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Ohrwürmer, Lokalrunden und Trainer-Tränen

Von Stefan Kreis und Oliver Gut. Aktualisiert am 09.12.2011

Die FCB-Helden machten nach dem historischen Triumph gegen Manchester die Nacht zum Tag. Mit rund 2000 Fans feierten sie auf der Meister-Terrasse über dem Barfüsserplatz.

Geschichtsträchtig: Die FCB-Fans kreierten eine unvergleichliche Choreo und blickten auf die internationalen Erfolge des FC Basel zurück.

Geschichtsträchtig: Die FCB-Fans kreierten eine unvergleichliche Choreo und blickten auf die internationalen Erfolge des FC Basel zurück.
Bild: Keystone

Die Nacht lag in ihren letzten Zügen, als FCB-Goalie Yann Sommer ein Lied anstimmte, das in Basel schon jetzt Kultstatus hat: «Dr Steini isch e Glatte, dr Steini isch e Glatte, dr Steini schiesst dr Ball an d Latte.» Direkt neben Sommer stand Verteidiger Markus «Steini» Steinhöfer, sang lauthals mit und kam aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Kein Wunder, denn es gibt wohl kaum einen Spieler auf dieser Welt, der für einen Abwehrschnitzer gefeiert wird. Welcher Verteidiger bekommt ein eigenes Lied, wenn er den Ball an die Querlatte schiesst, statt zu klären? Das gibts wohl nur in Basel. Steinhöfer sagte Danke für die Wertschätzung der Fans und zeigte sich grosszügig. Zusammen mit Sommer spendierte der Deutsche eine Lokalrunde Bier im Restaurant «Bodega» am Barfüsserplatz.

Wenige Meter daneben stand der FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler und sagte: «Es ist unglaublich. Es gibt Spieler, die waren zehn Jahre beim FCB und hatten nie einen solchen Moment. Markus wird mit dieser Aktion zu einer Legende, an die man sich noch lange erinnern wird. Der Triumph gegen Manchester ist untrennbar mit diesem Lattenschuss verbunden.» Auch an der Fasnacht im Februar wird Steinhöfer in Schnitzelbänken zum Thema werden. Der Deutsche kommentierte die Szene mit einer guten Portion Humor: «Wir üben im Training Lattenschiessen und ich habe bewiesen, dass ich es kann.»

Ein Bier und einen Cheeseburger

Drei Stunden zuvor versammelte sich die komplette Mannschaft auf dem legendären Balkon am Barfüsserplatz und liess sich von mehr als 2000 rotblauen Fans feiern. Eine Spontanaktion, wie FCB-Medienchef Josef Zindel sagte: «Wir wollten zuerst nicht kommen, weil wir mehr wollen als diesen Achtelfinal. Aber als wir dann erfahren haben, dass derart viele Leute warten, haben wir umdisponiert.»

Die Anhäger dankten mit Jubelarien. Die Spieler tanzten, lagen sich gegenseitig in den Armen und kamen aus dem Winken nicht mehr heraus. Vor allem FCB-Trainer Heiko Vogel wurde mit nicht enden wollenden Sprechchören gefeiert. Er war sichtlich gerührt und vermochte die Tränen nicht zurückzuhalten. Der Pfälzer konnte in diesem Moment immer noch nicht fassen, was gerade geschehen war: «Ich brauche noch Zeit, um das zu realisieren.» Der 36-Jährige hatte Stunden zuvor Trainerlegende Sir Alex Ferguson aus der Champions-League geworfen und damit für den grössten Erfolg einer Schweizer Clubmannschaft gesorgt.

Ist Vogel aus diesem Grund schon jetzt eine rotblaue Legende? Ist er der Baumeister des Erfolgs? Fragen, die dem Noch-Interimscoach unangenehm sind. Er ist keiner, der sich auf die Schulter klopft und rückt stattdessen immer die Mannschaft in den Vordergrund. «Sie hat einfach phänomenal gespielt. Manchester United musste und wollte, aber konnte nicht», sagte Vogel und wünscht sich nun im Achtelfinal Real Madrid als Gegner. In der Folge gönnte sich der Erfolgstrainer ein Bier und ass einen Cheeseburger in Rekordzeit. Am Morgen danach erzählt er von einer kurzen Nacht: «Ich bin relativ spät ins Bett und relativ früh aufgewacht.»

Chipperfield, der Feierroutinier

Auch das Duo Sommer/Steinhöfer hat gestern relativ spät Schlaf gefunden und feierte bis in die Morgenstunden. Mit ein Grund für die lange Partynacht: Vogel strich das geplante Vormittagstraining, gab seinen Spielern frei und beraumte das Training erst auf heute Vormittag an. Eine Pause, die auch Team-Oldie Scott Chipperfield zu schätzen wusste. Er gehörte zusammen mit Ersatzkeeper Massimo Colomba und dem verletzten Verteidiger Kay Voser zu den letzten FCB-Spielern, die zur späten Stunde gesichtet wurden.

Der Australier, der Ende Dezember 36 Jahre alt wird, nahm sich viel Zeit für jeden Fan, schrieb fleissig Autogramme und gönnte sich den einen oder anderen Drink. Er scheint offensichtlich auch im fortgeschrittenen Alter noch Gefallen am Feiern zu finden und zeigte auch gegen Ende der Nacht keine Auflösungserscheinungen. Das ist nicht überraschend, denn Chipperfield ist in dieser Beziehung ein Routinier. Mit elf Titeln ist er der erfolgreichste FCB-Spieler der Clubgeschichte.

Am Sonntag könnte der polyvalent Einsetzbare beweisen, dass die Partynacht keinen Einfluss auf die Leistung haben wird. Weil Stürmer Alex Frei gegen Neuenburg Xamax gesperrt sein wird, dürfte der 35-Jährige zum Handkuss kommen. Frei warnte derweil davor, das Spiel in Neuenburg auf die leichte Schulter zu nehmen: «Am Mittwoch spielst du gegen Manchester United vor vollem Haus und vier Tage später vor 3000 Zuschauern. Diese Umstellung ist nicht einfach.»

Captain Marco Streller wollte in der magischen Nacht noch nicht so weit vorausblicken: «Xamax interessiert uns erst am Freitag. Zuerst geniessen wir jetzt den Moment.» Zu Recht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.12.2011, 10:48 Uhr

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Stand: 26.05.2012 17:02
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Stand: 25.05.2012 15:24
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