Sport
Favres finsteres Szenario stimmte Xhaka um
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 04.07.2012
Xhaka äussert sich
Borussia Mönchengladbach möchte weiter nichts von einer Einigung mit dem SFV wissen. Granit Xhaka betonte derweil, er wolle keine Minute der Vorbereitung verpassen. «Das Olympia-Turnier liegt zeitlich ungünstig. Ich habe Pierluigi Tami frühzeitig mitgeteilt, dass ich mich im Falle eines Wechsels in die Bundesliga auf den Club konzentrieren möchte», erklärte der Spieler am Mittwoch.
Er habe in den letzten Tagen mehrfach mit Tami telefoniert, bestätigte Xhaka. «Ich kann seinen Standpunkt nachvollziehen.» Von seiner eigenen Position will der dennoch 19-Jährige nicht mehr mehr abrücken: «Ich kann hier während der Vorbereitung nicht fehlen.» Xhaka geht davon aus, dass der SFV einlenken wird und ihn vom Olympia-Turnier dispensiert:«Es geht ja auch um die A-Nati. Es würde niemandem etwas bringen, wenn ich im September ohne Spielpraxis wäre.» (si)
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Die in der deutschen Boulevard-Zeitung «Bild» abgedruckte Behauptung von Granit Xhakas Vater und Berater Ragip, der Schweizerische Fussballverband (SFV) wolle seinen Sohn mit gezieltem Druck zur Teilnahme an den Olympischen Spielen zwingen, sorgt im Haus des Fussballs für grosse Verwunderung. «Wir verstehen diese Vorwürfe nicht, wenn es Xhakas Vater denn wirklich so gesagt hat. Nach Granit Xhakas Wechsel zu Borussia Mönchengladbach haben wir auch von ihm selbst und von seinem neuen Trainer Lucien Favre eine Zusage für Olympia bekommen», sagt SFV-Medienchef Marco von Ah gegenüber baz.ch/Newsnet.
Favre habe gegenüber Exponenten des Verbandes erklärt, er wisse ohnehin nicht, ob er in der ersten Saisonhälfte voll mit Xhaka planen könne, da der Rhythmus in der Bundesliga höher sei als in der Super League. Der SFV und die Borussia hätten sich deshalb auf einen Kompromiss geeinigt. Xhaka sollte einen Teil der Vorbereitung mit seinem Club absolvieren und dann mit der Schweizer Olympia-Auswahl nach London fliegen. Dies war der Stand bis am Montag – und verständlicherweise Teil der Basis für die Bekanntgabe des Kaders durch Olympia-Coach Pierluigi Tami am Dienstagvormittag. Trotz Widerstand am Montagabend.
Ein SMS am Dienstagnachmittag
Dieser Widerstand kam zunächst von Favre, der sich mit Tami in Verbindung setzte und offenbar sagte, Xhaka werde möglicherweise bis Weihnachten nicht für Gladbach spielen, sollte er das Olympia-Aufgebot annehmen. Der Spieler war danach für Tami telefonisch nicht erreichbar, erst am Dienstagnachmittag teilte er dem Coach per SMS mit, es liege ein Missverständnis vor, er stehe für die Olympischen Spiele nicht zur Verfügung.
Für den Schweizerischen Fussball-Verband ist dies eine bittere Pille. «Ich bin eigentlich ein Fan von Favre, er ist ein Clubtrainer mit sehr viel Herzblut. Deshalb will er Xhaka wohl nicht hergeben», sagt Von Ah. «Nun blendet er aber ein paar Tatsachen aus. Wir haben von den sehr zahlreichen Gesprächen im letzten halben Jahr mit Spielern, Trainern und Clubpräsidenten im In- und Ausland Sitzungsprotokolle und Aktennotizen, die belegen, welche Abmachungen wir wann mit wem getroffen haben. Darum ist der Name von Xhaka auf Tamis Liste, und übrigens auch jener von Valon Behrami.» Behramis Verein, die AC Fiorentina, sperrt sich ebenfalls gegen eine Abstellung für Olympia.
Tatsächlich ist Favres Bemerkung, Xhaka werde im Fall einer Olympia-Teilnahme bis Weihnachten nicht für Gladbach spielen, befremdlich. Immerhin hat Borussia Mönchengladbach für den U-17-Weltmeister 8,5 Millionen Euro an den FC Basel überwiesen. Da kann man durchaus annehmen, dass er nicht nur als Perspektivspieler geholt wurde. Überdies wären die Olympischen Spiele mit Matches auf hohem Niveau wohl besser geeignet, Xhaka ans Bundesliga-Tempo heranzuführen, als die Gladbacher Testspiele gegen unterklassige Vereine aus der Region. In solchen sportlich fragwürdigen Partien dürfte auch die Verletzungsgefahr höher sein als bei Olympia. Selbst im Fall einer Schweizer Teilnahme am Olympia-Final wäre Xhaka spätestens am 13. August wieder in Mönchengladbach, womit er noch zwölf Tage mit der Mannschaft hätte, ehe für die Borussia mit dem Heimspiel gegen Hoffenheim die neue Bundesliga-Saison beginnt.
Weitere Gespräche bis am Freitag
Bis am Freitag wird der SFV eine Reihe von Gesprächen führen mit Spieler Xhaka, Vater Xhaka sowie der Teamleitung von Borussia Mönchengladbach. Die Identifikation mit dem Olympia-Projekt bleibe aber das Kriterium Nummer 1 für Tami, versichert der SFV-Medienverantwortliche Von Ah. «Dass ein noch nicht 20-Jähriger einmal etwas sagen und dann nach- und umdenken darf, ist das Privileg der jungen Leute», betont er. «Es wäre einfach besser gewesen, Granit Xhaka hätte Pierluigi Tami angerufen und ihm erklärt, die Situation habe sich verändert, er würde doch lieber auf die Olympischen Spiele verzichten. Diese Offenheit hat uns gefehlt.»
Der Verband habe schon in die Zusammenstellung der 50 Spieler umfassenden Long List mit möglichen Olympia-Teilnehmern sehr viel investiert und sich auf deren Inhalt verlassen. An der Evaluierung seien nicht irgendwelche Leute beteiligt gewesen, sondern A-Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, Olympia-Coach Tami, der Technische Direktor Peter Knäbel oder auch U-19-Nationalcoach Gérard Castella.
«Nur weil wir ein kleiner Verband sind, kuschen wir nicht automatisch»
Eine grosse Diskrepanz gibt es darin, wie die Galdbacher mit den unterschiedlichen Verbänden umgehen. Während sie dem SFV wegen Xhaka Probleme bereiten, lassen sie den von Atlético Madrid verpflichteten Spanier Alvaro Dominguez widerstandslos an den Olympischen Spielen teilnehmen. «Nur weil wir ein kleiner Verband sind, kuschen wir aber nicht automatisch», gibt Von Ah zu bedenken. Es sei die Pflicht von Olympia-Coach Tami, mit ehrlichen Mitteln für die bestmögliche Mannschaft zu kämpfen.
Im Gewirr verschiedener Interessen ist es schwierig zu sagen, was der Spieler selbst letztlich will. Bislang war das Verhältnis zwischen Granit Xhaka und dem SFV ausgezeichnet. Hitzfeld bemühte sich schon vor eineinhalb Jahren intensiv um den Mittelfeldspieler, besuchte ihn zu Hause, sprach dabei auch mit dem Vater und gab dem jungen Spieler in der A-Nationalmannschaft eine Chance, noch ehe er beim FCB Stammspieler war. Nicht irgendwo, sondern im Wembley-Stadion von London am 4. Juni 2011, als sich die Schweiz und England 2:2 trennten. Im Wembley will die Schweiz im August spielen. Xhaka offenbar nicht mehr. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.07.2012, 20:50 Uhr
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