Sport
«Jetzt pfeife ich extra gegen Sie»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 04.08.2010
Klagt den Ref an: Thuns Roland Bättig.
Steht in der Kritik: Ref Ludovic Gremaud (Bild: Keystone )
Der Genfer Schiedsrichter gab am Sonntag beim 2:2 zwischen Aufsteiger Thun und GC seinen Einstand in der Super League. «Und schon musste er Lehrgeld bezahlen», sagt Thuns Trainer Murat Yakin, der sich immer noch zu Recht über zwei verhängte Elfmeter gegen sein Team ärgert. Sein Spieler Roland Bättig wurde für zwei vermeintliche Hands gebüsst, die er nicht vorsätzlich verübt hatte. Er war nach dem zweiten Vergehen auch noch mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden.
«Ich habe in beiden Szenen keine Bewegung zum Ball gemacht», verteidigt sich Bättig. Die TV-Bilder geben ihm Recht. Es waren tatsächlich zwei unabsichtliche Hands. «Der Schiedsrichter hat den Grasshoppers zwei Penaltys geschenkt und mich auch noch mit einem Platzverweis bestraft», sagt Bättig, der im nächsten Spiel gegen St. Gallen auch noch gesperrt ist.
Bättig erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ref
Der defensive Mittelfeldspieler ist schon lange im Geschäft. Er versucht, das Spiel gegen GC auch drei Tage danach ohne Emotionen und sachlich aufzuarbeiten. Doch das gelingt ihm verständlicherweise nur halbherzig. «Es ist unglaublich, was sich dieser Schiedsrichter erlaubt hat», ereifert sich Bättig.
Gremaud habe jeglichen Respekt vor den Spielern vermissen lassen. «Er war schon vor dem Spiel hypernervös und angespannt», schildert er. Der Unparteiische sei bei seinem ersten Spiel in der Super League völlig überfordert gewesen. «Er versuchte, seine Unsicherheit mit einer aggressiven Haltung gegenüber uns Spielern zu kaschieren», vermutet er.
Bättig spricht von Arroganz
«Wenn wir mit einem Entscheid nicht sofort einverstanden waren, fühlte er sich sofort persönlich angegriffen», so Bättig. Dann sei der Schiedsrichter sogar regelrecht arrogant geworden. Der Gipfel der Frechheit habe sich dann kurz vor Schluss nach einem kleinen Disput zugetragen. «Er hat wörtlich zu mir gesagt: ‹Jetzt pfeife ich extra gegen Sie› », erzählt Bättig.
Der Genfer habe ihm dies auf Französisch mitgeteilt. «Ich habe bei Xamax gespielt und kann sehr wohl verstehen, was einer zu mir sagt», betont Bättig. Dass der Schiedsrichter dies nun in Abrede stellt und sich Ref-Chef Urs Meier in einem Blick-Interview auch noch schützend vor Gremaud stellt, ist für ihn keine Überraschung. Bättig bleibt bei seiner Darstellung und steht zu seinen schweren Vorwürfen, weil er Zivilcourage hat. «Man kann sich doch im Leben nicht immer alles klaglos gefallen lassen», sagt er.
Viele Schiedsrichter seien sich über die Tragweite ihrer Entscheidungen gar nicht bewusst. «Es geht um Prämien, Punkte, Abstieg oder Aufstieg», sagt Bättig. Das seien alles Existenzfragen. Er denkt, dass man in der Schweiz wieder einmal die Diskussion um den professionellen Schiedsrichter aufleben lassen sollte.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.08.2010, 10:40 Uhr




