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Goalie Lehmann stürmt in wilder Hast davon
Von Oliver Trust, Mainz. Aktualisiert am 14.12.2009
Der fatale Fehltritt: Jens Lehmann steht Bancé auf den Fuss. (Bild: Keystone)
Stichworte
Bundesliga
34. Runde
| 05.05. | Borussia Dortmund - SC Freiburg | 4 : 0 |
| 05.05. | Werder Bremen - Schalke 04 | 2 : 3 |
| 05.05. | Hannover 96 - Kaiserslautern | 2 : 1 |
| 05.05. | Mainz 05 - Borussia Gladbach | 0 : 3 |
| 05.05. | 1. FC Nürnberg - Bayer Leverkusen | 1 : 4 |
| 05.05. | VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg | 3 : 2 |
| 05.05. | 1. FC Köln - Bayern München | 1 : 4 |
| 05.05. | Augsburg - Hamburger SV | 1 : 0 |
| 05.05. | Hertha BSC - Hoffenheim | 3 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Borussia Dortmund | 34 | 25 | 6 | 3 | 80:25 | 81 |
| 2. | Bayern München | 34 | 23 | 4 | 7 | 77:22 | 73 |
| 3. | Schalke 04 | 34 | 20 | 4 | 10 | 74:44 | 64 |
| 4. | Borussia Gladbach | 34 | 17 | 9 | 8 | 49:24 | 60 |
| 5. | Bayer Leverkusen | 34 | 15 | 9 | 10 | 52:44 | 54 |
| 6. | VfB Stuttgart | 34 | 15 | 8 | 11 | 63:46 | 53 |
| 7. | Hannover 96 | 34 | 12 | 12 | 10 | 41:45 | 48 |
| 8. | VfL Wolfsburg | 34 | 13 | 5 | 16 | 47:60 | 44 |
| 9. | Werder Bremen | 34 | 11 | 9 | 14 | 49:58 | 42 |
| 10. | 1. FC Nürnberg | 34 | 12 | 6 | 16 | 38:49 | 42 |
| 11. | Hoffenheim | 34 | 10 | 11 | 13 | 41:47 | 41 |
| 12. | SC Freiburg | 34 | 10 | 10 | 14 | 45:61 | 40 |
| 13. | Mainz 05 | 34 | 9 | 12 | 13 | 47:51 | 39 |
| 14. | Augsburg | 34 | 8 | 14 | 12 | 36:49 | 38 |
| 15. | Hamburger SV | 34 | 8 | 12 | 14 | 35:57 | 36 |
| 16. | Hertha BSC | 34 | 7 | 10 | 17 | 38:64 | 31 |
| 17. | 1. FC Köln | 34 | 8 | 6 | 20 | 39:75 | 30 |
| 18. | Kaiserslautern | 34 | 4 | 11 | 19 | 24:54 | 23 |
Als sich Jens Lehmann in wilder Hast seinen Weg an den Medienleuten vorbei und hinaus in die Mainzer Nacht bahnte, spielten sich Szenen wie bei einer Verfolgungsjagd im US-Fernsehen ab, wenn die Flucht von Straftätern live übertragen wird. Mit 1:1 war die Partie zwischen Mainz und den abstiegsgefährdeten Stuttgartern zu Ende gegangen, aber davon wird in den nächsten Tagen kaum einer sprechen.
Im Zentrum der Aufregung stand der ehemalige deutsche Nationalgoalie Lehmann, der wohl die tiefste Krise seiner Karriere durchmacht und in Mainz den nächsten Skandal in seiner Abschiedssaison nach 20 Jahren Profifussball lieferte. Nach einem Revanchefoul - Lehmann hatte Aristide Bancé in der 88. Minute leicht geschubst und war ihm dabei auch auf den Fuss getreten - zeigte ihm Schiedsrichter Stark Rot wegen «Tätlichkeit». Unter höhnischem Gelächter des Publikums verliess Lehmann den Platz. Zuvor war es zu minutenlangen Tumulten gekommen. Und nachdem Lehmann vom Rasen geschritten war, verwandelte Polanski den Penalty, den Stark neben dem Platzverweis auch noch verhängt hatte.
Orientierungslos auf Taxisuche
Nach seinem Sturm aus der Kabine irrte der 40-jährige Lehmann orientierungslos über die Wege rund um das Mainzer Stadion. Lehmann suchte allein ein Taxi, während seine Mannschaft konsterniert in der Kabine sass und über zwei verlorene Punkte nachdachte. Er änderte mehrmals die Richtung und wurde dabei von Kamerateams verfolgt. Er rief «Taxi, Taxi - ich will hier weg». Ein Fan sprach ihn an und fragte: «Können Sie sich nicht einmal vernünftig benehmen?» Lehmann nahm ihm darauf hin die Brille vom Gesicht, gab sie aber später wieder zurück. Schliesslich endete Lehmanns Flucht im Mannschaftsbus - bevor er diesen doch wieder verliess und sich zum Flughafen chauffieren liess, um zu seiner bei München wohnhaften Familie zu fliegen.
Zurück blieb in Mainz ein ratloser Stuttgarter Trainer Christian Gross: «Ich kenne den Fussballer Jens Lehmann ziemlich gut, aber ich kenne den Menschen Jens Lehmann noch nicht genug.» Lehmann habe auf Zeit gespielt und sei von Bancé zuvor ebenfalls gefoult worden. In der 80. Minute hatte Stark nur auf Freistoss entschieden, als Bancé mit seinem Knie Lehmann attackiert hatte, dieser zu Boden sank und sich behandeln liess. Nach Lehmanns Revanche liess sich auch Bancé theatralisch fallen.
Die Vorfälle von Mainz stehen am Ende einer turbulenten Woche, in der Lehmann nach Vorwürfen gegen die Stuttgarter Klubführung eine Abmahnung und eine Geldstrafe von 40'000 Euro erhalten hatte. Lehmann liess die Öffentlichkeit darauf wissen, dass er die Busse nicht akzeptiere.
Gross will auf Lehmann setzen
Allein das Theater der vergangenen Tage hatte den Start des neuen Trainers Christian Gross erschwert. Nach dem 3:1 in der Champions League gegen Urziceni am Mittwoch hat ihm Lehmann nun den ersten Bundesliga-Sieg verbaut, trotzdem machte der VfB einen Platz gut und steht nun auf Rang 15. «Ich habe den Fussballer Lehmann als differenzierten Spieler kennen gelernt und werde die Dinge intensiv mit ihm analysieren», sagte Gross und fragte danach: «Können wir übers Spiel reden?» In ihren ersten Reaktionen deutete die VfB-Klubführung an, dass es mit Lehmann weitergehen soll. Sportdirektor Horst Heldt sagte, er rechne nicht mit einem Karriereende des Torhüters bereits in der Winterpause. Und Gross erklärte: «Ich setze weiter auf Lehmann.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.12.2009, 09:32 Uhr




