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«Jetzt haben wir die Zweiklassengesellschaft»

Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 08.01.2013

Basel hat in der Winterpause mächtig aufgerüstet. Experten und Exponenten von Leader GC sagen, was das für die Konkurrenz und letztendlich für Marco Streller und Alex Frei bedeutet.

1/9 Basels Präsident Bernhard Heusler (l.) und Trainer Murat Yakin (r.) präsentieren den neuen Stürmer Raul Bobadilla (M.)
Bild: Keystone

   

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Super League

18. Runde

06.12.Luzern - Basel0 : 3
06.12.Grasshoppers - Young Boys0 : 1
07.12.Thun - FC Zürich2 : 1
07.12.FC Vaduz - Aarau1 : 0
07.12.St.Gallen - Sion2 : 0
Stand: 07.12.2014 17:52

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel18132340:1841
2.FC Zürich18103533:2133
3.Young Boys18103530:2133
4.St.Gallen1885530:2629
5.Thun1885524:2029
6.Grasshoppers1854923:3119
7.FC Vaduz1846814:2718
8.Aarau1837816:2716
9.Sion1836918:2715
10.Luzern1827921:3113
Stand: 07.12.2014 17:52

19. Runde

07.02.Grasshoppers - Basel- : -
07.02.Thun - Aarau- : -
07.02.Luzern - Young Boys- : -
07.02.St.Gallen - FC Zürich- : -
07.02.FC Vaduz - Sion- : -

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Basels neuer Trainer Murat Yakin ordnet alles dem Erfolg unter. Er fordert nicht nur sich und seinen Spielern alles ab. Er setzt auch seine Chefs permanent unter Druck. Der ehemalige Internationale macht das subtil, aber sehr bestimmt. Und prompt wurden ihm sämtliche seiner Transferwünsche erfüllt. Von YB kommt Stürmer Raul Bobadilla, von Sion Geoffroy Serey Die, der nach Beni Huggel das neue taktische Gewissen im defensiven Basler Mittelfeld werden soll. Der FCB hat in die beiden Neuzuzüge fünf Millionen Franken investiert.

«Die Botschaft könnte klarer nicht sein»

Nach einem durchzogenen Start in die neue Saison und der verpassten Qualifikation für die Champions League zogen die Verantwortlichen die Konsequenzen und stellten Trainer Heiko Vogel frei, obwohl der Nachfolger von Thorsten Fink in der vergangenen Saison das Double gewonnen hatte. Murat Yakin übernahm und führte den FCB prompt wieder an die nationale Spitze zurück. Und jetzt verpflichteten die Basler auf sanften Druck des neuen Coaches mit Bobadilla und Serey Die zwei Hochkaräter. «Sie haben damit den FC Sion und auch uns empfindlich geschwächt, das war ein cleverer Schachzug», gibt der neue YB-Sportchef Fredy Bickel gegenüber baz.ch/Newsnet unumwunden zu. Das sei eine klare Kampfansage an sämtliche Schweizer Clubs. «Klarer könnte die Botschaft gar nicht sein. Der Titel und der Cupsieg gehen nur über den FC Basel», sagt der Zürcher. Der FCB wolle den Erfolg um jeden Preis und langfristig die erste Geige im Schweizer Fussball spielen.

«Yakin ist der einzige Trainer, der mit Bobadilla klarkommt»

Auch für Jörg Stiel hat der FC Basel mit den Neuinvestitionen ein klares Signal an die Konkurrenz ausgesandt. «Murat Yakin will alles gewinnen, die Meisterschaft, den Cup und sich für die Champions League qualifizieren. Basel wird jetzt durchziehen und seine Ziele auch erreichen», ist der ehemalige Nationalspieler überzeugt. Die Transfers von Bobadilla und Serey Die seien gezielt getätigt worden.

«Wer Bobadilla holt, muss wissen, wen er verpflichtet. Und wenn es einer weiss, dann ist es Murat Yakin», sagt Stiel. Yakin habe mit Bobadilla schon bei Concordia Basel zusammengearbeitet. «Er wollte ihn schon zum FC Luzern holen. Yakin ist wohl der einzige Trainer auf der Welt, der mit Bobadilla wirklich klarkommt», mutmasst Stiel. Der Argentinier werde in Basel keine Aussetzer mehr haben wie zuletzt bei YB. «Was sich Bobadilla in Bern leistete, geht schon gar nicht. Das kann er sich in Basel nicht einmal im Ansatz leisten.» Stiel glaubt auch nicht, dass die Neuverpflichtungen in der Basler Mannschaft zu einer geistigen Unruhe führen werden. «Murat Yakin ist ein intelligenter Trainer, er versteht es auch hervorragend, auf der psychologischen Klaviatur zu spielen», sagt Stiel. Deshalb werde es auch zu keinen Problemen mit den Integrationsfiguren Alex Frei und Marco Streller kommen.

«Bobadilla macht Frei und Streller keine Angst»

«Die neuen Spieler schüren zusätzlich den Konkurrenzkampf. Yakin wird schauen, dass dieser gesund und fair verläuft. Alex Frei wird noch einmal Vollgas geben, weil er seine grandiose Karriere mit Garantie nicht auf der Ersatzbank beenden will, dazu ist er viel zu stolz und ehrgeizig», sagt Stiel, der auch im Zusammenspiel zwischen Bobadilla und Streller keine Schwierigkeiten sieht. «Bobadilla macht Frei und Streller keine Angst. Die können in einer Doppelspitze durchaus harmonieren. Und wenn Yakin an seinem System mit nur einer Sturmspitze festhält, können sich Bobadilla und Streller auf dieser Position abwechseln. Das macht den FCB nur noch unberechen- und undurchschaubarer.»

Stiel ist überzeugt, dass Basel Leader GC schon bald an der Spitze ablösen wird. «Was GC in dieser Saison bisher geleistet hat, ist einfach phänomenal. Es freut mich riesig, dass sich dieser grosse Traditionsverein wieder an der nationalen Spitze zurückgemeldet hat. Denn dort gehört er auch hin», sagt Stiel. Doch das Team von Uli Forte sei an einem gewissen Leistungspunkt angekommen. «Basel hat am 18. November letzten Jahres beim 4:0-Sieg den Hoppers klar die Grenzen aufgezeigt. Ich glaube, dass schon dieser Match wegweisend für den weiteren Verlauf der Saison war.» Kein Titelanwärter ist für Stiel auch der FC Sion. «Dort geben sich die Trainer die Türklinke in die Hand. Da fehlt jegliche Kontinuität. Das Problem ist im Wallis und heisst Christian Constantin, auch wenn der Präsident viel für den Verein macht und ihn auch finanziert.» Für Stiel steht ausser Frage, dass der FC Basel in Zukunft auch international das Aushängeschild des Schweizer Clubfussballs sein wird. «Die Distanz zu den anderen europäischen Teams ist zum FCB klar am kleinsten.»

«Konkurrenzkampf gehört zum Business»

Luzerns Sportchef Heinz Hermann, der Murat Yakin Anfang dieser Saison nach sechs Runden in der Innerschweiz entlassen hatte, traut Yakin in Basel trotzdem sehr viel zu. «Bei uns hat es zuletzt einfach nicht mehr gepasst», sagt Hermann. Doch Yakin sei ein Trainer, der schon einige Erfolge auszuweisen habe. Er habe Thun in die Super League und ins internationale Geschäft geführt. Luzern sei im ersten Jahr unter Yakin Vizemeister geworden und habe im Cupfinal gespielt. «Yakin und Basel, das passt.» Basel habe jetzt hervorragende Transfers getätigt. «Ich bin auch sicher, dass Yakin Raul Bobadilla in den Griff bekommt. Kaum einer kennt Bobadilla so gut wie Yakin.» Mit den Verpflichtungen von Serey Die und Bobadilla sei der Konkurrenzkampf in Basel zusätzlich verschärft worden. «Konkurrenzkampf gehört zum Business. In Basel spielen auch Spieler wie Marco Streller oder Alex Frei, die keine Angst vor Konkurrenz haben. Dazu sind sie viel zu selbstbewusst.»

«Basel hat sich zum absoluten Topfavoriten katapultiert»

Erich Vogel, die graue Eminenz bei den Grasshoppers, sagt ebenfalls klipp und klar: «Mit diesen Transfers hat sich der FC Basel zum absoluten Topfavoriten katapultiert.» Basels Favoritenrolle sei jetzt noch ausgeprägter. «Aber das ist für den Fussball nur gut.» Der Zürcher Fussballexperte ist auch überzeugt, dass Murat Yakin und Raul Bobadilla keine Probleme miteinander haben werden. «Sie kennen sich ja aus ihrer Zeit bei Concordia Basel. Yakin weiss sehr wohl, wie man mit Bobadilla umgehen muss.» Mit Bobadilla habe GC im Übrigen nie ein Problem gehabt. «Erst in Gladbach und dann bei YB gab es Schwierigkeiten. Weshalb, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.» Vom Taktischen her erwartet Vogel den FC Basel weiterhin mit dem gleichen System. «Streller wird nach wie vor die einzige Spitze bilden, Bobadilla wird leicht zurück über links kommen.»

«Der FC Basel gegen den Rest der Schweiz»

«Basel hat mit diesen Transfers seine Stärken im Schweizer Fussball zusätzlich betoniert», sagt GC-Trainer Uli Forte. Es sei eine Zweiklassengesellschaft entstanden. «Der FC Basel gegen den Rest der Schweiz», formuliert es Forte. Die Kluft sei noch grösser geworden. «Der FCB hat zudem mit diesen hervorragenden Verpflichtungen eine weitere Wertsteigerung des Kaders erzielt. Es wird in Zukunft noch schwieriger, diesem FCB das Wasser zu reichen.» Forte mag indes nicht darüber spekulieren, ob oder wie Streller und Frei allenfalls auf den Zuzug Bobadillas reagieren. «Dazu müsste man die beiden persönlich befragen.»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.01.2013, 12:36 Uhr

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