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Spurs-Fan: «Ich mache mir eher Sorgen wegen den Schweizer Fans»
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Fant für Tottenham: Daniel Graf (34) im Dress seiner Lieblinge. (Bild: zvg)
Zur Person
Der 34-jährige Daniel Graf ist schweizerisch-britischer Doppelbürger und hat seine Schulzeit in England verbracht.
Er ist seit seiner Kindheit Spurs-Fan und in der Region Tottenham verwurzelt.
Graf präsidiert den Swiss Spurs Supporters Club mit Sitz in Binningen.
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In Sachen Fussball hört man aus England vor allem von Liverpool, Manchester United, Arsenal, Chelsea und neu auch von Manchester City. Wie kommt man als Schweizer dazu, für die Spurs zu fanen?
Daniel Graf: Meine Mutter kommt aus Nordlondon. Ich bin in Tottenham zur Schule gegangen und dort aufgewachsen. Mein Vater (Schweizer) war ein grosser Tottenham-Fan und hat mich als Junge an mein erstes Spurs-Spiel an die White Hart Lane (Stadion der Spurs, A. d. R.) begleitet. Seither bin ich in die «Lilywhites» verliebt. Als neutraler Fussballfan wird man an der White Hart Lane sofort durch die Ehrlichkeit und die Passion der Spurs-Fans angesteckt.
Was macht die Faszination Spurs denn aus?
Die Spurs versuchen, untypisch für eine englische Mannschaft, attraktiven Passfussball zu spielen. Zudem gehören die Spurs zu den traditionsreichsten Vereinen in Grossbritannien. Die ehrlichen Fans fiebern mit Herz und Seele mit und leiden dabei auch unglaublich viel. Es sind keine Modefans...
Wie viele Mitglieder hat der Schweizer Ableger des Fanclubs und woher stammen die Mitglieder?
Zurzeit befinden sich knapp 40 Personen auf der Mitgliederliste. Weitere sind mit unserem Fanclub stark verbunden und stehen in Kontakt mit uns. Es ist eine ausgeglichene Mischung aus Engländern und Schweizern. Beinahe alle wohnen in der Schweiz, nur einer ist im grenznahen Frankreich wohnhaft.
Wie zelebriert der Club das Tottenham-Fan-Dasein? Reisen die Mitglieder auch ab und zu an Spiele in England?
Wenn die Spiele im Fernsehen übertragen werden, treffen wir uns spontan in einem englischen Pub. Je nach Wohnort des Mitglieds kann dies beispielsweise in Basel, Zürich, Zug oder Genf sein. Zudem organisieren wir pro Saison mindestens eine Matchreise nach London. Einige gehen auch mehrmals pro Saison individuell an ein Spiel. Ich persönlich gehe vier- bis sechsmal pro Jahr an die White Hart Lane.
Wie viele von euch werden am Dienstag am Spiel sein?
Wir werden mit 30 Mitgliedern vertreten sein.
Haben auch Engländer Kontakt zum Schweizer Fanclub aufgenommen? Mit wie vielen englischen Fans rechnen Sie?
Wir wurden aus England mehrfach um Tickets angefragt. Auch über mögliche Treffpunkte, Flug- und Bahnverbindungen erkundigten sich die Engländer. Die 1600 Karten, welche nach London freigegeben wurden, sind weg. Wir rechnen mit weiteren 1000–1500 englischen Fans, die ein Ticket via Vorverkauf ergattert haben.
Auf welche Tottenham-Spieler müssen die Young Boys vor allem Acht geben?
Ganz gefährlich wird es über die Flügel. Lennons Geschwindigkeit auf rechts und Bales Vorstösse auf links werden für viel Wirbel in der Berner Abwehr sorgen. Mit Modric im Mittelfeld steht ein weiterer weltklasse Spieler auf dem Platz. Die ganze Mannschaft ist mit zahlreichen Internationalen bestückt. Alleine im WM-Kader von England befanden sich sieben Tottenham-Spieler.
Wie ist das Verhalten der Tottenham-Fans üblicherweise? Sind Ausschreitungen zu befürchten?
Die Spurs sind bekannt für ihren grossen Auswärtsanhang. Es wird eine tolle englische Stimmung in Bern herrschen. Ich mache mir mittlerweile eher Sorgen über das Verhalten der Fans in der Schweizer Super League. Ich besuche seit Jahren regelmässig, ohne Bedenken, Premier-League-Spiele. Bei Spielen in der Schweiz mit den Topmannschaften Basel, Zürich und YB kommt es jedoch regelmässig zu sinnlosen Ausschreitungen.
Ist die Gefahr da, dass die Berner unterschätzt werden?
Auf dem Papier ist Tottenham klarer Favorit. Für uns ist ein Weiterkommen in die Gruppenphase der Champions League gegen YB Pflicht. Ich denke nicht, dass die Berner unterschätzt werden. Wir respektieren sie, aber alles andere als ein Weiterkommen wäre eine grosse Enttäuschung.
Was schreiben die englischen Medien über das Spiel?
Tottenham ist klarer Favorit und hat das einfachste Los erhalten. Da die Engländer wenig bis gar nichts über YB oder den Schweizer Fussball wissen, halten sich die Medien (noch) zurück. Aber ganz klar ist: Kommen die Spurs nicht weiter, gibt es von den Medien mächtig aufs Dach.
Hat YB überhaupt eine Chance?
Ich denke, dass YB zwei perfekte Spiele abliefern muss. Der Kunstrasen kann für die Berner von Vorteil sein, da die Engländer nicht gewohnt sind, darauf zu spielen. Die Young Boys sind heimstark und kommen mit dem Kunstrasen bestens zurecht. Wenn YB zu Hause mit 2:0 gewinnen kann, dann stehen die Chancen gut.
Das Interview wurde schriftlich geführt (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.08.2010, 08:39 Uhr


