Sport
Stadion-Debatte: Die Demokratie wird mit Füssen getreten
Von Erich Vogel. Aktualisiert am 10.01.2011 73 Kommentare
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Eine der vornehmsten Aufgaben des Staates ist die Förderung der Kultur. Theater, Oper, Musik, Film, Tanz und gestalterische Künste gehören dazu. Es gehört aber auch zur absoluten Pflicht der Politik, den Spitzen- und Breitensport zu unterstützen.
Die Kultur profitiert in zweierlei Hinsicht vom Staat. Erstens werden die Kulturstätten wie Opern- und Schauspielhaus, Tonhalle und Kunsthaus den entsprechenden Kulturschaffenden gratis zur Verfügung gestellt. Zweitens erhalten diese Kulturinstitute Subventionen von Dutzenden von Millionen Franken. Das erlaubt den Verantwortlichen, die besten Intendanten, Regisseure, Dirigenten, Musiker, Schauspieler, Sänger und Tänzer zu engagieren und deren Gehälter zu bezahlen. Oder eine phantastische Picasso-Ausstellung im Kunsthaus zu organisieren. Ohne diese beträchtlichen finanziellen Mittel könnte keines der Kulturinstitute überleben. Der Kanton und die Stadt Zürich nehmen ihre Verantwortung in vorbildlicher Weise wahr. Mehrere dieser Institute vertreten Zürich in der kulturellen Champions League. Zuschauer, Zuhörer und Besucher wissen dies zu schätzen!
Die Stadt hat versagt
Zürich als grösste und wirtschaftlich potenteste Stadt bringt es aber nicht fertig, ein würdiges Fussballstadion zu bauen. Obwohl der Souverän ein solches in einer Volksabstimmung schon vor Jahren verlangt hat. Da wird die Demokratie mit Füssen getreten. Da hat die Stadt Zürich versagt. Da müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Im Unterschied zur Kultur bezahlt jeder Fussballklub selbstverständlich seine Akteure, also Trainer und Spieler selber. Die Clubdirigenten müssen ihre Budgets über Mäzene, Investoren, Zuschauer und TV-Geldern finanzieren. Das ist zwar ein zweiter gravierender Nachteil gegenüber der Kultur – aber er ist gerechtfertigt!
GC und der FCZ verlangen, dass sie keine Mieten mehr für den völlig ungeeigneten Letzigrund und die enormen Kosten für die Polizeieinsätze bezahlen müssen. Das finde ich rechtens. Der Stadionunterhalt und die Sicherheitskosten ausserhalb der Stadien müssen vom Staat übernommen werden. Das ist ein Gebot der Fairness zugunsten des Spitzensports.
Kein Einfluss auf Minderheit der Krawallbrüder
Wenn Chaoten der linken Politszene an 1. Mai-Feiern oder an Anti-WEF-Demonstrationen in Aktion treten, so muss der Staat mit einem riesigen Polizeiaufgebot den Schaden so gut wie möglich in Grenzen halten. Trotzdem gelingt es diesen Krawallbrüdern immer wieder, Schäden von Hunderttausenden von Franken zu verursachen. Wenn der Staat nun versuchen würde, diese Kosten und Schäden den Linksparteien und Grünen zu überbürden, würden sich diese mit aller Macht und zu Recht dagegen zur Wehr setzen. Die Parteien würden argumentieren, dass sie keinen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft von Sympathisanten aus ihrem weiteren Umfeld hätten.
Genau derselben Problematik sind die Fussballklubs ausgesetzt. Innerhalb der Stadien haben sie mit Ausnahme der Pyros ihre Fans im Griff. Ausserhalb der Stadien haben sie kaum Einfluss auf die ganz kleine Minderheit von Krawallbrüdern. Wer die Szene seit Jahrzehnten aus Berufsgründen verfolgt, wird dieser Argumentation nicht widersprechen. Daher sind die Anliegen von GC und dem FCZ legitim.
Die Vorbehalte gegenüber dem Spitzensport müssen fallen
Der Fussball weckt in der Schweiz sehr grosses Interesse. Zwei Millionen Zuschauer pilgern jährlich in die Fussballstadien der Super League Clubs. Entscheidende Spiele der Nationalelf oder der Clubs in der Champions League sind meist ausverkauft und werden nicht selten von mehr als einer Million Fernsehzuschauern verfolgt. Dieses gewaltige Interesse würde es schon rechtfertigen, dass der Staat die Rahmenbedingungen für die Fussballklubs verbessern würde. Wenn man dann noch zusätzlich die Vorbildwirkung solcher Ereignisse in Betracht zieht, dann müssten doch die letzten Vorbehalte gegenüber dem Spitzensport fallen.
Unzählige Studien haben aufgezeigt, dass Erfolge im Spitzensport sehr oft auf eine positive Resonanz bei den Jugendlichen stösst. Tausende melden sich bei den jeweils im Fokus stehenden Sportvereinen an und versuchen ihren Idolen nachzueifern. Doch zunehmend können diese Jugendlichen nicht mehr aufgenommen werden. Wegen Mangels an Sporthallen, Trainings- und Spielplätzen sind viele Vereine gezwungen, lange Wartefristen für die Aufnahme von Mädchen und Knaben in ihren Verein einzuführen. Tausenden von Jugendlichen verwehrt man damit die Ausübung ihres Lieblingssportes. Man setzt sie lieber bedenkenlos den Versuchungen der Strasse und den Verlockungen des Internets aus. Als ob es keine Drogenprobleme mehr gäbe und die Jugendgewalt am abflauen wäre! Der Sport hat hier doch eine ganz wichtige präventive Mission zu erfüllen.
Diese Politiker müssen abgewählt werden
Die Politik weiss sehr wohl Bescheid über die grosse Problematik der Bewegungsarmut und der damit zusammenhängenden Probleme von Übergewichtigkeit vieler Jugendlicher. Fachleute machen schon lange darauf aufmerksam, dass eine Zeitbombe unaufhörlich ticke und in Zukunft die Wirtschaft und der Staat für Milliarden von zusätzlichen Sozialleistungen aufkommen müssten. Doch das Überlassen die heutigen Politiker nur allzu gern der nächsten Generation.
Wenn der Staat tatsächlich ein Interesse daran hat, dass in Zukunft nicht nur das Opernhaus, die Tonhalle und das Schauspielhaus die Stadt Zürich in der kulturellen Champions League vertreten, sondern von Zeit zu Zeit auch der FCZ und GC, so muss er trotz grossem Spardruck diesen Vereinen gegenüber wesentlich grosszügiger sein.
Politiker, welche nicht bereit sind, den Spitzen- und Breitensport zu unterstützen, sind an einer gesunden Entwicklung unserer Gesellschaft nicht wirklich interessiert. Daher müssen sie so schnell als möglich abgewählt werden! (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.01.2011, 14:27 Uhr
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73 Kommentare
Ich gratuliere Erich Vogel zu diesem ausgezeichnetem Kommentar, der nicht daneben sondern voll ins Schwarze trifft !! @Guido Graf: GC hat bei der Affäre Eckel nicht einen einzigen Franken verloren, auf keine seiner Forderungen wurde eingegangen. Und jemandem zuhören, der Geld verspricht, ist grundsätzlich nicht falsch. Das ganze wurde einzig masslos aufgebauscht vom Ringier Verlag, nothing more Antworten
Herr Vogel kann nicht Rechnen. Die Gemeinden und Städte unterhalten 10'000 von Fussballplätze praktisch gratis und dort lernen die Kinder den Fussball. In den grossen Stadien machen aber Leute wie Vogel die grosse Kohle ! Spielerhändler und Vermittler und die Berater. Alle lassen ihre Gladiatoren im "Gratis" Stadion laufen und verkaufen dann an den Meistbietenden. Man müsste die Mieten erhöhen ! Antworten


