Sport

Thriller mit doppeltem Zuffi

Von Fabian Kern. Aktualisiert am 26.02.2016 63 Kommentare

Nach 90 Minuten schon ausgeschieden schafft der FC Basel in der Nachspielzeit mit dem 2:1 gegen Saint-Etienne die Auferstehung. Dank Doppeltorschütze Luca Zuffi und viel Einsatz.

1/13 Kann es nach einer solch solidarischen Leistung des FC Basel einen Man of the Match geben? Natürlich, Luca Zuffi!
Bild: Keystone

   

Wieder dieser Moustapha Sall. Der bullige Captain von AS Saint-Etienne war schon im Hinspiel ein steter Gefahrenherd gewesen und hatte das erste Tor erzielt. Im Rückspiel hatten die Basler Sall bei den Standardsituationen über weite Strecken im Griff – aber eben nicht über die ganze Spielzeit. In der 89. Minute kam ein Ball von der linken Seite in den Strafraum, Tomas Vaclik rutschte beim Herauslaufen aus und Sall bewies mit seinem Aussenrist-Lob für einmal eine feine Klinge. 1:1 – das Ausscheiden des FCB schien nach langem Kampf doch noch Tatsache zu werden. Doch dann, mit dem letzten Anrennen gelang die neuerliche Wende. Michael Lang wollte den Flankenball von Birkir Bjarnason eigentlich aufs Tor köpfeln, bediente aber perfekt Luca Zuffi, der mit rechts volley vollendete. Das Joggeli stand kopf.

Nicht nur die Schlussphase war nichts für schwache Nerven. Schon das ganze Spiel war ein Auf und Ab zweier Mannschaften auf Augenhöhe. Die Führung fiel – wie konnte es in dieser schweizerisch-französischen Begegnung auch anders sein – auf einen stehenden Ball. Zuffi zirkelte die Kugel aus rund 20 Metern über die Mauer in den rechten Winkel. Ein Traumtor zum richtigen Moment. Doch damit wurde der Rest des Rückspiels nicht zum Spaziergang. Im Gegenteil. «All die Leute, die meinen, dass es eine einfache Sache würde, wurden eines Besseren belehrt», sagte ein aufgewühlter Urs Fischer nach dem Schlusspfiff. Saint-Etienne zeigte seine Qualitäten, die physische Stärke, den Druck, das es entwickeln kann. Aber eben auch seine Schwächen, die Ineffizienz im Abschluss und die späten Gegentore. «Es ist uns gegen Marseille passiert, gegen Monaco und nun auch gegen Basel», meinte ein schwer enttäuschter Gäste-Trainer Christophe Galtier.

Zuffis Bescheidenheit

Die Intensität des Duells zeigte sich in den Zweikämpfen, die an der Grenze des Erlaubten ausgefochten wurden. Und manchmal darüber hinaus. Renato Steffen provozierte den eingewechselten Valentin Eysseric zu einer Tätlichkeit, welche diesem die Gelb-Rote Karte einbrachte. Doch nicht einmal das brachte dem FCB einen Vorteil. Nur eine Minute später musste auch Breel Embolo nach einer Ampelkarte vom Feld. Die Ausgeglichenheit war total, das Herzschlagfinale keine Überraschung. Aber die Dramatik war kaum zu überbieten. «Was für ein Spiel. Ich muss erst einmal realisieren, was gerade passiert ist», ringt Doppeltorschütze Zuffi um Worte. «Wir sind viel gelaufen, jeder hat für den anderen gekämpft. Ich persönlich gebe immer mein Bestes. Und heute mir ist das gut gelungen.»

Das kann man so sagen. Zuffis Tore bringen dem FC Basel nicht nur 750'000 Euro für die Achtelfinal-Qualifikation, sondern halten den FCB auch auf der «Road to Basel», erhalten den Traum vom Endspiel im eigenen Stadion am Leben. Doch so weit wollen die Basler noch nicht denken. Erst einmal freuen sie sich über den Erfolg und auf die Auslosung am Freitagmittag, der ihnen Gegner wie Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Manchester United, Liverpool, Tottenham Hotspur oder Sevilla einbringen könnte.

FC Basel - Saint-Etienne 2:1 (1:0)
20'976 Zuschauer. – SR Makkelie (Ho). – Tore: 15. Zuffi (Freistoss) 1:0. 90. Sall 1:1. 92. Zuffi (Lang) 2:1.
Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Samuel, Safari (72. Traoré); Xhaka, Zuffi; Embolo, Delgado (68. Steffen), Bjarnason; Janko.
Saint-Etienne: Ruffier; Théophile-Catherine, Sall, Pogba, Tabanou; Lemoine (75. Eysseric), Clément, Cohade; Monnet-Paquet, Bahebeck (55. Roux), Tannane (60. Hamouma).
Bemerkungen: Basel ohne Boëtius, Sporar (beide verletzt) und Aliji (nicht spielberechtigt). Saint-Etienne ohne Pajot (gesperrt), Perrin, Beric, Polomat, Clerc (alle verletzt) sowie Söderlund und Selnaes (beide nicht spielberechtigt). Gelb-Rote Karten: 83. Eysseric (Tätlichkeit gegen Steffen), 84. Embolo (Foul). Verwarnungen: 31. Tannane (Foul), 55. Embolo (Foul), 63. Théophile-Catherine (Unsportlichkeit), 83. Eysseric (Foul).
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.02.2016, 00:06 Uhr

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63 Kommentare

Christian Nauer

26.02.2016, 01:25 Uhr
Melden 284 Empfehlung 3

Dangge FC Basel. Grüsse aus Zürich. Antworten


P. Jenni

26.02.2016, 00:12 Uhr
Melden 198 Empfehlung 24

Ein Spiel wie in der Premier League. Kick + rush. Das war ungemein spannend für die Zuschauer, aber nicht für die Nerven. Ein Sieg des Willens gegen den 4. der französischen Liga. Nicht schlecht. Auch wenn Embolo und Janko weit unter ihren Möglichkeiten spielten. Embolo hatte keinen Einfluss aufs Spiel + Janko schiesst nur Tore, wenn man ihm den Ball im 16er auf den Kopf oder in die Füsse spielt. Antworten