Sport
Milan : Grosse und etwas angestaubte Namen
Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 30.08.2008
Ronaldinho trifft auf den FC Zürich: Der Brasilianer soll Milan zum Uefa-Cup-Sieg verhelfen. (Bild: Keystone)
Der Patron hat hehre Wünsche, und da er ja bezahlt, schlägt man ihm keinen aus - jeden Sommer. Ein besonderes Faible von Silvio Berlusconi, dem Eigentümer der AC Milan (und deren heimlicher Chefscout, Chefstratege, Cheftrainer in unheiliger Personalunion), hört auf den Namen Andrei Schewtschenko, ist Ukrainer, Stürmer, war schon einmal einige ruhmreiche Jahre lang in den Diensten der Mailänder und zuletzt glücklos und torarm beim FC Chelsea beschäftigt. Nun ist er zurück, wie ein verlorener Sohn. Und schliesst man nach dem enthusiastischen Empfang, den sie ihm in Mailand bereitet haben, möchte man meinen, der überschwänglich dankbare Mann («Hier spüre ich, dass man mich mag») sei im Herbst seiner Karriere noch zu Wundertaten fähig.
Viele Stars am Hofe Berlusconis
Ähnliche Mirakel erwartet der Padrone von seiner anderen Schwäche, an der er schon so lange und mit öffentlicher Sehnsucht gelitten hatte: Ronaldinho, Brasilianer. Jeden der vergangenen Sommer hiess es jeweils, Berlusconi hole den Künstler am ruhenden Ball, kaufe ihn endlich los von Barcelona. Es hörte sich immer so an, als wäre es eine Befreiung aus der fussballerischen Provinz. Nun spielt also auch Ronaldinho am Hofe Silvio Berlusconis - und im bescheideneren Uefa-Cup. Wie Schewtschenko hat auch Ronaldinho seine besten Zeiten hinter sich. Weg sind die frühere Leichtigkeit (samt Grinsen) und dieses selbstbewusste, beinahe arrogante Tänzeln mit dem Ball. In Milanello, dem viel gerühmten Trainingszentrum des Vereins, dürften sie zuerst ganz mit der Baisse der beiden Herren ausgelastet sein.
Doch das Geschäft der grossen Vereine lebt nun einmal von grossen Namen, auch wenn ihre Träger schon etwas angestaubt scheinen. Milans Kader ist mit so vielen bekannten Namen bestückt, dass sich daraus leicht zwei wohlklingende Teams bilden liessen. Zu nennen wären noch der Verteidiger Alessandro Nesta (auch beneidet für seine Künste an der Playstation), Gianluca Zambrotta (Heimkehrer aus Barcelona), Andrea Pirlo, Clarence Seedorf, Paolo Maldini (noch immer!), Pipo Inzaghi (auch immer noch), Rino Gattuso, Kakà (heftig umgarnt von der halben Welt), Pato (das unvollendete Wunderkind). Und natürlich Philippe Senderos, der Schweizer, den sie für ein Jahr von Arsenal ausgeliehen haben. Als Senderos Transfer bekannt wurde, schrieb die «Gazzetta dello Sport», nun sei auch die Innenverteidigung gebührend ausgestattet.
Gemeint war, dass sie den Ansprüchen des Patrons genügt. Berlusconi gibt im Sommer immer gerne den Taktiker: Ein 4-3-2-1 soll es sein, völlig abgestimmt auf die klassischen Rollen von Ronaldinho und Schewtschenko. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.08.2008, 14:41 Uhr




