Sport

Rolling Stones, Lasagne und Weltfrieden

Von Joel Gernet. Aktualisiert am 15.12.2010 5 Kommentare

Die neue DVD über das Innenleben des FC Basel besticht durch beeindruckende Bilder und nicht alltägliche Einblicke. Doch an manchen Stellen hätte mehr Tiefgang nicht geschadet.

Der Trailer zu neuen DVD des FC Basel: «Die Welt des FCB» dürfte sich dieses Jahr unter manchem Weihnachtsbaum befinden.


Die Welt des FCB

Seit rund zwei Wochen ist die neue DVD über den FC Basel im Umlauf. Der zweistündige Film von Michael Flume ist unterteilt in die acht Kapitel: Erste Mannschaft, FCB-Nachwuchs, FCB-Frauen, Rotblau Total, Ticketing Infos, FCB-Geschäftsstelle, Bonus. Die DVD kann für 39 Franken u.a im FCB-Fanshop oder auf der Homepage des FC Basel gekauft werden.

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Atemberaubende Luftaufnahmen vom FCB-Trainingsgelände; ein perfekt ausgeleuchteter Fallrückzieher von Marco Streller im Zeitlupen-Tempo; Roger Federer, der mit rotblauen Tennisbällen jongliert und lachend seinen FCB-Schal in die Höhe stemmt – er ist beeindruckend, der dreiminütige Videotrailer (siehe oben) zur neuen DVD über den FC Basel.

Innerhalb von zwei Monaten hat der Basler DJ, Musikproduzent und Filmemacher Michael Flume eine umfassende DVD über die «Hintergründe eines Phänomens» gedreht. Dabei hat er den Club nicht nur drei Wochen lang mit der Kamera begleitet, Flume wurde auch zum FCB-Archäologe. Wie ist er also, der neue FCB-Film?

Als ein Ticket noch drei Franken kostete

In Anbetracht der Fülle an Bildern, Interviews und Hintergrundberichten ergibt die Gliederung in acht Kapitel sowie diverse Unterkapitel Sinn. So kann man wahlweise mit der Meisterfeier 2010 oder mit der Clubgründung 1893 in die Welt des FCB einsteigen. Wer sich für Letzteres entscheidet, erfährt etwa, dass der Club vor 117 Jahren in der Schuhmacherzunft gegründet wurde – von elf Herren, die einer Anzeige in der National Zeitung gefolgt sind.

Amüsant wird es im Kapitel «Historisches», wenn es ums Geld geht: Als die Schweizer Fussballnati 1908 im damaligen FCB-Stadion Landhof gegen die Deutsche Nationalelf zu deren allererstem Länderspiel antrat, war ein Tribünenplatz für 3 Franken zu haben. Und auch fast 50 Jahre später ging es noch nicht um Millionenbeträge: 1955 kassierten die FCB-Kicker für einen Sieg eine Prämie von 50 Franken (heute kann diese bei einem Champions-League-Sieg schon einmal im fünfstelligen Bereich liegen), für eine Niederlage gab es 20 Stutz. Dazu kamen «Trainingsentschädigungen» von fünf Franken pro Einheit. Historische Aufnahmen und Dokumente wie diese gehören eindeutig zu den Stärken dieser umfassenden DVD.

Eine Dekade unter Christian Gross

Auch das alte Joggeli-Stadion wird gewürdigt: Man sieht, wie 1953 die Schafe neben der entstehenden Haupttribüne weiden, wie das Stadion 45 Jahre und diverse Meistertitel später wieder abgerissen wird und wie 2001 mit dem neuen Stadion St. Jakob-Park eine zweite Erfolgsära des FC Basel anbricht. Eine Ära, geprägt von Trainer Christian Gross, dessen Erfolge nochmals Revue passiert werden. Zum Beispiel das 3:3 in der Champions League gegen Liverpool vom November 2002, als die Basler nach nicht einmal 30 Minuten mit 3:0 führten. Es ist allerdings irritierend, dass man die tollen Bilder dieser letzten FCB-Dekade nur über das Unterkapitel «Stadionbau» findet.

Streller und die Stones, Huggel und der Weltfrieden

Wer den Kapitel- und Zeit-Sprung zur «Ersten Mannschaft» 2010 macht und sich viele neue Infos zu den FCB-Stars erhofft, wird enttäuscht. Bei den Interviews mit den Spielern zeigt sich nämlich, dass Medienprofis vor dem Mikrofon stehen: Eine Standardantwort jagt die nächste. Kurz und bündig. Hier wurde von den DVD-Machern die Chance vergeben, neue Seiten von Frei und Co. zu zeigen. Anstatt die bisherigen Transferstationen – die man auch hätte googeln können – oder das Lieblingsessen – bei Shaqiri ist das Lasagne – aus den Spielern heraus zu kitzeln, hätte Flume mit ungewöhnlicheren Fragen in die Tiefe gehen sollen.

Stattdessen erfährt man, dass sich die FCB-Spieler in ihrer Freizeit am liebsten ausruhen oder sich mit Freunden treffen – und dass sie unehrliche Menschen blöd finden. Wer tut das nicht? Interessanter als die Antworten ist hier eher die Zivilbekleidung der Stars: Streller mag gemäss seinem T-Shirt die Rolling Stones, Shaqiri steht auf Armani Jeans und Cabral ist der Bling-Bling-Typ mit Baseballcap. Highlight der Kurzinterviews: Benjamin Huggel, der die auf die Frage nach seinen Wünschen unter schallendem Gelächter sagt: «world peace». Sehr interessant ist der Blick in die Spielerkabine kurz vor Anpfiff: Angespannte Gesichter und konzentriertes Schweigen. Hier ist der Zuschauer tatsächlich hautnah dabei.

Zu Bei den Junioren und den FCB-Frauen

Lobenswert ist, dass neben der Schwerpunktsetzung auf die FCB-Geschichte und die erste Mannschaft auch (kurz) eingegangen wird auf die Teams der FCB-Junioren, der FCB-Frauen und auf die Geschäftsstelle. Hier haben Flume und sein Team grossen Aufwand betrieben, um das gesamte FCB-Universum abzubilden – nicht bloss die Komponenten im Rampenlicht.

Sehr kurzweilig ist das Kapitel «Rotblau Total», eine Art Best-Of der gleichnamigen FCB-Sendung auf Telebasel: Meisterfeier 2010, Bierdusche für FCB-Medienchef Josef Zindel, Auswärtsreisen in das strahlende Monaco oder ins kriegsgezeichnete Mostar und – als Höhepunkt – die gesammelten Versprecher von Moderator René Häfliger. Als Bonus gibt es eine schöne Auswahl von Choreographien der FCB-Fans und das Making-Of der Intro-Szenen mit Regierungspräsident Guy Morin und mit Roger Federer. Leider, ohne dass sich die beiden persönlich zum FCB äussern. Hier wurde die Chance vergeben, den Protagonisten interessante Antworten zu entlocken. «Diese Szenen wurden nur für das DVD-Intro gedreht,» relativiert Filmmacher Michael Flume. Da die Spieler im Vordergrund stehen, hat Flume keine Interviews mit Federer und Morin geplant. Auch nicht mit Arthur Cohn, der im DVD-Intro Huggel und Co. seine Oscars zeigt.

Drehbuch für die Fortsetzung

Bleibt zu hoffen, dass bis zur Fortsetzung zum neuen FCB-Film nicht mehr acht Jahre vergehen wie zwischen dem FCB-DOK-Film «Dr Topf im Kopf» (2002) und der Flume-DVD «Die Welt des FCB». Dazu muss nun aber der FC Basel im Jahr 2011 zuerst ein spannendes, emotionales Drehbuch schreiben.

Haben Sie den neuen FCB-Film schon gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Hinterlassen Sie ihren Kommentar in der untenstehenden Box. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.12.2010, 12:06 Uhr

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5 Kommentare

Anja Hame

15.12.2010, 13:00 Uhr
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Am nächsten an der Mannschaft und Umfeld dran war der Film "Dr Topf im Kopf" am emotionalsten immer noch "Der FC Basel in der Königsklasse" Ich hätte es spannender gefunden, hätte sich die erste Mannschaft z.B. untereinander interviewt. Gewisse Sequenzen nett umgesetzt, gewisse nicht, für den Preis einfach zuwenig was rüberkommt. Aber wohl keine Gefahr zum Voranschreiten für den Weltfrieden ;-) Antworten


Oli Bretscher

15.12.2010, 13:47 Uhr
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Wer den Trailer gesehen hat, hat das Beste gesehen. Man erwartet dann mehr von der DVD und wird enttäuscht. Die Teile über die erste Mannschaft sind leider zu kurz geraten. Die Kabinenszene vor dem Match wirkt sehr gestellt. Wirklich neues erfährt man nur über die Junioren und Frauenteams. Ich bin da mal gespannt auf den YB FIlm, der bald auch in BS im Kino kommt. Happyend garantiert :-) Antworten



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EndeSpanien - Serbien2:0
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Stand: 26.05.2012 17:02
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Stand: 25.05.2012 14:45
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Stand: 25.05.2012 09:25
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Roland Garros
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28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
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