Bayern München möchte in der Champions League auf den Fehltritt in der Meisterschaft reagieren. Trotz Respekt vor dem FC Basel sind die Deutschen überzeugt davon, weiterzukommen.
Mario Gomez spricht über sein Wiedersehen mit Ex-Teamkollege Marco Streller und Toni Kroos lässt sich nicht aus der Reserve locken. (Videos: Joël Gernet)
Es darf spekuliert werden: Kommt dem grossen FCB der kleine FCB gerade gelegen, um die kleine Krise zu überwinden oder tun sich die Bayern in dieser Situation erst recht schwer mit der Favoritenrolle? «Die Kritik ist schon angebracht. Natürlich hätten wir in Freiburg gewinnen müssen», sagt Trainer Jupp Heynckesnach der Ankunft des deutschen Meisters in Basel. Dennoch werde er am System nichts ändern. Auch gegen den FC Baselwird er mit Mario Gomez als Einziger an der Spitze spielen.
Stürmer Gomez verrät indirekt, wie der Schweizer Meister gegen sein Team spielen muss, um Bayern aus dem Tritt zu bringen: «Unser Problem ist, dagegen zu halten, wenn eine Mannschaft so spielt wie Freiburg in der ersten Halbzeit.» Das heisst für die Basler, dass sie die Deutschen früh attackieren und kompromisslos nach vorn spielen müssen. So wie im letzten Heimspiel gegen Bayern im Herbst 2010. «Das war nicht einfach damals. Die Basler haben bewiesen, dass sie stark spielen können», erinnert sich Kroos.
Respekt vor dem «Joggeli»
Den Inhalt der internen Aussprache vom Montag mit der Ansprache des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge wollen die Bayern-Profis nicht öffentlich machen. «Wir wollen nun nach vorn schauen», sagt Kroos und kündigt gleich an, dass der FC Bayern nicht auf Teufel komm raus angreifen werde: «Natürlich wollen wir hier gewinnen. Aber wir müssen über zwei Spiele gerechnet besser sein. Abgerechnet wird dann in München.» Und auch sein Teamkollege Gomez hat Respekt vor der Basler Heimstärke. «Wir können niemanden auf die leichte Schulter nehmen. Gerade mit dem eigenen Publikum im Rücken ist Basel sehr stark», sagt der Münchner Topskorer, der in der diesjährigen Champions Leaguebereits sechs Mal getroffen hat.
Wie Captain Philipp Lahm gibt es auch für Gomez ein Wiedersehen mit Marco Streller, mit dem er beim VfB Stuttgart zusammengespielt hat. «Ich bin nicht hier, um Freunde zu treffen», stellt Gomez klar, um dann aber doch noch zu ergänzen: «Ich hatte mit Strelli eine schöne Zeit in Stuttgart. Er war immer freundlich und nett. Hoffentlich ist er auch morgen freundlich und nett und nicht so stark wie in letzter Zeit.» Dennoch ist der deutsche Nationalspieler überzeugt, dass sich Bayern in zwei Spielen gegen den FCB durchsetzen wird.
Mangel an Führungspersönlichkeiten
In den letzten Spielen wurde immer wieder die mangelnde Kreativität im Bayern-Spiel kritisiert. Die Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger wirkt sich schwerer aus, als man beim deutschen Rekordmeister wahrhaben wollte. Trotz vielen guten Spielern fehlt den Bayern ein Chef auf dem Platz. «Wir haben nicht mehr so viele extrovertierte Charaktere in der Mannschaft, wie das der FC Bayern auch schon hatte. Das ist eine Frage der Persönlichkeit», räumt Heynckes ein. Verantwortung müssten nun in erster Linie die erfahreneren Spieler übernehmen. Wer, das konnte aber auch der 66-jährige Trainer-Fuchs nicht sagen.
Und bei allem Lob für den FC Basel, dessen «wunderbare Haltung» in den Gruppenspielen der Champions League ihm imponiert hätte, betont Heynckes, dass sein Team die schwere Gruppe A mit Napoli, Manchester City und Villareal sehr souverän überstanden habe. «Eines sollte man nicht machen: den FC Bayern unterschätzen», meint er. Das sollte dem Team von Heiko Vogelnun wirklich nicht passieren. (baz.ch/Newsnet)