Sport
Immer der Macht nach
Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 16.03.2010 2 Kommentare
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Urs Linsi
Vom FCZ-Fan zum GC-Sanierer
Geboren am 29. Juni 1949 in Zürich-Aussersihl, Sohn eines Pfarrers an der Kirche St. Jakob. Verheiratet, Vater von drei Kindern, wohnhaft in Zofingen. – Schulen in Zürich, Wirtschaftsstudium in St. Gallen, Doktorarbeit zum Thema «Ursache und Folgen des Schulversagens». 1973 als Kreditassistent zur Kreditanstalt, Aufstieg zum Leiter der gesamten Leasing-Gruppe der Credit Suisse. Am 1. Juli 1999 als Finanzdirektor zur Fifa, am 28. Juni 2002 zum Generalsekretär befördert, am 11. Juni 2007 Trennung. – Danach private Reisen, ernste gesundheitliche Probleme (Zyste an einer Niere), Einstieg in eine Bürogemeinschaft in Zürich, Verwaltungsrat der Firma Airesis AG (zu 69 Prozent im Besitz des Sportartikelherstellers Le Coq Sportif), Mitbeteiligung am OnlineTV-Anbieter Zattoo, Stiftungsrat der Stiftung Wachstum, Pubertät und Adoleszenz. – Seit 18. September 2009 bei GC. – Aufgewachsen als Fan des FCZ, Hobby-Fussballer bei Red Star und Wittenbach SG, wegen eines kaputten Knies Ausdauersportler geworden, Mitbegründer des Powerman-Duathlon in Zofingen. Ein Start beim Ironman Hawaii, wo er schon beim Schwimmen Probleme hatte und total dehydriert ins Ziel kam.(ths.)
Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
Der Anfang ist unbefangen. Auf einem Teller liegen drei frische Buttergipfel. Der Kaffee riecht gut. Und Urs Linsi erzählt: von seiner Jugend als Pfarrerssohn, seinem Werdegang als Wirtschaftsfachmann, dem Sport als Passion. Er tut es zufrieden, oft mit dem Lächeln, das ihm ins Gesicht geschnitzt scheint.
Linsi war Sanierer bei der Credit Suisse, schnörkellos, wie das Sanierer sein müssen. Filialen schliessen, Leute entlassen, um wenigstens einen Teil retten zu können, aus tiefroten Zahlen innert dreier Jahre Gewinne von zwölf Prozent auf das Eigenkapital machen – das war seine Welt, jahrelang, anonym. Er sagt: «In der Bank war mir wohl.»
Dann kam er zur Fifa. Und jetzt wird sie zum Thema, an diesem frühen Morgen an der Tödistrasse in Zürich. Es ist eine diskrete Adresse, an der Linsi mit Kollegen eine Bürogemeinschaft unterhält. Einer ist professioneller Verwaltungsrat, einer IT-Experte, Linsi ist der Mann für Finanzberatungen geblieben, auch wenn er jetzt Mandate abgegeben hat, weil ein zeitintensives dazugekommen ist: die Grasshoppers.
Aber wir sind noch beim Weltverband der Fussballer, der Fifa. Acht Jahre war Linsi da, erst als Finanzdirektor, dann als Generalsekretär. «Sieben Jahre waren super», sagt er, «das achte war nicht der Hit.» Das ist seine Bilanz, einfach und direkt formuliert, wie er das oft tut. Mehr darf er nicht sagen. Bei seinem Abgang im Juni 2007 unterschrieb er eine Stillhalteklausel.
Die Feinde
Dabei war sein Abgang geräuschvoll, er ging, weil er spüren konnte, dass seine Zeit abgelaufen war, und die Zeitrechnungen bei der Fifa bestimmt nur einer, das ist Sepp Blatter. Der Präsident stützt, wer ihm dient, er lässt leben, wer ihm ergeben ist, aber er entzieht jedem die Zuneigung und trennt sich von ihm, wenn er ihn nicht mehr braucht. Linsi brauchte seine Zeit, bis er begriff, wie dieses Spiel läuft und wo die wahre Macht sitzt. Er überstand die ebenso legendären wie heftigen Machtkämpfe, welche die Fifa bis zur WM 2002 monatelang erschütterten, löste Michel ZenRuffinen als Generalsekretär ab und wurde Blatters Mann fürs Grobe.
Linsi machte sich auch auf Direktionsebene seine Feinde. Zu ihnen gehörten Jérôme Champagne, Guido Tognoni und Patrick Magyar. Champagne will sich zu Linsi nicht äussern, «das hat keinen Wert», sagt er, der bis vor kurzem ein diplomatisch geschulter, enger Berater Blatters war. Auch Tognoni hält sich kurz: «Linsi kann man nicht beschreiben, ohne einen Prozess zu riskieren.» Tognoni musste 2003 gehen, Champagne erst kürzlich. Nur Magyar war von selbst gegangen. Er sagt: «Ich habe selten einen Menschen gesehen, der so schnell von Macht verändert worden ist wie Linsi.»
Magyar, heute Direktor des Zürcher Leichtathletik-Meetings, war CEO der Fifa-Marketing AG. Wenn Blatter im Rückblick festhält: «Auf dem Gebiet der Finanzen hat Linsi etwas bewegt, was uns heute die Möglichkeit gibt, in komfortabler Situation weiterzuarbeiten», wenn er also den Anteil Linsis an der Gesundung der einst maroden Fifa-Finanzen lobt, dann ruft Magyar ein «Blödsinn» entgegen und reklamiert auch eigene Verdienste.
Und wenn Linsi von Michael Schallhart, seinem früheren Stellvertreter als Generalsekretär, als «sehr sensibel, warmherzig und verlässlich» beschrieben wird, kontern viele andere aus ihrer Anonymität heraus: Linsi sei boshaft, illoyal, arrogant, verlogen. Er habe bei kleinsten Vorfällen mit Entlassung gedroht, sei aber selbst nicht einmal fähig gewesen, vier Kugeln für die Auslosung von zwei Barrage-Partien zu ziehen; habe für den Kongress in Marrakech marokkanische Tomaten aus Deutschland einfliegen lassen; habe Räume durchsuchen und Schlösser ersetzen lassen. «Stasi» habe man ihn genannt.
«Das ist unter meinem Niveau»
Diese Vorhaltungen braucht man Linsi gar nicht erst aufzuzählen, er kennt das alles schon, «diesen Seich, der unter meinem Niveau ist». Und weiter sagt er öffentlich nichts dazu. Er fühlt sich an die entsprechende Vereinbarung mit der Fifa gebunden. Kein Wort von ihm darum auch zu seinem goldenen Fallschirm, der, heisst es hartnäckig, bei seinem Abgang mit acht Millionen Franken drall gefüllt gewesen sei, weil sein Vertrag noch acht Jahre gelaufen wäre. Auch Blatter fühlt sich heute nicht mehr zu einem Kommentar dazu berufen.
Linsi war ein Zahlenmensch, dem das Weltläufige eines Blatter abging. Seine Auftritte und Reden bei der Fifa waren unbeholfen, ungelenk. Er machte die fehlende öffentliche Anerkennung mit Härte nach innen wett. Er räumte am Zürichberg auf, wann immer sein Herr das wünschte. Wenn Blatter über einen Mitarbeiter nur ein schlechtes Wort verlor, legte Linsi den Strick für die Exekution schon bereit. So beschreibt das alles ein früherer Fifa-Angestellter, der Linsis Fähigkeiten als Sanierer zu würdigen weiss. Selbst der treu ergebene Schallhart muss zugeben, dass die Geradlinigkeit manchmal Linsis Problem gewesen sei.
Unvergessen sind Linsis letzte Tage als Generalsekretär beim Fifa-Kongress 2007 im Hallenstadion. Als das Mikrofon einmal nicht ausgeschaltet war, herrschte Blatter ihn an: «Nein! Jetzt liest du das vor!» Und Linsi sagte untertan: «Thank you, Mister President.» Elf Tage später suchte er, so der offizielle Sprachgebrauch, nach einer neuen Herausforderung.
Die Wetten bei der Fifa
Am vergangenen 18. September tauchte Urs Linsi auf einer Bühne auf, auf der er wieder Beachtung findet. GC stellte ihn als den CEO vor, als Turnaround-Manager, der Präsident Roger Berbig und Financier Heinz Spross im Tagesgeschäft entlasten sollte. Im Fifa-Sitz begannen die Wetten zu laufen, wie lange es dauert, bis Berbig von Linsi als Präsident abgelöst wird. Die Runde machte das Zitat einer Angestellten, der Chirurg Berbig müsse das Skalpell schnell wegräumen, damit Linsi es ihm nicht in den Rücken stecke. Der «Tages-Anzeiger» schrieb von Linsis ruchloser personalpolitischer Vergangenheit und seiner fehlenden sportlichen Kompetenz. Linsi ertrug die Kritik wortlos. Im Rückblick sagt er: «Was zur Begrüssung geschrieben wurde, war nicht der Hit.»
Linsi ist bei GC gut vernetzt. Rolf Dörig, den bestimmenden Mann im Zentralvorstand, kennt er «seit Jahr und Tag» von der CS her und Headhunter Björn Johansson, den Präsidenten der Gönnervereinigung Griffith-Club, seit Studienzeiten. Mit Walter Brunner ist er in der gleichen Zunft. Es ist der Brunner, der im Frühjahr 2007 von Berbig als Präsident abgelöst und kritisiert wurde, und dieser Brunner führt den
Donnerstag-Club, der sich Anfang Jahr nur dann zu einer Sonderzahlung von 1,5 Millionen Franken bereit erklärte, wenn die Führung ausgewechselt wird. Führung hiess: Berbig. Am 7. Februar entschied der Zentralvorstand, Berbig zu ersetzen. Seither ist Linsi Präsident, CEO und auch noch Marketing-Verantwortlicher. Das passt zum Machtstreben, das ihm nachgesagt wird. Er erklärt seine Ämterfülle mit dem Sparzwang, dem der Klub unterliegt: «Zuerst müssen wir Tore schiessen, bevor wir für neue Leute Geld ausgeben.»
Ein sehr positiver Mensch
Einst bei der Fifa fühlte sich Linsi gut aufgehoben. «Ich war zur richtigen Zeit der Mann am richtigen Platz», sagt er dazu wenigstens noch, als er sein Gipfeli gegessen hat. Bei GC hat er wieder ein Betätigungsfeld vorgefunden, das ihm gefallen muss. Er förderte innert weniger Wochen zusätzliche Schulden von 4,5 Millionen Franken zutage und wiederholte, was er schon bei der Fifa tat: Er malte den Teufel an die Wand, um allen klarzumachen, dass es ohne ihre Hilfe nicht geht. Das Gespenst des drohenden Bankrotts weckte GC auf. Die laufende Rechnung ist saniert.
Georges Perego, Geschäftsführer Sport auf dem Campus, ist angetan von seinem neuen Chef, das sei ein sehr positiver Mensch, der sich und andere begeistern könne, sagt er. Und was wichtig sei: «Er denkt darüber nach, wie GC in drei bis fünf Jahren aussehen sollte.» Für die nächsten drei Jahre wollte Linsi den Klub abgesichert wissen. Die dafür nötigen 15 Millionen Franken fanden sich nicht. Kleinarbeit ist gefragt, bevor Raum bleibt für grosse Visionen und Träume. Der Nachwuchs ist das Kapital, viel mehr hat GC derzeit nicht.
Letzten Mittwoch vor dem Match gegen Aarau schüttelte Linsi jedem seiner Spieler die Hand. Er strahlte und freute sich. Als wäre er ein normaler Fan. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.03.2010, 18:06 Uhr
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2 Kommentare
Aus dem Artikel kriegt man doch den Eindruck, dass Linsi ein stiller, nicht gerade öffentlichkeitskompetenter Macher ist, und die FIFA-Führung um Blatter ein Storynetz entwickelt hat, um ihn öffentlich zu diskreditieren. Linsi wäre nicht in so vielen Verwaltungsräten und hätte nicht so gute Resultate an verschiedenen Stationen erzielt, wenn er wirklich so "boshaft, illoyal" etc. wäre. Antworten
Sali zäme, Der Urs ist halt ein super Typ, da er Zofinger und ein Krampfer ist! Alles was er anfasst wird zu Gold, nur seine Gegner (Chefs) müssen Kritik einstecken können, sonst wird es für Ihn bald knapp. GC wird mit Ihm als CEO bald Meister oder auch Doubleträger. 4,5 kann auch ich mal frei machen, nur mit drei null hinten weniger als Urs. Viel Glück und Gruss Markus Kaufmann us Zofige!! Antworten











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