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«Ich ecke nicht mehr so an wie früher»
Von Peter M. Birrer. Aktualisiert am 03.11.2010 7 Kommentare
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Die Warnung von Thorsten Fink
Thorsten Fink hat ein gutes Wochenende hinter sich, mit seiner Vertragsverlängerung bis 2013, mit dem lockeren 3:1 gegen Bellinzona, das den FCB zum Leader machte. Der Trainer hat nun das Ziel, «die Phase der Hochs auszudehnen». Die Champions League empfindet er nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Chance, wobei er auch festhält: «Wir sind keine Roboter. Rückschläge lassen sich kaum vermeiden.»
Die nächste Aufgabe heisst heute AS Roma, und Fink warnt vor übertriebener Erwartung: «Wir wissen, dass wir trotz des 3:1 auswärts immer noch der Aussenseiter sind. Die Römer werden sich nicht mehr so leicht geschlagen geben, zumal Vucinic wieder dabei sein wird.» Um anzufügen: «Unsere Ambition ist trotzdem der Sieg. Gelingt uns das, kommen wir den Achtelfinals nahe.»
Voraussichtliche Aufstellungen
Basel: Costanzo; Inkoom,Abraham, Ferati, Safari; Shaqiri, Huggel,Yapi, Stocker; Frei, Streller.
Roma: Lobont; Cassetti, Burdisso, Juan, Riise; Perrotta, De Rossi, Simplicio, Vucinic; Totti, Borriello.
Stichworte
Als der FC Basel Mitte September in Cluj 1:2 verloren hatte, schlug Marco Streller kritische Töne an: «So gewinnen wir in der Champions League kein Spiel.» Seither hat sich viel getan. Die Mannschaft hat in der Super League die Spitze übernommen. Und in der Champions League genügte ihr ein 3:1-Sieg in Rom, um sich auf Platz 2 zu schieben.
Heute bietet sich – wieder gegen die Roma – die Chance, einen grossen Schritt Richtung Achtelfinals zu machen. Der 29-jährige Streller spürt, wie schnell sich beim Anhang Zuversicht breitmacht, er sagt aber auch: «Es ist eine grosse Aufgabe, die Leute zufriedenzustellen.»
Marco Streller, wie beschreiben Sie den FC Basel der Gegenwart?
Er ist unbeschwert, zielstrebig, furchtlos, offensiv, erfolgreich. Und er hat eine gute Mischung.
Sie schwärmen regelrecht.
Es gibt gute Gründe, positiv zu sein. Steigern können wir uns trotzdem. Gegen Bayern waren wir nicht schlechter, sondern unglücklicher, vielleicht naiver. Die Champions League ist auch ein Lernprozess. Wir haben Fortschritte in kurzer Zeit erzielt. Das erklärt auch den Sieg in Rom. Wir entwickeln uns laufend.
Auch in der Defensive?
Wir sind offensiv ausgerichtet, der Trainer verlangte auch in Rom ein Pressing. Das macht dieses Team sympathisch. Wenn aber nur einer nicht mitmacht, wird es schwierig für die Abwehr. Das Defensivverhalten fängt ganz vorne an und erfordert grosse Laufbereitschaft.
Der FCB steht bei Halbzeit der Champions-League-Vorrunde auf Platz zwei. Was braucht es für die Achtelfinal-Qualifikation?
Wenn wir die zwei Heimspiele gewinnen, sind wir vermutlich im Frühjahr dabei. Gegen Rom spricht einiges für uns. Wir erwarten einen Gegner, der unter Druck ist mit einem Trainer, der wankt. Und wir haben zwei der letzten drei Partien gegen die Römer gewonnen. Das macht Mut. Wir haben von den drei Teams, die drei Punkte haben, die beste Ausgangslage. Es ist eine Riesenchance.
Der FCB ist auf einen starken Marco Streller angewiesen.
Es braucht einen guten Marco Streller und zehn gute Mitspieler.
Sind Sie derzeit so gut wie noch nie?
Die Trefferquote spricht für mich. Sieben Tore in sechs Spielen, das ist nicht schlecht. Aber ob ich so gut bin wie noch nie? Das kann ich nicht sagen. Ich bin sicher effizient. Und ich habe beim FCB einen Trainer, der bedingungslos hinter mir steht und einen Fussball spielen lässt, wie er mir gefällt.
Was macht Thorsten Fink speziell?
Er hat einen genauen Plan vom Fussball. Die drei Tore in Rom waren keine Zufallsprodukte, sondern das Resultat einstudierter Laufwege. Fink muss nicht drei Stunden lang über den Gegner reden oder 15 Sitzungen einberufen, er nennt die wichtigsten Dinge beim Namen. Er weiss einfach, wie man eine Mannschaft gezielt weiterbringt. Ausserdem hat er eine hervorragende Menschenführung, er stützt die Leader . . .
. . . und wenn Ihnen etwas nicht passt, suchen Sie das Gespräch mit ihm.
Dann kann ich jederzeit zu ihm gehen.
Ist das der Unterschied zu Vorgänger Christian Gross?
Es gibt viele Unterschiede. Gross war eher der Einzelkämpfer, der Entscheide alleine fällte. Fink ist der Teamtrainer. Beide pflegen ihren eigenen Stil, mit dem man Erfolg haben kann. Mit Fink kamen andere Methoden nach Basel. Manchmal tut ein totaler Kontrast gut. Ganz unabhängig davon, ob ein Trainer der Kumpeltyp ist oder nicht: Er muss einfach erfolgreich sein.
Sie schwärmen von Fink. Was bedeutet Ihnen selber Lob?
Lob ist mir lieber als Kritik. Aber ich kann einschätzen, was die Realität ist.
Sie brauchen also nicht die Zeitung zu lesen, um herauszufinden, wie Sie gespielt haben.
Nein, um Himmels willen! In St. Gallen erzielte ich vor zehn Tagen drei Tore, hatte aber das Gefühl, dass ich im Frühling gegen den gleichen Gegner besser spielte, obwohl mir damals kein Treffer geglückt war. Das kann der Zuschauer vielleicht nicht verstehen, weil er den Stürmer an Toren misst. Nach den drei Treffern wurde ich gefragt, ob es das beste Spiel meines Lebens war. Ich sagte: «Nein, höchstens das effizienteste.»
Vor ein paar Jahren hätten Sie möglicherweise einfach Ja gesagt.
Mag sein. Aber ich darf von mir behaupten, nie überheblich gewesen zu sein. Es gibt Leute in St. Gallen oder in Luzern, die mich kennen lernten und mir sagten: «Hey, du bist ja ein ganz cooler Typ.»
Ändert sich die Wahrnehmung von Ihnen langsam?
Ich merke, dass ich ausserhalb von Basel nicht mehr so anecke wie früher. Das mag damit zusammenhängen, dass ich heute nicht mehr auftrete wie früher, als ich in Interviews für Schweizer Verhältnisse wohl zu selbstbewusst redete.
Mussten Sie sich anpassen?
Ich nehme mich zurück. Wenn ich nach einem Match nach der Meinung gefragt werde, ist es meine Pflicht als erfahrener Spieler, mich zu stellen. Allgemein bin ich ausgeglichener geworden. Heute gehe ich nicht mehr nach Hause und zerbreche mir den Kopf über Dinge, die sich nicht mehr ändern lassen. Daheim habe ich meine Familie, da geht es mir gut.
Druck verspüren Sie keinen?
Doch, natürlich. Nehmen wir die Nationalmannschaft. In Montenegro machten wir einen schlechten Match, keine Frage, und es wurde sehr viel vom Basler Block geredet. Vier Tage später schlugen wir Wales 4:1. Wir hielten dem Druck stand. Und mit dem FCB hast du ständig Druck, ob in Rom oder gegen Bellinzona.
Belastet Sie das?
Nein, das gehört zu meinem Job.
Sie sind 29 und in einer starken Verfassung. Wollen Sie Ihre Karriere wirklich in Basel beenden?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder gehe ich noch einmal ins Ausland. Oder ich verlängere meinen Vertrag (läuft bis 2012) beim FCB und höre danach auf. Ich tendiere ganz klar zum Zweiten.
Befürchten Sie nicht, dass Sie mit 35 Jahren bereuen, es nicht noch einmal gewagt zu haben?
Nein. Was ist wichtig: Spass zu haben und um Titel zu spielen? Oder in einer zwar grösseren Liga einen Vertrag zu unterschreiben, aber nicht über Mittelmass hinauszukommen? Ich habe in Basel meine Familie, meine Freunde, mein Herz hängt am FCB. Besser gehts nicht. Und ich kann mich schon einschätzen. Ein Angebot von Chelsea oder Barcelona wird es sicher nicht geben.
Besteht der Reiz jetzt darin, Meistertitel an Meistertitel zu reihen?
Es gibt auch andere Ansatzpunkte. Spieler wie Stocker, Shaqiri, Inkoom oder Abraham gehen vielleicht im nächsten Sommer. Dann haben wir zwar eine volle Kriegskasse, müssen aber etwas Neues aufbauen. Das ist interessant. Und eines ist auch klar: Ich höre auf, wenn ich noch in Form bin und sitze nicht meinen Vertrag ab. Der letzte Eindruck ist wichtig. Und der soll gut sein. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.11.2010, 15:10 Uhr




