Sport
Eric Cantonas nächster Erfolg – als Eric Cantona
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 06.05.2009
Ein streitbarer Charakter war der Franzose seit jeher. In aller Erinnerung ist sein Ausraster am 24. Januar 1995, als er nach einer roten Karte von einem Fan von Crystal Palace bespuckt und beschimpft wurde. Cantona sprang ihn in Kung-Fu-Manier an und wurde dafür ein halbes Jahr gesperrt. Er lud daraufhin zur grossen Medienkonferenz. Es war eine der kürzesten überhaupt: «Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie glauben, dass die Sardinen wieder ins Wasser geworfen werden. Ich danke euch», waren Cantonas Worte, dann verschwand er.
Seine wortkargen Auftritte machten ihn zum Fussball-Philosophen. Er passte nie in ein Schema, und liess sich schon gar nie in eines drängen. Bekannt war er für das millimeterkurz geschnittene Haar und den hochgestellten Kragen. Mittlerweile hat er lange Haare und einen wuchernden Bart. Wortkarg ist er noch immer. «Es gibt Essen, während denen ich kein Wort sage», bestätigt er das Urteil.
War den Tränen nahe
Bei Manchester United war Cantona schon zu seiner Aktivzeit ein Held. Unlängst wurde er von den Fans zu den besten ManU-Spielern aller Zeiten gewählt. Für die Dreharbeiten zu «Looking for Eric» kehrte Cantona nach Manchester zurück. Es war eine emotionale Rückkehr. Er verriet kürzlich, dass er beinahe in Tränen ausgebrochen sei, als Fans auf ihn zugekommen seien.
Im Film spielt Cantona sich selbst und ist dabei ein Lebensberater für einen haltlosen Postboten, der ein grosser Cantona-Fan ist und ebenfalls Eric heisst. Der englische Regisseur Ken Loach ist mit dem Fussballer in der Hauptrolle einer der Favoriten auf eine «Goldene Palme» für das in einer Woche beginnende Filmfestival in Cannes: «Der neue Film ist halb Komödie, halb das Gegenteil. Es geht um einen Briefträger, dessen Leben aus den Fugen gerät. Er ist ein Fan von Manchester United, kann sich aber den Besuch im Stadion nicht mehr leisten. In seinem Schlafzimmer hat er ein Poster von Eric Cantona. Er fängt an, mit ihm Gespräche zu führen.»
Der Aufstieg in die kulturelle Elite
Mit diesem Streifen etabliert sich Cantona definitiv in der kulturellen Elite, nachdem sein Filmdebüt neben einem Affen noch belächelt worden war. Schon vor elf Jahren hatte er an der Seite von Cate Blanchett in «Elisabeth» als Monsieur de Foix einen bemerkenswerten Auftritt. Nun strahlt er, der auch schon malte und Songs schrieb, mit seiner Frau Rachida Brakni vom Titelbild des «Paris Match». Und für Cantona ist es selbst ein Erfolg, dass seine sportliche Karriere im Sand verlief. In den Sand wäre korrekt: Er führte die französische Beachsoccer-Nationalmannschaft immer wieder in die Weltspitze. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.05.2009, 16:01 Uhr

