Europas schlafender Gigant und die Millionen aus China

Jahrelang hinkte die AC Milan den eigenen Ansprüchen hinterher. Damit soll jetzt Schluss sein.

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Achter, Zehnter, Siebter und Sechster. Die Serie-A-Klassierungen der AC Milan in den letzten vier Saisons sind nicht gerade berauschend. Schon gar nicht für einen Verein, der 7-mal die Champions League und 18-mal die italienische Meisterschaft gewann. Der Glanz vergangener Tage ist schon lange verblasst. Dort, wo früher Paolo Maldini verteidigte, Clarence Seedorf das Spiel dirigierte und Andrei Schewtschenko die Mannschaft zu Titeln schoss, spielen heute Gabriel Paletta, Andrea Bertolacci oder Gianluca Lapadula. Namen, die nicht annähernd so viel Strahlkraft mitbringen wie jene von Maldini oder Seedorf.

Das hat vor allem damit zu tun, dass die meisten Spieler, die seit dem letzten Meistertitel 2011 verpflichtet wurden, nur ein Kriterium erfüllen mussten: Sie sollten billig bis gratis zu haben sein. Der ehemalige Präsident Silvio Berlusconi investierte kaum mehr in die Mannschaft. Diese Zeiten sollen jetzt vorbei sein. Denn plötzlich kann sich die AC Milan wieder Spieler mit hohen Ablösesummen leisten.

Die Millionen aus China

Im August 2016 meldete die von Berlusconi gegründete Muttergesellschaft des Vereins, Fininvest, dass sie sämtliche Anteile des Clubs verkaufen wird. Fininvest war zuvor über 30 Jahre lang die Eigentümerin von Milan. Nach langem Hin und Her war es im April 2017 so weit: Der chinesische Geschäftsmann Yonghong Li löste Berlusconi als Präsident ab, Milan kostete ihn über 500 Millionen Euro.

Viel ist über den neuen Präsidenten der Norditaliener nicht bekannt. 48 ist er, 500 Millionen Euro schwer. Zu wenig, um den traditionsreichen Fussballclub zu kaufen. Den Kauf des Vereins soll er mit Darlehen und Offshorekonten finanziert haben. Seine Hauptgeldquelle: Die Elliot Management Corporation, ein Hedgefonds aus New York. Elliot soll Li mit 300 Millionen Euro unterstützt haben. Li wiederum soll diese mit einer Zinsrate von elf Prozent bis im Oktober 2018 zurückzahlen. Abgeschlossen wurde der Verkauf schliesslich in Luxemburg. Darauf sollen sich Berlusconi, Li und Elliot geeinigt haben, weil solche Geschäfte dort einfacher zu tätigen seien als in Italien oder China.

Zuerst der Unmut, dann das Vertrauen

Kaum Präsident, handelte Li auch schon. Einen Tag nach seiner Übernahme wurde Marco Fassone als CEO vorgestellt, Massimiliano Mirabelli als Sportdirektor. Zwei nicht unumstrittene Personalien: Zum Unmut der Anhänger der «Rossoneri» haben die beiden Italiener eine Vergangenheit bei Milans Stadtrivale Inter Mailand. Der Tenor in den sozialen Medien war eindeutig: «Wir wollen keine Interisti in unserem Verein.»

Ein bisschen mehr als ein halbes Jahr später ist das Misstrauen der Fans weg. Sogar als bekannt wurde, dass das Goalietalent Gianluigi Donnarumma seinen Vertrag nicht verlängern wird, stellten sich die Fans hinter Fassone und Mirabelli. Kurz nach der Bekanntgabe der Meldung schaltete ein italienischer Fernsehsender zu einer Gruppe aus einem der vorherrschenden Fanclubs der Mailänder Südkurve. «Ich kann dieser Geschichte auch etwas Positives abgewinnen: Wir haben gesehen, dass wir eine Clubführung haben, die professionell arbeitet und sich nicht erpressen lässt», sagte einer der Anwesenden. Gemäss italienischen Medien sollen Donnarumma und sein Agent Mino Raiola auf einem Vertrag mit sechs Millionen Euro Jahresgehalt bestanden haben. Fassone und Mirabelli boten fünf, worauf der Goalie sich entschied, nicht zu verlängern.

Fassone und Mirabelli haben Vertrauen geschaffen, indem sie auf dem Transfermarkt aktiv nach Spielern Ausschau hielten und die Mannschaft verstärkten. Schon über 100 Millionen Euro liessen sich die «Rossoneri» die Dienste der Verteidiger Ricardo Rodriguez und Mateo Musacchio, des Mittelfeldspielers Franck Kessié und des Stürmers André Silva kosten.

Milan gab erst einmal in einem Transferfenster so viel Geld aus: Im Sommer 2001, als unter anderem Filippo Inzaghi, Andrea Pirlo und Alessandro Nesta die Rossoneri verstärkten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2017, 11:28 Uhr

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