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Gross und das Stuttgarter Trainer-Problem

Von Elke Rutschmann, Stuttgart. Aktualisiert am 14.10.2010 7 Kommentare

Der Tabellenletzte Stuttgart trennte sich drei Tage vor dem kapitalen Spiel gegen den Tabellen-Zweitletzten Schalke von Christian Gross. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Trainer in Stuttgart nach kurzer Wirkungsdauer entlassen wird.

Abgang von der grossen Bühne: Christian Gross’ Engagement beim VfB Stuttgart ist nach etwas mehr als zehn Monaten bereits Geschichte.

Abgang von der grossen Bühne: Christian Gross’ Engagement beim VfB Stuttgart ist nach etwas mehr als zehn Monaten bereits Geschichte.
Bild: Keystone

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Ex-FCB-Trainer Christian Gross wurde gestern vom VfB Stuttgart entlassen. Und die Nati unter Ottmar Hitzfeld kriselt. Soll Gross die Nationalmannschaft übernehmen?

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Die bunten Blätter fallen in Stuttgart von den Bäumen, und der Verein für Bewegungsspiele bleibt sich wieder einmal treu – nach nur zehn Monaten im Amt wurde Christian Gross gestern beim aktuellen Schlusslicht der Bundesliga entlassen. «In mehreren Gesprächen konnte mir Herr Gross keine Lösungsansätze präsentieren. Wir hoffen jetzt mit Jens Keller auf einen positiven Effekt», sagte Manager Fredi Bobic.

Wieder einmal ist ein Trainer nach einem kurzen Engagement in Stuttgart gescheitert. Vor zwei Jahren musste Meistertrainer Armin Veh gehen und wurde durch Co-Trainer Markus Babbel ersetzt. Der Bayer hauchte dem Team neues Leben ein, und der VfB erreichte noch die Champions League. Im Dezember 2009 war Babbels Elan verbraucht, und der VfB holte Christian Gross. Der Schweizer übernahm den VfB auf Rang 15 und kletterte nach einer wundersamen Aufholjagd als beste Rückrundenmannschaft auf Rang sechs.

«Die Krise von innen heraus bewältigen»

Dieser imposante Leistungssprung verpuffte, die Impulse fehlten, und der VfB startete mit sechs Niederlagen in sieben Spielen in die neue Runde. Gestern sass schon wieder ein neuer Mann auf dem Podium in der Mercedes-Benz-Arena zwischen dem Präsidenten Erwin Staudt und Manager Fredi Bobic. Der neue Hoffnungsträger der Stuttgarter trug Jeans, ein braunes Hemd und einen karierten Pullunder.

Jens Keller heisst der Mann, der jetzt vom Assistenten zum Cheftrainer aufgestiegen ist. «Wir wollen die Krise von innen heraus bewältigen und als VfB-Familie enger zusammenrücken. Jens hat wie ich das VfB-Trikot als Spieler getragen», sagte Bobic. Der 39-jährige Keller soll jetzt also diese Mannschaft führen, die keine Mitte kennt, die von einem Hoch ins nächste Tief rutscht. Vorgänger Markus Babbel hatte am Mittwoch bereits die Stuttgarter Spieler kritisiert. «Beim VfB muss sich jeder Spieler mal selbst hinterfragen, ob er alles für seinen Job tut. Es kann doch nicht sein, dass dort jedes Jahr der Trainer ausgewechselt wird», sagte er dem «Berliner Kurier».

«Ich war überzeugt davon, dass ich das schaffe»

Auch Christian Gross Gross fand kein Rezept gegen das Herbst-Trauma seines Ensembles und ist unter anderem an dessen Launenhaftigkeit gescheitert. Der 56-Jährige hatte das Team nach oben geführt und ist jetzt mit ihm abgestürzt auf Platz 18. Tiefer geht es nicht. Gross hat taktische Fehler gemacht, wenig kommuniziert, die Hierarchie im Team durcheinandergewürfelt, die Vereinspolitik öffentlich kritisiert und Talente wie Schieber oder Rudy nicht unbedingt gefördert, die zu anderen Clubs gewechselt sind. «Ich finde es sehr schade. Ich war überzeugt davon, dass ich das schaffe und wir mit harter Arbeit wieder da unten herausgekommen wären – so wie im Winter auch», sagte der Schweizer der «Bild»-Zeitung.

Es gibt aber auch Punkte, für die der Trainer nicht verantwortlich war: Wichtige Darsteller wie Jens Lehmann oder Sami Khedira wurden nicht ersetzt, der Managerwechsel von Heldt zu Bobic verlief schleppend und sorgte für einen späten Zugriff auf dem Transfermarkt. Fredi Bobic weiss, dass die Arbeit der Vereinsführung vom schwäbischen Fussballvolk in den kommenden Wochen kritisch beäugt werden wird, denn in diversen Umfragen waren die Fans auf der Seite von Gross. Der Vorstand um Erwin Staudt muss sich vorhalten lassen, dass unter seiner Ägide seit dem Gewinn des Titels 2007 drei Trainer vorzeitig gescheitert sind. «Wir hinterfragen uns alle. Aber wir haben noch keine passende Lösung gefunden», sagte Staudt.

Insgeheim hoffen sie mit Jens Keller vielleicht auf eine Art Tuchel-Effekt. Und es sind eher die einfachen Wahrheiten des Fussballs, mit denen der neue Chefcoach den VfB aus dem Keller führen will. «Das Team muss Herz, Leidenschaft und Wille zeigen. Erst dann ist es mein Ziel, das Team auch fussballerisch zu verbessern.»

Einen Kommentar zum «Machtmensch» Gross finden Sie in der BaZ von heute Donnerstag. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.10.2010, 08:05 Uhr

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7 Kommentare

Peter Ammon

14.10.2010, 09:52 Uhr
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Sein Hauruck Fussball bringt zwar kurzfristig Erfolg, aber um langfristig Erfolg zu haben braucht es einen kontinuierlichen Einbau von Jungen. Da fehlt ihm der Mut dazu. In Basel hatte er Erfolg, aber mit diesem Budget hätten dies viele Andere auch erreicht. Antworten


Thomas Tanner

14.10.2010, 11:15 Uhr
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Keine Überraschung für mich. Es gibt keinen Bundesliga-Manager, der so oft und so regelmässig über Taktik und Spiel öffentlich referierte, wie Bobic. Die Autorität des Trainers wurde alleine deswegen regelmässig untergraben. Bobic hatte "grossen Respekt" vor Gross, was nichts anderes heisst, als dass sie sich nicht mögen. Gross selbst ist und bleibt ein Alphatier; somit gab's keinen anderen Weg. Antworten



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