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Lob für den FCZ, Hurra auf den FCB und den Oscar für YB

Florian Raz. Aktualisiert am 25.01.2016

Stimmt es, dass dieser Transfer-Winter ziemlich hektisch ist? Und was machen zwei FCB-Spieler vor dem Christbaum? Zehn Fragen und Antworten zu den Fussball-Transfers der Saison.

Ausland 11AuslandBasel 6BaselChallenge League 2Challenge LeagueFCZ 7FCZGC 1GCLugano 4LuganoLuzern 2LuzernNachwuchs 1NachwuchsSt. Gallen 2St. GallenThun 2ThunVaduz 2VaduzYB 4YBAusland 10AuslandAussortiert 10AussortiertBasel 3BaselChallenge League 3Challenge LeagueFCZ 4FCZGC 2GCLugano 3LuganoLuzern 1LuzernNachwuchs 1NachwuchsSion 1SionSt. Gallen 2St. GallenVaduz 1VaduzYB 3YB

Die Transfers der Super League in der Winterpause 15/16. Der Fluss ist von links nach rechts. Bleiben Sie mit der Maus einige Sekunden auf den dunklen Flächen, um die Zahl der Bewegungen zu erfahren. Lesebeispiel: 11 Spieler sind im Winter aus dem Ausland in die Super League gekommen, 10 haben die Liga in Richtung Ausland verlassen.


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Der FC Zürich holt und schickt und degradiert Spieler, dass es einem schwindlig werden kann. Das Geld des FC Basel landet via Young Boys bei den Grasshoppers. Und Luzern verhindert in letzter Sekunde den Eindruck, der Club könne jemals so etwas wie Stabilität erringen.

Gar nicht so einfach, in dieser Wintertransferperiode den Überblick zu behalten. baz.ch/Newsnet hilft mit zehn Fragen und mindestens so vielen Antworten.

1. Beginnen wir mit einer Frage aus den Netz:

Kaum zu glauben, aber ja: Das gibt es. Amine Chermiti und Davide Chiumiento zum Beispiel sind immer noch beim FC Zürich – einfach in der U-21.

Aber auch sonst täuscht der Eindruck. Rein zahlenmässig war noch gar nicht so viel los in diesem Winter. Bislang (Stand: 21. Januar, 12 Uhr) gab es 50 Kaderbewegungen in der Super League. Im Sommer waren es 180 gewesen. Und so sieht das bei den einzelnen Clubs aus:

Weitere Zahlen zu den Wintertransfers finden Sie in unserem Datenblog.

2. Woher kommt denn mein Eindruck, dass dieser Winter besonders hektisch ist?

Hier gebührt dem FC Zürich und dem FC Basel als Hauptdarsteller grosses Lob. Die zwei zusammen kommen auf 20 Veränderungen in ihren Kadern. Die Young Boys haben immerhin Aussichten auf den Oscar für die besten Nebendarsteller, weil in Bern einfach alles mit der nötigen Dramatik über die Bühne geht.

via GIPHY

An dieser Stelle möchte die Schweizerische Sportjournalistenvereinigung gemeinsam mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann YB einen grossen Dank dafür aussprechen, dass dank des Steffen-Transfers auch in der Winterpause keine Kurzarbeit für Fussballreporter eingeführt werden musste. Und das bei dieser Frankenstärke!

3. Eben, der Steffen-Transfer: Hat der FCB jetzt 500'000 Franken bezahlt (wie es in Basel heisst) oder 1,5 Millionen (wie es in Bern heisst)?

Ja.

4. Das war eine Oder-Frage, die kann nicht mit einem «Ja» beantwortet werden!

Entschuldigung. Aber wahrscheinlich ist beides ein bisschen richtig. Die Basler werden den Bernern sicher nicht direkt 1,5 Millionen Franken überwiesen haben. Die Berner werden aber mitverdienen, wenn der FCB mit Steffen Meister wird und in die Champions League kommt.

Das kann man wie der «Blick» als «irren Deal» bezeichnen. Oder auch einfach als normalen Vorgang, da solche Beteiligungen Standard sind. Noch mehr «völlig irre» Fakten finden Sie in unserem Beitrag «Eine Klausel für alle Fälle».

Bevor Sie fragen: Natürlich ist es kein Problem, dass Renato Steffen seinen neuen Teamkollegen Taulant Xhaka im Herbst so lange provozierte, bis sich dieser zu einer Tätlichkeit hinreissen liess. Gut, die Fans in Basel sind etwas kritisch eingestellt.

Aber die haben ja auch den FCB-Schalverbrenner Mladen Petric irgendwann akzeptiert.

Viel wichtiger: Steffen vermeldet in der «Basler Zeitung», er und Xhaka seien praktisch schon BFF (best friends forever): «Man sucht sich ja privat immer Typen, die einem ähneln.»

Was nur wenige wussten: Steffen war schon beim Weihnachtsfest der Xhakas (hinter dem Baum):

#family#time#enjoy#Xhaka#happy @axhaka @tx.34

Ein von Taulant Xhaka (@tx.34) gepostetes Foto am

5. YB hat nach dem Steffen-Deal den Grasshoppers Yoric Ravet abgejagt. Wie lief dieser Transfer ab?

Einerseits dürften die Berner den Zürchern das Basler Geld eins zu eins weitergeleitet haben. Und weil das nicht reichte, gab es noch einen Haris Tabakovic obendrauf. Das kann man sich in etwa so vorstellen:

6. Muss ich mir die Namen all der neuen Spieler merken?

Eher nicht. Wintertransfers sind eine nicht sonderlich nachhaltige Angelegenheit. Das zeigt unsere Nachzählung. Rund ein Drittel jener Spieler, die die Superligisten in den letzten zwei Wintern verpflichtet haben, war nach nur einer halben Saison auch schon wieder weg. Die Sommertransfers haben im Vergleich eine bessere Haltbarkeit.

7. Kann es sein, dass der FC Luzern der noch konzeptlosere Club ist als der FCZ?

Das ist eine despektierliche Frage. Denn natürlich hat der FCZ ein Konzept. Und das schönste Organigramm westlich des Ural, auf dem der Name des Konzepts 13-mal fünf Mal zu lesen ist (in der ersten Version dieses Textes wurde ein Organigramm gezeigt, dass leider veraltet - aber immer noch auf der Website des FCZ zu finden ist): Für Leute mit Weitsichtigkeit: Der Name beginnt mit «Can» und endet mit «epa».

Und auch die Luzerner sind sich in diesem Winter einfach nur treu geblieben. Just als Platz vier, Cup-Halbfinal und Millionengewinne auf dem Transfermarkt den Anschein von Ruhe erweckten, haben sich die Innerschweizer auf ihre Kernkompetenz besonnen: Knatsch in der Führung. Ex-Sportchef Rolf Fringer meldet via «Blick» aus Thailand: «Ich wurde liquidiert!»

8. Der FCZ hat vier Spieler vom ersten Team ausgeschlossen, um sie loszuwerden. Kann das klappen?

Die Zürcher sind nicht die Einzigen, die diesem Konzept folgen: YB hat Steffen in die U-21 strafversetzt und schon vor der Winterpause bekannt gegeben, dass Samuel Afum und Alexander Gonzalez keinen Platz mehr im Kader hätten. Der FCB schickte Albian Ajeti zurück in den Nachwuchs, weil er seinen Vertrag nicht mehr verlängern wollte.

Der Erfolg ist bislang eher mässig: Bei YB ist Steffen weg, beim FCB Ajeti, beim FCZ Berat Djimsiti. Chiumiento, Chermiti und Di Gregorio aber sind immer noch auf der Zürcher Lohnliste, YB ist bislang weder Afum noch Gonzalez losgeworden.

9. Welches ist der langweiligste Club der Winterpause?

Der FC Vaduz, mit drei ... Nein, Moment. Der FC Thun mit zwei ... Halt. Der FC Sion? Kaum zu glauben, aber wahr. Im Wallis gab es bislang bloss einen Transfer zu vermelden. Aus Ungarn ist Bence Mervó gekommen. Von dem wissen wir aber auch nicht mehr, als dass er gerne mit Wachmännern im Einkaufszentrum vor Weihnachtsbäumen steht.

#KondasElemer #gyorben ???????????? ????????

Ein von Bence Mervó (@mervobence) gepostetes Foto am

10. Welches waren die bislang unerwartetsten Wechsel?

Dass der FCZ Mario Gavranovic abgeben wollte, war bekannt. Dass es den Stürmer aber nach Kroatien ziehen würde, überraschte doch.

Aber offenbar werden in den ex-jugoslawischen Republiken ordentliche Löhne bezahlt. So jedenfalls erklärte der St. Galler Sportchef Christian Stübi den Abgang des Brasilianers Everton zu Partizan Belgrad: «Wenn ein Spieler jedoch bei einem anderen Club so viel mehr Geld verdienen kann, dann müssen wir das akzeptieren.»

Und dann steht da noch der Wechsel des Basler «Königstransfers» des Sommers bevor: Zdravko Kuzmanovic gab vor Saisonstart an, er bleibe «für immer» in Basel. Ein halbes Jahr später geht er zu Udinese. Und beweist damit, was Fussballer schon immer waren: Treibgut – oder wie es bei Patent Ochsner heisst: «Trybguet».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2016, 18:42 Uhr

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