Fascht e Familie

Im Spielfilm des designierten FCB-Präsidenten Bernhard Burgener sind die Wege kurz und die Freundschaften tief.

«Ich weiss, wie schlecht es dem Club ging.» Bernhard Burgener, zwischen 1993 und 1996 im FCB-Vorstand.

«Ich weiss, wie schlecht es dem Club ging.» Bernhard Burgener, zwischen 1993 und 1996 im FCB-Vorstand. Bild: Keystone

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An das Reisegrüppli Oeri haben alle Passagiere nur beste Erinnerungen. Das ging so: Gigi Oeri bestellte ihren Privatjet – und Bernhard Burgener oder Karli Odermatt organisierten dann abwechselnd den Rest der Reise. Air Oeri flog die ganz grossen Fussballplätze dieser Welt an, London, Madrid, Mailand, München. Gemeinsam besuchte man ein Champions-League-­Spiel, sehr oft eines mit dem FC Basel, manchmal war es auch ein Endspiel ohne rotblaue Beteiligung. «Wir hatten es immer sehr lustig», erinnert sich Bernhard Burgener, als er im Gespräch mit der BaZ in Erinnerungen schwelgt.

Der 59-jährige Medienunternehmer hat ein turbulentes Wochenende hinter sich. Seit bekannt wurde, dass er als Nachfolger von Bernhard Heusler den FC Basel übernehmen soll, rennen ihm alle die Türen ein. «Dabei habe ich doch noch gar nichts unterschrieben», sagt Burgener, «es ist viel zu früh, um in der Öffentlichkeit über Inhalte zu reden.»

Dennoch hat er Verständnis, dass nun jeder Burgeners Spielfilm des Lebens sehen oder zumindest erzählt haben will. Wer es als Unternehmer in der Film-, Show- und Fussballbranche zum Multimillionär gebracht hat, ist auch ohne das FCB-Mandat gefragt.

Wer mit alten Weggefährten über Bernhard Burgener spricht, der spürt sofort, dass der Selfmademan aus Allschwil mit Wohnsitz in Zeiningen kein eiskalter Geschäftsmann ist, sondern mit Herzlichkeit durchs Leben geht. «Fascht e Familie», hiess einst die erfolgreiche Sitcom auf SRF. Das Drehbuch könnte von Burgener stammen.

Gigi Oeri: «Die beste Lösung»

«Bernhard Burgener ist die beste und die emotionalste Lösung für den FC Basel», sagt Gigi Oeri. Soeben hat die 61-jährige Ehrenpräsidentin des FCB ein kurzes Sonnenbad auf Ibiza genossen, als sie mit der BaZ über «BB» spricht. «Wir beide sind die grössten Fans des FCB», betont Oeri.

Nicht nur die gemeinsamen Reisen in ihrem Flugzeug haben ihre Freundschaft vertieft. Sondern auch die Gespräche über Basel, den Fussball und die Menschen dahinter. «Bernhard ist ein begnadeter Geschäftsmann, loyal, integer. Er lernt schnell – und sein Bauchgefühl ist nicht zu übertreffen», meint Oeri. Ihren 50. Geburtstag organisierte einst Burgener. Wie alle Partys, die er auf die Beine stellte, wurde es ein unvergesslicher Abend.

Dass Burgener noch keine Erfahrung im Tagesgeschäft Fussball hat, schätzt Gigi Oeri nicht als Nachteil ein. «Business ist Business. Aber Pokern muss er noch lernen – so wie ich das im Fussballgeschäft auch musste.»

Karli Odermatt kocht für Burgener

Fascht e Familie. Das gilt nicht nur für Gigi Oeri, sondern insbesondere für Karli Odermatt. Der einstige Mittelfeldstratege des FCB begleitet Burgener seit rund dreissig Jahren durchs Leben. «Ich habe Karli auf dem Spielfeld bewundert», sagt Burgener, «wegen Spielern wie ihm sind die Leute doch ins Stadion gekommen.» Heute kocht Odermatt jede zweite Woche für Burgener zu Hause ein feines Menü, anschliessend schauen sie zusammen Fussball am Fernseher. «Er ist einer meiner besten Freunde.» Odermatt war es, der 1992 Burgener in den FCB-Vorstand brachte. Dieser entwarf ein Konzept für Restaurants und Unternehmen, die den FCB finanziell unterstützten. Als Gegenleistung gab es Tickets für die Joggeli-Tribüne. «Ich weiss, wie schlecht es dem FCB damals finanziell ging», meint Burgener, «auch deshalb müssen wir dem Club Sorge tragen.» Burgener besitzt eine Loge im St.-Jakob-Park, er ist immer noch viel im Stadion.

Als Odermatt im Dezember 2002 seinen 60. Geburtstag feierte, schmiss Burgener eine grosse Party in der St. Jakobshalle. Von diesem Abend schwärmen alle heute noch. Sogar Bundesrat Samuel Schmid kam nach Basel. Burgener ist immer für das Feuerwerk zuständig, auf oder neben der Geburtstagsparty. Was er in der Berufswelt anpackt, scheint zu leuchten. Aber in der Zeitung wollte der 59-Jährige bis jetzt seinen Namen nicht zu oft lesen. «Entscheidend ist, bescheiden zu sein und im Hintergrund zu bleiben», sagt Burgener, «das bringt nämlich den Vorteil, dass man unterschätzt wird.»

Beim FCB wird er im gleissenden Licht der Scheinwerfer stehen, sobald ein unabhängiges Gremium im März sein Konzept prüft und durchwinkt. Die Idee steht: Burgener wird als VR-Präsident geschäftsführender CEO des FCB, Marco Streller macht den Sportdirektor, ihm assistieren werden Alex Frei und Massimo Ceccaroni.

Peter Epting: «Ein super Typ»

Von einer solchen Besetzung in der Geschäftsstelle konnte Peter Epting einst nur träumen. Zwischen 1992 und 1996 war er jener FCB-Präsident, der den Dreck wegwischen und Geld suchen musste. «Wir waren am Boden», erzählt Epting der BaZ. Der Blick betitelte ihn einst als «Sparpapst». Das war hart, aber durchaus treffend.

1992 musste Epting den erfolglosen Trainer Ernst-August Künnecke entlassen, das Duo Karli Odermatt/Bruno Rahmen sprang ein. Wenig später stand Bernhard Burgener auf der Matte und half mit, Geld zu sammeln. 1993 kam er in den Vorstand und blieb drei Jahre. Dann war die Ära Epting Geschichte, René C. Jäggi übernahm das Ruder.

Was von Burgener bleibt? «Ein super Typ», sagt Epting sofort, «zurückhaltend, intelligent. Und er bringt einen grossen Vorteil mit.» Welchen, Herr Epting? «Im Gegensatz zu Bernhard Heusler kennt Burgener die alten Zeiten. Und das ist ein Vorteil.»

Als Kritik an Heusler will Epting das keinesfalls verstanden haben, im Gegenteil. Der ehemalige Architekt und CEO von Burckhardt+Partner, heute mit 70 im Ruhestand, lobt Heusler und dessen Crew für deren grandiose Arbeit. Aber er sagt auch: «Der Abstand zwischen dem FCB und dem Rest der Liga ist zu gross geworden. Deshalb wirken die Siege manchmal langweilig. Auch im Logen-Bereich hat sich vieles verändert, es ist nicht mehr so persönlich wie früher noch. Der FC Basel hat heute ein echtes Luxusproblem.»

Doch die Liebe zu Rotblau wird auch Epting immer begleiten. «Gigi Oeri hat das Fundament des heutigen FCB gelegt, das darf niemand vergessen», sagt er noch, «und seien wir froh, dass es Persönlichkeiten wie Burgener gibt, die helfen und anpacken wollen».

Burgener selbst weiss natürlich, wie viel emotionale Sprengkraft im Joggeli steckt. «Während eines Spiels interessiert es die Fans doch nicht, wer im FCB-Verwaltungsrat sitzt», sagt er, «sie wollen eine tolle Mannschaft sehen, die alles gibt und Leidenschaft zeigt.» So wie das Reisegrüppli in der Air Oeri zu Beginn des Jahrtausends. Schöne Erinnerungen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.02.2017, 07:03 Uhr

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