Sport

«Shaqiri wird bei den Trikotverkäufen unter die Top 5 kommen»

Interview: Sebastian Rieder. Aktualisiert am 24.08.2012

Xherdan Shaqiri ist bei den Bayern noch vor dem Saisonstart zum Medienstar aufgestiegen. Jürgen Schmieder, Journalist der «Süddeutschen Zeitung», erklärt, wo für den Schweizer die grössten Gefahren lauern.

1/5 Shaqiri im Fokus
Nach dem starken Aufritt von Xherdan Shaqiri im Pokalspiel gegen Jahn Regensburg (4:0) sieht die Onlineausgabe von «Focus» die Schweizer Neuverpflichtung als grosse Konkurrenz für Arjen Robben und Franck Ribéry.

   

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Jürgen Schmieder, Jahrgang 1979, ist Redakteur für «suedddeutsche.de» und Reporter für die «Süddeutsche Zeitung». Er schreibt über Sport und ist Autor amüsanter Kolumnen, wie «Mein Bauch gehört mir» oder der Bestseller «Du sollst nicht lügen!».

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In den deutschen Medien ist Shaqiri das grosse Thema, was macht ihn für die Presse so interessant?
Er spielt spektakulär, er hat viel Zug nach vorne und ist nicht auf Sicherheit bedacht. Der junge Hüpfer wirbelt auf dem Feld alles durcheinander. Er ist die Entdeckung des Sommers. Nach dem Pokalspiel am Montag gegen Regensburg haben 8 von 10 Zeitungen gross über ihn berichtet.

Wird Shaqiri in Deutschland als Schweizer oder Kosovare verkauft?
Als Schweizer, ganz klar. Er war ja schon beim FC Basel ganz wirblig unterwegs, das ist auch in Deutschland aufgefallen. Bei uns ist er jetzt der junge Hüpfer aus Basel, das Jahrhunderttalent aus der Schweiz.

Vom neuen Lionel Messi war auch schon die Rede.
Mit so einem Vergleich wäre ich vorsichtig. Messi ist Weltfussballer, aber wer sich bei einem Champions-League-Finalist wie Bayern München mit Stars wie Ribéry und Robben messen kann und denen sogar den Stammplatz streitig macht, der hat schon viel erreicht. Und er ist ja erst 20.

Und offenbar schon Publikumsliebling.
Ja, und wie! Er kommt bei den Leuten extrem gut an. Für die Fans ist er der kleine knuffige Dribbler und auch die weiblichen Zaungäste haben ihre Freude. Als ihn meine Frau am TV sah, sagte sie gleich: Oh Gott, ist der süss.

Was macht ihn so sympathisch?
Er ist frech auf dem Platz, spielt richtig gut Fussball und ist trotz seiner forschen Gangart relativ bescheiden. Er spuckt keine grossen Töne, er fordert nichts ein, ist nicht arrogant. Diese Mischung kommt beim Bayern-Vorstand natürlich gut an. Und die freuen sich natürlich, wenn Franck Ribéry und Arjen Robben gefordert werden.

Wie sehen Sie das Duell mit den Konkurrenten Ribéry und Robben?
Ribéry und Robben sind natürlich beides Platzhirsche. Die lassen sich nicht so schnell verdrängen. Aber Shaqiri wird seine Chance bekommen. Wenn es so läuft wie in der letzten Saison, wird er oft einspringen können. Einer der beiden ist ja immer verletzt oder gesperrt, Ribéry und Robben hat man praktisch nie zusammen auf dem Feld gesehen.

Im Moment scheint zwischen den Dreien noch alles harmonisch, wann kommt es zum ersten Knatsch?
Wenn alle fit sind und einer nicht spielen darf, wirds ungemütlich. Ribéry und Robben sind gerne die Stars, und wenn jetzt mit Shaqiri ein Neuer kommt, kann das schon Ärger geben. Vor allem wenn Robben für Shaqiri auf die Bank muss, dann ist die Hölle los.

Ein Nachteil für Shaqiri?
Gut möglich, dass Shaqiri in dieser Hinsicht zu nett ist und das einfach schluckt, wenn er nicht spielen darf. Für den Trainer ist das natürlich bequemer, wenn einer keinen Stunk macht, vielleicht spielt das unbewusst auch eine Rolle.

Was ist, wenn Jupp Heynckes tatsächlich einmal alle drei aufs Feld schickt?
Dann hat er eine explosive Mischung von höchster Qualität, das Mittelfeld wäre nicht mehr auszurechnen, allerdings hätte in dieser Aufstellung Thomas Müller im Zentrum das Nachsehen.

Shaqiri könnte auch als Aussenverteidiger spielen.
Das glaube ich eher nicht. Dafür ist er mir zu offensiv ausgerichtet.

Hat er das Potenzial zur fixen Grösse bei den Bayern?
Definitiv. Was er fussballerisch drauf hat, ist einfach sensationell. Er ist körperlich in Schuss, und er hat auf den ersten Blick keine Schwächen. Vielleicht könnte er noch abgezockter werden. Aber wenn er so weitermacht, hält ihm jeder Verein der Welt die Tür auf.

Wann wird der kleine Shaqiri auch im Merchandising des FC Bayern ein Grosser?
Die Bayern halten sich da eher zurück. Es werden keine Helden vermarket. Vieles läuft klassisch über den Trikotverkauf und da denke ich, wird man Shaqiri sicherlich auf der Bestsellerliste unter den Top 5 wiederfinden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2012, 13:32 Uhr

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