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Netzer verurteilt die Entlassung von Gross in Stuttgart aufs Schärfste
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 18.10.2010 24 Kommentare
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Werfen sich trotz Handschlag skeptische Blicke zu: Christian Gross und sein Nacholger Jens Keller. (Bild: Keystone )
«Die Entlassung von Christian beim VfB Stuttgart ist äusserst seltsam», erklärt der deutsche Welt- und Europameister gegenüber baz.ch/Newsnet. Dieselben Gründe zur Trennung seien von den VfB-Verantwortlichen im Sommer noch angeführt worden, um die Erfolge von Gross zu erklären. «Es sind zum Beispiel seine Kommunikationsfähigkeit und auch seine Konsequenz, die er in Verbindung mit den Spielern an den Tag legt», sagt Netzer. «Damals war die Zufriedenheit mit der Arbeit von Christian noch so gross, dass man den Vertrag mit ihm sogar verlängern wollte», weiss Netzer.
Die Entlassung von Gross kann der Fussballexperte überhaupt nicht nachvollziehen und veruteilt diese aufs Schärfste. «Ich halte die Reaktion von Stuttgart für inkonsequent und absolut schwach», urteilt der seit Jahren in Zürich wohnhafte Deutsche. «Die wussten doch genau, welchen Trainer sie mit Christian Gross verpflichtet haben», sagt Netzer. Die Verantworlichen hätten sich dafür in der letzten Saison noch feiern lassen. In der Tat: Gross hatte nach der Entlassung von Markus Babbel die Mannschaft aus der Abstiegszone noch in die Europa League geführt.
Netzer kritisiert die Illoyalität des Nachfolgers
«Christian hätte den Turnaround mit Garantie wieder geschafft», sagt Netzer. Gross sei ein Trainer mit einem enormen Leistungsausweis. «Er hatte die Grasshoppers und den FC Basel einst die Champions League geführt», sagt Netzer. Gross habe sich in Europa verdientermassen einen hervorragenden Namen geschaffen. «Seine Entlassung war ein riesengrossen Fehler», sagt Netzer, der vor allem die Spieler des VfB Stuttgart in die Pflicht nimmt.
Als ganz schlimm empfindet Netzer, wie sich Jens Keller, der vom Gross-Assistenten zum Chefcoach beförderte Stuttgarter, jetzt aus der Affäre ziehen will. Keller hatte in der Öffentlichkeit erklärt, Gross sei ein sehr dominanter Trainer, bei dem es zwecklos sei, diesen auf Unzulänglichkeiten aufmerksam zu machen. «Das ist eine absolute Frechheit», sagt Netzer. Das sei ein Paradebeispiel von Illoyalität, die wohl ihren Teil zur Entlassung von Gross beigetragen habe. Armin Veh, der vor Babbel und Gross in Stuttgart entlassen worden war, schlägt in die selbe Kerbe. «So geht es ja wirklich nicht», sagte der heutige Trainer des Hamburger SV im aktuellen Sportstudio des ZDF. Wenn Keller tatsächlich dieser Meinung gewesen sei, hätte er seinen Job als Assistent von Gross konsequenterweise sofort zur Verfügung stellen müssen.
Netzer geht auch mit VfB-Stars hart ins Gericht
«Offenbar hat Keller eiskalt auf seine Chance gewartet», mutmasst Netzer. Er geht auch noch einmal mit den Spielern des VfB Stuttgart hart ins Gericht. «Sie haben nach Entschuldigungen gesucht und die ewig gleichen Alibi-Ausreden, wie ‹der Trainer hat die Mannschaft nicht mehr erreicht›, herangezogen», sagt der Experte. Es seien vielmehr die Spieler gewesen, die ihr wahres Leistungspotenzial nie ausgeschöpft und den Verein deshalb in grösste Schwierigkeiten gebracht hätten. «Und jetzt werden sie auch noch dafür belohnt, dass ihr unbequemer Trainer entlassen wurde», so Netzer.
Von 1978 bis 1986 war Netzer ein erfolgreicher Manager beim Hamburger SV. Er übte jenes Amt aus, dass Fredi Bobic zurzeit in Stuttgart innehat. Unter Netzers Regie wurde der HSV dreimal Meister und holte mit einem Finalsieg gegen Juventus Turin den Europapokal der Landesmeister, was heute die Champions League ist. «Einer meiner vordringlichsten Aufgaben als Manager beim HSV war immer, den Trainer zu stützen», sagt Netzer. Er habe sich für den Trainer verantwortlich gefühlt, weil er bei Misserfolgen unweigerlich selbst zu Debatte gestanden hätte.
«Die Trainersuche ist nach der Verpflichtung von Spielern die allerwichtigste Aufgabe für die Verantwortlichen», so Netzer. Dafür müsse man aber ein Gespür haben. «Man muss wissen, dass erfolgreiche Trainer meist ein wenig verrückt und vor allem unbequem wie Christian Gross sind.» Die Verantwortlichen des VfB Stuttgart, allen voran Fredi Bobic, hätten wieder einmal den einfachsten Weg des geringsten Widerstandes gewählt. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.10.2010, 13:33 Uhr
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24 Kommentare
Ich weiss gar nicht, wie die sich beim VfB das in Zukunft vorstellen. Jedes Jahr (oder alle 18 Monate) einen neuen Trainer? Auf die Art wird man in Zukunft kaum gute Trainer verpflichten können - denn die haben meist mehrere Angebote. Und seien wir ehrlich: welcher Trainer, der noch bei Verstand ist, will da der nächste in der Statistik sein? Antworten




