa alle von uns in der Bewerbung betonten Kriterien ausblendete. Russland kann auch eine aussergewöhnliche WM organisieren, Qatar ebenso. Ich bin sicher, dass beide die Fifa stolz machen. Aber als Engländer glaube ich, dass wir die WM verdient hätten. Und wir hätten vielleicht die beste WM der Geschichte organisiert.

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Gary Lineker stand an einen Pfosten im Auditorium in der Messe Zürich gelehnt. Die Scheinwerfer leuchteten noch nicht, und Sepp Blatters grosser Auftritt mit der Verkündung der Sieger hatte noch nicht begonnen.

Nach offizieller Sprachregelung der Fifa kannte in diesem Moment noch kein Offizieller das Wahlresultat – nicht einmal der Präsident. Die Miene von Lineker aber, dem WM-Torschützenkönig der WM 1986 und Ambassador der englischen Bewerbung, erzählte etwas Anderes. Er war bleich, er lächelte nicht, und rund um ihn herum wuselten aufgeregt die englischen Journalisten, viele von ihnen hielten das Handy ans Ohr, um die Redaktionen in der Heimat zu unterrichten: «Die Gerüchte sagen: Wir werden die WM nicht bekommen.»

Out in Runde 1 – mit 2 Stimmen

Sie bekamen die WM nicht, wie schon 2006, als sie Deutschland unterlagen. Dieses Mal erlitten sie gar die schlimmste aller Niederlagen. Sie schieden nach der ersten Wahlrunde aus. Mit 2 Stimmen. Am Morgen, nach der Vorstellung der englischen Bewerbung, hatte Blatter noch gesagt: «Eine exzellente, bemerkenswerte Präsentation.» Die Fifa-Inspektoren hatten den Engländern einige Tage vor der Entscheidung das beste Zeugnis aller vier Kandidaten für 2018 ausgestellt. Blatter aber stimmte, so wird vermutet, für Russland. Den sieben Unterlegenen des Tages gab er mit auf den Weg: «Fussball bedeutet nicht nur zu gewinnen. Fussball ist eine Lebensschule – lerne zu verlieren.»

Eine «starke Bewerbung» und «brillante Präsentation» hatte auch Lineker gesehen. Er glaubt, dass das englische Komitee mit seinem vom nationalen Fussballverband bereitgestellten 15-Millionen-Pfund Bewerbungsbudget nicht mehr hätte unternehmen können, um die Stimmen der Exekutivmitglieder zu gewinnen. Er hatte vor der Wahl natürlich die Gefahr gesehen, im ersten Wahlgang ausscheiden zu können. Er sagte aber auch, dass England weit hätte kommen können, wenn es die erste Runde überstanden hätte, weil die Verteilung der Stimmen mit jedem neuen Gang unberechenbar sei. «Der Entscheid lag nicht in unseren Händen, sondern bei 22 anderen. Und die wählten Russland, wir können deshalb Russland nur gratulieren.»

Alan Shearer: «Eine Schande»

John Barnes, auch er ein ehemaliger englischer Nationalspieler und Teil der Delegation, war weniger diplomatisch. Er glaubt: «Die Fifa entschied, dass die WM rund um die Welt geht. Es ging bei dieser Wahl nicht um technische Aspekte.» Und Alan Shearer – auch er einer der Granden in der Bewerbung – konnte das Resultat nicht nachvollziehen. «Es ist eine Schande», sagte der EM-Torschützenkönig von 1996. «Es ist ein Gefühl, wie wenn man vom Fussballplatz kommt, verloren hat und sagen muss: Wir haben alles für den Sieg getan.»

Premierminister David Cameron fand es «schrecklich traurig», er war auch «bitter enttäuscht». Aufgrund der Fifa-Benotung habe niemand voraussehen können, dass England in solche Probleme geraten könne. Prinz William taten die Fans im Heimatland leid, «aber wir haben alles getan, was möglich war». Es stellte sich auch Boris Johnson vor die Mikrofone, der Bürgermeister aus London. «Dieses Resultat ist eine furchtbare Enttäuschung.» Johnson fand, England hätte nicht mehr Leidenschaft zeigen können, nicht mehr Engagement mit Prinz William, Cameron und der Fussball- und Werbe-Ikone David Beckham im Aufgebot. Und auch Johnson sprach von einem «professionellen und grossartigen» Dossier, «nur wurde das von der Fifa nicht so gesehen». Er glaubt, dass die Recherchejournalisten der «Sunday Times» und der «BBC» mit ihren kurz vor der Vergabe publizierten Geschichten gegen hohe Fifa-Funktionäre wesentlich zum Wahlresultat beigetragen haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.12.2010, 06:47 Uhr

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425 Kommentare

Lorenzo Balmelli

02.12.2010, 20:29 Uhr
Melden

wir brauchen di fifa nicht in zürich. niemand braucht die fifa! soll sie ihren hauptsitz gleich mit in die wüste verlagern! Antworten


Werner Fürst

02.12.2010, 19:52 Uhr
Melden

Und jetzt, nach dieser feinfühligen, ergreifenden Zeremonie der Weltmeisterschafts-Vergabe, zu der Hohe Häupter zur FIFA-Hütte pilgerten, stünde Herr Sepp Blatter die Würde - nachdem es mit dem Friedens-Nobelpreis (noch) nicht geklappt hat - eines Ehren-Kardinals unbedingt zu. Er, der den Menschen so viel Freude bringt! Antworten



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