Thorsten Fink? Timm Klose? Valentin Stocker?

Am 16. März stellt Bernhard Burgener sein FCB-Konzept vor – ein paar Gedanken, die darüber hinausgehen.

Siegertyp in Jubelpose. Ex-FCB-Meistertrainer Thorsten Fink hat bei Austria Wien eine Ausstiegsklausel

Siegertyp in Jubelpose. Ex-FCB-Meistertrainer Thorsten Fink hat bei Austria Wien eine Ausstiegsklausel Bild: Marcus Brandt/Keystone

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Die Kostüme hängen an der frischen Luft, die Larven sind wieder im Schrank. Die Fasnacht 2017, die traditionsgemäss die eine oder andere Führungskraft beim FC Basel in ihren Bann zieht, ist Geschichte. Der Blick geht wieder nach vorne, und da steht ein Datum in der Agenda, dem viele Club-Protagonisten gespannt entgegenblicken.

Am nächsten Donnerstag, 16. März, wird der designierte Präsident ­Bernhard Burgener (59) sein vollständiges Konzept zur Übernahme des FC Basel vorstellen. Zuhörer am Tisch ist ein Gremium mit Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Wirtschaft: Der Basler Architekt Jacques Herzog ist ebenso eingeladen wie beispielsweise Leopold Wyss (Novartis), Barbara Bigler (FCB) oder Daniel Schreier, ein Fan-Vertreter.

Einer der Punkte, die Burgener näher erläutern wird, ist die neue Zusammensetzung der Verwaltungsräte der FCB-Holding sowie der AG. Unter der bisherigen Leitung von ­Bernhard Heusler (53) war diese identisch, Burgener hat offenbar andere Pläne: In der Holding dürften – mit Ausnahme des neuen Besitzers – nicht die gleichen Personen sitzen wie in der FC Basel 1893 AG. Das verteilt die Aufgaben auf mehrere Schultern, splittet die Verantwortung – und macht damit einzelne Köpfe austauschbarer.

Eine Formalie mit Fischer

Für die breite Fan-Gemeinde sind diese Pläne mässig interessant. Sie beschäftigt vor allem zwei Fragen: Mit welchem Trainer steigt Burgener und seine neue Crew in die Saison 2017/2018 – und wie stark wird sich das Gesicht der Mannschaft ändern?

Da der aktuelle Coach Urs Fischer mit grösster Wahrscheinlichkeit den Meistertitel ein weiteres Mal nach Basel holen wird, verlängert sich der Vertrag des 51-jährigen Zürchers bis 2018. Doch das ist nur eine Formalie. In Burgeners Plänen spielt Marco Streller als neuer Sportdirektor die Hauptrolle. Der Ex-Captain wird im Tagesgeschäft von Alex Frei (Trainer U15) und Nachwuchs­chef Massimo Ceccaroni beraten. Dieses Trio wird im Verbund mit ­Burgener darüber richten, ob Fischer bleibt.

Steht die Tendenz auf Wechsel, ist allerdings auch das Szenario denkbar, dass Fischer die Zeichen der Zeit erkennt und dem Neuanfang auf allen Ebenen nicht im Wege stehen will. Mit einer schönen Abfindung für das letzte Vertragsjahr in der Tasche, würden bestimmt alle Parteien die richtigen Worte finden, damit sie auch in der Öffentlichkeit ihr Gesicht wahren können. Was ja immer ganz wichtig ist.

Eine Klausel in Wien

Streben Streller & Co eine neue Trainer-Lösung an, die im Sinne des Volkes sein soll, werden ihre Spuren nach Wien führen. Dort trainiert ein alter Bekannter die Austria: Thorsten Fink (49). Der Dortmunder hat zwischen 2009 und 2011 im St.-Jakob-Park jenes Feuer entfacht, das später zu einem Flächenbrand der Begeisterung wurde. Fink hat in Wien noch einen Vertrag bis 2019, doch die BaZ weiss: Eine Ausstiegsklausel fürs Ausland macht es dem Dortmunder möglich, im Sommer nach Basel zu kommen.

Bis heute unterhält Fink beste Kontakte mit Heusler und Noch-Sportdirektor Georg Heitz. Selten war eine Beziehung zwischen Trainer und Club enger als unter jenem Mann, der im Oktober 2011 seine Chance in der Bundesliga beim Hamburger SV sah. Selbst der schnelle Abschied wurde von der alten Führungscrew noch ausgiebig in Basel begossen, bis draussen die Vögel pfiffen. Man schwor sich ewige Liebe. Thorsten Fink würde in Basel wieder jene Begeisterung wecken, die dem Serienmeister in den letzten Monaten etwas ab­­han­den­gekommen ist.

Zwei andere, kleinere Lösungen wären Markus Babbel und Raphaël Wicky. Erstgenannter macht einen zuverlässigen Job in Luzern, mit Patrick Rahmen brächte er gleich einen Assistenten mit rotblauem Anstrich mit.

Strellers Zuneigung zu seinem ehemaligen Teamkollegen beim VfB Stuttgart ist bekannt. Mit Babbel wäre der Wow-Effekt jedoch deutlich geringer als mit Fink. Hoch im Kurs der neuen sportlichen Führung steht auch Raphaël Wicky, aktuell der Trainer der eigenen U21. Die Frage dort: Muss der Walliser Ex-Nationalspieler zuerst noch Wanderjahre in der Challenge- oder Super-­League hinter sich bringen, um in die monströsen FCB-Cheftrainer-Schuhe schlüpfen zu können? Und will er sich dem grossen Druck gleich bei der Nummer eins des Landes hingeben?

Ein Handicap in Norwich

Wie der Trainer ab Juni auch heis­sen mag: Er wird eine Mannschaft übernehmen, in der mehr Leidenschaft und vermutlich auch mehr rotblaue DNA stecken soll. Für die Innenverteidigung bietet sich Timm Klose an. Der 28-jährige Vollblut-Basler ist in der englischen Provinz Norwich nur teilweise glücklich. Das Handicap ist sein Preis: Rund 12 Millionen Franken hat der Zweit­ligist für Klose im Januar 2016 hingeblättert, eine ungeheure Summe. «Ich möchte für den FCB nicht zu teuer sein, falls es dann mal so weit kommt», sagte Klose kürzlich der BaZ. Sein Berater Gaetano Giallanza lässt allerdings durch­blicken, dass es im Sommer trotzdem einen Weg geben könnte – wenn alle Parteien nur wollen.

Klose wird im Mai 29 Jahre alt. Viele Jahre auf Profistufe bleiben ihm nicht mehr. Bekennt er sich zum FCB, muss er finanzielle Abstriche machen. Allein schon für die Kabine und die Aussendarstellung wäre der Innenverteidiger Gold wert. Klose ist ein kluger Kopf mit klarer Stimme, der Identifikation stiftet.

Befassen wird sich die neue sportliche Führung auch mit Valentin Stocker. «Ich hätte es mir im Sommer leicht machen und zum FCB zurückgehen können», sagte der 27-jährige Krienser im BaZ-Interview im August. Mittlerweile steht der Schweizer Nationalspieler in seinem dritten Vertragsjahr bei Hertha, doch richtig angekommen ist er in Berlin immer noch nicht. Die Stadt gefällt Stocker ausgezeichnet, doch der Fussball, der bei Coach Pal Dardai auf Defensive, Kampf und Speed ausgelegt ist, behagt ihm nicht.

Eine Leidenschaft in Berlin

Stocker ist ein Profi, bei dem der Wohlfühl-Faktor eine zentrale Rolle spielt – und nie war dieser ausgeprägter als in jenen Basler Tagen, in denen er gemeinsam mit Alex Frei und Marco Streller auf Torjagd ging. Für geschätzte drei Millionen Euro könnte der FCB den verlorenen Sohn zurückholen. Stocker bringt nicht so viel Basler Identität auf den Platz wie Timm Klose, aber sicher Leidenschaft und Qualität, die beim Publikum immer gut angekommen sind.

Bernhard Burgener wird sich gut auf den 16. März vorbereiten. Nicht vergessen darf man bei allen Gedankenspielen, dass die neue Crew bis zum 9. Juni juristisch handlungsunfähig ist. Erst dann wählt die ordentliche Generalversammlung den neuen Verwaltungsrat der FC Basel 1893 AG. Das heisst, dass bis dahin alle Geschäfte von der bestehenden Führung um Heusler und Heitz abgewickelt oder zumindest aufgegleist werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.03.2017, 11:48 Uhr

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