Sport

Reisst Tschagajew Xamax in den Abgrund?

Von Seraina Gross, Neuenburg. Aktualisiert am 10.12.2011 2 Kommentare

Das Spiel vom Wochende gegen den FC Basel (16.00 Uhr, baz.ch berichtet live), könnte das letzte Spiel von Xamax Neuenburg sein.

«Wir vertrauen Bulat.» Das Transparent, das Xamax-Boss Bulat Tschagajew (links) unterstützt, wirkt angesichts der Probleme in Neuenburg sarkastisch.

«Wir vertrauen Bulat.» Das Transparent, das Xamax-Boss Bulat Tschagajew (links) unterstützt, wirkt angesichts der Probleme in Neuenburg sarkastisch.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Super League

36. Runde

23.05.Basel - Young Boys1 : 2
23.05.Lausanne - Grasshoppers2 : 1
23.05.Sion - Luzern1 : 3
23.05.Thun - FC Zürich2 : 4
Stand: 23.05.2012 22:10

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel34228478:3374
2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

«Ça ce complique» (es wird kompliziert) für Bulat Tschagajew, titelte die Neuenburger Zeitung «L’Express», zurückhaltend wie gewohnt. Andere wurden deutlicher, als der Clubpräsident von Neuenburg in den letzten Wochen in immer kürzeren Abständen negativ von sich reden machte. Von einer Stunde der Wahrheit schrieb etwa «L’Illustré». In der Tat: Inzwischen scheint es immer unwahrscheinlicher, dass der Traditionsverein vom Neuenburgersee die Herrschaft des Tschetschenen überleben wird. Ein Lizenzentzug durch die Liga scheint heute nicht mehr ausgeschlossen. Er brächte dann wohl auch den Konkurs.

Zur Begegnung mit dem FC Basel wird es morgen aller Voraussicht zwar noch kommen, obwohl in den letzten Tagen manch einer auf das Gegenteil gewettet hat. Danach aber könnte das Totenglöcklein läuten für den Super-League-Fussball am Neuenburgersee. Beobachter halten es für nicht ausgeschlossen, dass die bis jetzt zögernde Liga die Spielpause zwischen den beiden Saison-Halbzeiten dazu nutzen wird, um im Fall Xamax durchzugreifen. Roger Müller, Sprecher der Swiss Football League, lässt sich zwar nicht auf Spekulationen ein, wie es mit Xamax weitergehen könnte. Er lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass die in jüngster Zeit aufgetauchten Vorwürfe den Rahmen der bisher bekannten Verfehlungen sprengen.

Im Zentrum des jüngsten Kapitels in der kurzen aber skandalintensiven Ära Tschagajew (siehe Chronologie) steht der Verdacht, der Club habe mit Spielern doppelte Verträge abgeschlossen. «Normalerweise schliesst ein Fussballer einen Vertrag mit einem Club ab», berichtet das Westschweizer Fernsehen TSR Mitte November. «Nicht aber im Falle von Xamax.» Die TSR habe Einsicht in Unterlagen gehabt, die auf die Existenz «dunkler Verträge» schliessen liessen. Konkret habe Tschagajew seit Juli verschiedene Anwerbungen über eine Firma namens Jerole Alliance Limited vorgenommen, eine in Road Town, der Hauptstadt der britischen Jungferninseln, installierte zypriotische Offshore-Gesellschaft. Die britischen Virgin Islands gelten als Steuerparadies, das keine Rechtshilfe in Steuersachen leistet.

Doppelte Verträge

Was aber wäre der Zweck doppelter Verträge? «Es geht um Steuervermeidung», sagt Müller von der Liga. Eine Steuerersparnis, die einem Lohnbestandteil gleichkomme, denn: «Für den Spieler zählt ja nur, was ihm am Schluss bleibt von seinem Salär.» Aus Sicht der Liga wiege der Verdacht der doppelten Verträge sehr schwer, weil sie das Prinzip der gleich langen Spiesse verletzten. «Unsere Aufgabe besteht ja darin, dafür zu sorgen, dass für alle Clubs die gleichen Regeln gelten», so Müller.

Die Geduld der Liga arg strapaziert hat Tschagajew zudem mit der famosen Garantie über 35 Millionen Dollar der Bank of America, die der Club bei der Liga eingereicht hat, um zu beweisen, dass er in der Lage ist, die Saison wirtschaftlich zu bestreiten. «Das Dokument war nichts wert, das haben wir sofort erkannt», sagt Müller.

Präsident ohne Arbeitsbewilligung

Noch nicht schlüssig ist sich die Liga, ob sie von der Hiobsbotschaft betroffen ist, wonach Tschagajew in der Schweiz keine Arbeitsbewilligung habe. Die Frage, ob ein Clubpräsident eine Arbeitsbewilligung brauche, konnte Sprecher Müller nicht beantworten. Unklar ist auch, wer innerhalb des Clubs wann von der Existenz der Garantie der Bank of America Kenntnis erhielt. Bei den Clubverantwortlichen ist dazu inzwischen ein heftiges Schwarz-Peter-Spiel im Gang. Verschiedenen Zeitungsberichten zufolge soll Tschagajew jede Verwicklung in die Fälschungsaffäre von sich weisen. Tschagajew habe das Dokument nie in der Hand gehabt, zitiert «L’Illustré» Jacques Barillon. Auf dem erfolgreichen Genfer Prominentenanwalt ruhen die Hoffnungen des Tschetschenen, seit Barillon-Vorgänger François Canonica sein Mandat niedergelegt hat. Den Beteuerungen allerdings widerspreche die Aussage, welche Clubgeneraldirektorin Barbara Perriard vor Neuenburger Polizisten gemacht habe, schreibt «L’Illustré». Perriard macht inzwischen geltend, sie sei verwirrt gewesen. Sie spricht nun von zwei Dokumenten.

Der Verdacht auf doppelte Verträge und eine gefälschte Bankgarantie haben die Liga inzwischen zu zwei weiteren Disziplinarverfahren veranlasst. Derweil laufen die ersten Verfahren wegen ausstehender Lohnzahlungen weiter, wie Sprecher Müller sagt. Sie haben bereits zu einer Busse von 20'000 Franken geführt. Denkbar sind weitere Bussen, ein Punkteabzug – oder eben, als Ultima Ratio, ein Lizenzentzug. Damit könnte sich das Szenario definitiv einstellen, dem der Club Anfang November noch knapp entkommen war: der Konkurs. Das Nachsehen hätten dann wohl einige der mehr als sechzig Gläubiger, die Stand September beim Neuenburger Betreibungsamt Forderungen von mehr als vier Millionen Franken angemeldet haben.

Geldwäscherei, Betrug

Wie aber geht es mit Xamax weiter, sollte sich die Liga nicht zum grossen Schnitt entscheiden? Klar ist, dass die strafrechtlichen Schwierigkeiten damit nicht aus der Welt sind. Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsführung, Betrug und Geldwäscherei: Das ist der Katalog an Straftatbeständen, wegen derer sich die Staatsanwaltschaften von Genf und Neuenburg inzwischen mit dem Tschetschenen befassen. In Genf liegt das Dossier auf dem Pult von Yves Bertossa, ehrgeiziger Sohn des legendären Genfer Geldwäschereijägers Bernard Bertossa. Anfang November wurden die Räumlichkeiten von Tschagajews Firmen in Genf, sein Privathaus im waadtländischen St-Sulpice und die Geschäftsstelle von Xamax in Neuenburg durchsucht. Ende November schliesslich wurde Tschagajew in Genf ein erstes Mal vernommen. Gerüchte, wonach er sich ins Ausland abgesetzt habe, erwiesen sich als falsch.

Erfolglose Sponsorensuche

Offen bleibt zudem, ob ein Club mit derart grossen Reputationsproblemen in der Lage ist, wirtschaftlich zu arbeiten. Den Fans ist die Freude an ihrem Verein inzwischen ziemlich vergangen. Xamax-Spiele finden meist vor gelichteten Reihen statt. Im Schnitt kommen 3 379 Fans. Auch von der Sponsorenfront ist nichts Positives bekannt, seit sich mit Credit Suisse Ende August der vierte und letzte zurückgezogen hat. Eine Million Unternehmen wurden damals brieflich kontaktiert, mit einem fehlerhaften und streckenweise nur schwer verständlichen Schreiben. «Profitieren Sie von der Dynamik unseres Clubs», wurden die Angeschriebenen darin aufgefordert. Es sei in der Tat peinlich, dass das Schreiben rausgegangen sei, räumte der damals taufrische und inzwischen abgesetzte Clubgeneraldirektor Marc Imwinkelried ein.

Zweifel sind deshalb angebracht, dass es für Neuenburg Xamax eine Zukunft in der Super League gibt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Spieler morgen Sonntag auf dem Rasen antreten werden und dass sie ebenda in letzter Zeit auch eine gute (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.12.2011, 18:00 Uhr

2

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

2 Kommentare

Gilbert Schiess

10.12.2011, 18:34 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Das konnte natürlich niemand voraussehen, *räusper* oder etwa doch....... Antworten



FC Basel

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 07:24
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden

Sport

Populär auf Facebook Privatsphäre