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Sepp Blatter, der Retter Afrikas
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 25.01.2010 13 Kommentare
Afrika-Fan: Josef S. Blatter anlässlich der WM-Auslosung in Kapstadt. (Bild: Reuters)
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Fifa-Präsident Sepp Blatter gefällt sich in der Rolle des Mannes, der mit Hilfe des Fussballs die Welt verbessert. Er kokettierte gar schon einmal damit, dass er den Friedensnobelpreis nicht ablehnen würde. Eine gewisse Eitelkeit kann man dem Walliser bestimmt nicht absprechen.
Zuletzt gewährte der 73-Jährige dem «SonntagsBlick» einen Einblick in sein Reich am Waldrand beim Zürcher Zoo, den 240 Millionen Franken teuren Prunkbau und Hauptsitz des internationalen Fussball-Verbandes, genannt «Home of Fifa».
«Eine Garageneinfahrt wie die Rampe zum Ärmelkanal-Tunnel, dann tritt man ein ins Reich des globalen Fussballs – erlesenste Materialien, Eleganz in Schiefer, Stahl und Glas, vorbei an den gestylten Büros der engsten Mitarbeiterinnen im Präsidialflügel», schrieb der «SonntagsBlick» in seiner Einleitung zum Interview mit Blatter. «Gross wie die Welt, aber gemütlich warm wie ein Wohnzimmer. Sepp Blatter ist ein Herzensmensch.» Und das Bild, auf dem der Fussball-Papst in die Kamera lächelt, zeigt uns ein mondänes Büro getreu dem Motto «Man gönnt sich ja sonst nichts».
«Man hat Afrika praktisch alles weggenommen»
Die Worte des Fifa-Bosses versuchen dann aber ein anderes Bild zu zeichnen. «Vor drei Jahren fragte mich der Sänger Bono in Davos, weshalb ich mich Afrika so verbunden fühle», erzählt Blatter «SonntagsBlick»-Chefredaktor Hannes Britschgi und dem neuen Sportchef Ilja Kaenzig. «Ich sagte ihm: ‹Aus Gerechtigkeit!› Man hat Afrika praktisch alles weggenommen. So war es in der Kolonialzeit und jetzt ist es wieder so im Fussball. Man nimmt ihnen die besten Fussballer, ohne etwas zurückzugeben.»
Joseph S. Blatter, der sich gerne als Retter des schwarzen Kontinents sieht, erhebt die Gerechtigkeit in Afrika in seinem Palast in Zürich zur Herzensangelegenheit. «Es begann mit einem Entwicklungsprogramm für Afrika. Im Februar 1976 leitete ich einen ersten Kurs und merkte gleich: Football is more than kicking a ball. Die Afrikaner sagten mir: ‹Wir wollen keinen europäischen Fussball!›», so Blatter. «Da zeigte ich ihnen mein spezifisches Entwicklungsprogramm, das heute noch gilt. Es setzt auf die Eigenart der verschiedenen Länder und Kontinente. Also auch auf afrikanischen Fussball in Afrika.»
«Habe beschlossen, dass wir den Afrikanern mal etwas zurückgeben»
Für die kritische Frage, ob es nicht die Stimmen der afrikanischen Verbände waren und sind, die ihn so afrikafreundlich machten, hat Blatter kein Verständnis. «So ein Blödsinn!», entgegnet er vehement. Und der Zeitung «Sonntag» schleudert er ebenfalls entgegen: «Blödsinn. Der afrikanische Kontinent hat dem Fussball so viel gegeben und nichts zurückbekommen. Afrika wurde geplündert. Wir haben ihnen die besten Spieler weggenommen. Und jetzt habe ich beschlossen, dass wir den Afrikanern mal etwas zurückgeben: die Weltmeisterschaft.»
Auch für Sicherheitsbedenken im Hinblick auf die WM im Sommer hat Blatter wenig Musikgehör. «Offenbar haben gewisse Leute ein Interesse daran, Südafrika schlechtzumachen. Viele haben nicht verkraftet, dass Südafrika die WM bekommen hat und nicht ein traditionelles Fussballland wie zum Beispiel Italien, Spanien, Deutschland oder England», polterte Blatter im «Sonntag». «Dabei ist es absolut richtig, die WM auch mal nach Afrika zu vergeben. Das ist eine Chance für diesen Kontinent. Und Südafrika wird uns garantiert eine einzigartige WM bescheren.»
«Das Thema Ticketing werden wir nochmals analysieren»
Immerhin hat Blatter zur Kenntnis genommen, dass Südafrika noch keine magnetische Wirkung auf die Fussballfans zeigt. «Im Moment ist die Nachfrage etwas flau, das stimmt. Das Thema Ticketing werden wir allerdings nochmals analysieren. Ich bin überzeugt, dass am Schluss alle 3,4 Millionen Tickets verkauft und alle Plätze besetzt sein werden», sagte er gegenüber dem «SonntagsBlick».
Jene Kritiker, die eine WM in Afrika grundsätzlich für wenig sinnvoll und scheinheilig halten, wird Blatter auch mit seinem Charme und seiner Begeisterungsfähigkeit nicht zum Verstummen bringen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2010, 16:00 Uhr
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13 Kommentare
gehöre nicht zu den südafrika-kritikern--aber eines soll mir blatter oder die organisatoren mal erklären---die infrastruktur (ausser den stadien), besonders bahnen etc sind schlichtweg für diesen anlass nicht geeignet--und was macht man um den verkehr zu minimieren? die mannschaften spielen jedes ihrer 3 vorrundenspiele an einem andern ort (CH zb durban, port elizabeth und bloemfontein) Antworten
Soll doch jemand dem Blatter erklären, dass es auch noch eine andere Welt als diejenige des Fussballs gibt. Und ganz speziell in Afrika. Unbestritten ist, dass Afrika früher ausgebeutet wurde. Heute wird es duch zweckentfremdete Entwicklungspolitik zerstört. Mit Hilfe des gutmenschlichen Blödsinn von Blatter und seiner Fifa. Antworten



