Sport
«Man muss 13 Minuten nachspielen lassen»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 10.11.2011 54 Kommentare
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Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
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Als Ref Sascha Kever die Partie am 2. Oktober wegen Fanausschreitungen in der 77. Minute hatte abbrechen müssen, lagen die Grasshoppers gegen den FCZ hochverdient mit 2:1 in Führung. FCZ-Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Fredy Bickel waren über die Leistung ihrer Mannschaft derart erbost, dass sie für ein paar Tage abgetaucht sind. Zuvor hatten sie den Spielern kurz nach dem Spiel noch mitgeteilt, dass die Meisterschaftsprämien vorderhand gestrichen würden, bis das Team wieder auf dem 5. Tabellenrang liegt. Morgen Freitag kommt es in Bern bei der Swiss Football League zu einem Zürcher Derby am grünen Tisch. Vertreter der beiden Vereine sind zur Anhörung vorgeladen. «Präsident Ancillo Canepa und unser Anwalt Daniel Engel werden uns vertreten», bestätigt FCZ-Sportchef Fredy Bickel. «Ja, wir sind ebenfalls für den Freitag aufgeboten und müssen eine Stellungnahme abgeben», sagt GC-CEO Marcel Meier.
Waren zu wenig Sicherheitsleute am Spiel?
Die zentrale Frage steht im Raum: Welche Fangruppe hat die Krawalle angezettelt? In welchem Sektor sind die brennenden Petarden gezündet und abgefeuert worden? Laut Recherchen des «Tages-Anzeigers» sollen die Sicherheitsvorkehrungen bei dem Spiel ungenügend gewesen sein. Die Theorie sieht vor, dass für ein Hochrisikospiel wie dem Zürcher Derby mit erwarteten 15'000 Zuschauern rund 65 Delta-Sicherheitsleute im Stadion sein müssen. Unabhängige Quellen berichten, es seien beim Derby bedeutend weniger gewesen – die Rede ist von 40 bis 55 anwesenden Kräften des privaten Sicherheitsdienstes. Unklar ist, wer für die Unterbesetzung verantwortlich ist. Die Grasshoppers hatten im Frühjahr bei der Stadt als Besitzerin des Letzigrunds aus finanziellen Zwängen erfolgreich um eine Reduktion der Sicherheitskosten angefragt. Das angepasste Sicherheitskonzept wurde von der Liga abgenommen. Am Spieltag stellten die SFL-Inspektoren allerdings einen Mangel an Sicherheitspersonal fest.
Beide Parteien fordern einen Forfait-Sieg
Welche Sanktionen verhängt die Swiss Football League? Gibt es eine Forfait-Niederlage für den Heimklub GC oder eine für den FCZ? Werden die restlichen 13 Minuten nachgespielt? Kommt es zu einem Wiederholungsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Die Meinungen sind gespalten. baz.ch/Newsnet hat aus gut informierter Quelle in Erfahrung gebracht, dass beide Parteien Forfait-Siege für sich beanspruchen werden. «Ich hoffe auf ein sportlich faires Urteil», sagt Peter Landolt, der Stadionmanager des Zürcher Letzigrunds, gegenüber baz.ch/Newsnet. Er wolle aber nicht mehr zu einem laufenden Verfahren sagen und deshalb nicht ins Detail gehen. Ein sportlich faires Urteil kann man aber durchaus so interpretieren: Es gibt für keinen der beiden Vereine einen Forfait-Sieg oder eine Forfait-Niederlage. Das Spiel wird ab der 77. Minute noch einmal angepfiffen. Oder es gibt ein Wiederholungsspiel, möglicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Am besagten 2. Oktober war auch Christian Schöttli, der Sicherheitsverantwortliche der Liga und des Verbandes, im Zürcher Letzigrund anwesend. Er wird bei der Urteilsfindung mit Sicherheit ein gewichtiges Wort haben. FCZ-Sportchef Fredy Bickel möchte sich zu einem laufenden Verfahren nicht äussern. Trotzdem kann man beim Zürcher eine gewisse Tendenz herausspüren. Mit einem Wiederholungsspiel könnte er wohl gut leben.
«Man kann doch die Vereine für diese Vollidioten nicht bestrafen»
Raimondo Ponte, erfolgreicher Trainer des FC Chiasso in der Challenge League, spielte einst für GC und war beim FC Zürich Manager und Sportchef. Der Zürcher war beim Derby zwischen GC und dem FCZ ebenfalls im Stadion. «Ich hätte das Derby nicht abgebrochen. Die Lage hatte sich wieder beruhigt», schildert Ponte. Mit dem Abbruch habe man den Chaoten nur recht gegeben. «Sie haben erreicht, was sie wollten.» Auch Ponte hofft wie Landolt auf ein sportlich faires Urteil. «Für mich gibt es nur eines, dass man die letzten 13 Minuten nachspielen lässt», sagt Ponte. Da habe auch der FCZ noch die Chance, das Spiel zu wenden. Ponte wehrt sich hingegen kategorisch dagegen, dass einer der Vereine mit einer Forfait-Niederlage belegt wird. «Man kann doch nicht die Vereine dafür bestrafen, dass solche Vollidioten den Fussball permanent kaputt machen», sagt Ponte.
«Wiederholungsspiel wäre für GC ein klarer Nachteil»
«Auch eine Forfait-Niederlage würde diesen Hirnverbrannten recht geben. Sie würden dann bei jedem Rückstand ihrer Mannschaft versuchen, den Abbruch des Spiels zu erzwingen», sagt Ponte. Der ehemalige Nationalspieler ist auch gegen ein Wiederholungsspiel. «GC war an diesem Tag einfach viel besser und hat sich die 2:1-Führung redlich verdient», sagt Ponte. Deshalb sei er für die Fortsetzung des Spieles. «Ein Wiederholungsspiel wäre für GC ein klarer Nachteil», sagt Ponte, der das Potenzial des FCZ höher einschätzt. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.11.2011, 11:56 Uhr
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