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Torschlusspanik in Madrid

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 15.01.2016

Die Fifa verhängt eine einjährige Transfersperre gegen Real und Atlético - ab Sommer 2016. So bleiben nun plötzlich nur noch zwei Wochen fürs fiebrige Planen.

Unerwarteter Planwechsel: Zinédine Zidane und sein Präsident Florentino Pérez haben nur noch zwei Wochen Zeit für die Kaderplanung der nächsten anderthalb Jahre.

Unerwarteter Planwechsel: Zinédine Zidane und sein Präsident Florentino Pérez haben nur noch zwei Wochen Zeit für die Kaderplanung der nächsten anderthalb Jahre.
Bild: Keystone

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Primera Division

38. Runde

13.05.Valencia - San Sebastian0 : 1
14.05.Deportivo La Coruna - Real Madrid0 : 2
14.05.Granada - Barcelona0 : 3
14.05.Athletic Bilbao - Sevilla3 : 1
14.05.Atletico Madrid - Celta Vigo2 : 0
15.05.Malaga - Las Palmas4 : 1
15.05.Espanyol - Eibar4 : 2
15.05.Sporting Gijon - FC Villarreal2 : 0
15.05.Real Betis - Getafe2 : 1
15.05.Rayo Vallecano - Levante3 : 1
Stand: 15.05.2016 21:18

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Barcelona382945112:2991
2.Real Madrid382864110:3490
3.Atletico Madrid38284663:1888
4.FC Villarreal3818101044:3564
5.Athletic Bilbao381881258:4562
6.Celta Vigo381791251:5960
7.Sevilla3814101451:5052
8.Malaga3812121438:3548
9.San Sebastian381391645:4848
10.Real Betis3811121534:5245
11.Las Palmas381281845:5344
12.Valencia3811111646:4844
13.Espanyol381271940:7443
14.Eibar3811101749:6143
15.Deportivo La Coruna388181245:6142
16.Granada381091946:6939
17.Sporting Gijon381091940:6239
18.Rayo Vallecano389111852:7338
19.Getafe38992037:6736
20.Levante38882237:7032
Stand: 15.05.2016 21:18

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Spekuliert wurde schon lange, eigentlich schon seit Herbst 2014. Doch je mehr Zeit verstrich ohne Bescheid aus Zürich, desto leiser wurden die Sorgen. Nun aber hat die Disziplinarkommission der Fifa tatsächlich beschlossen, die beiden spanischen Grossvereine Real Madrid und Atlético Madrid mit einer einjährigen Transfersperre zu belegen, weil sie gegen das Reglement des Weltverbands für die Verpflichtung minderjähriger Spieler verstossen haben. Dieselbe Strafe ereilte den FC Barcelona erst vor Kurzem - für denselben Regelverstoss im Fall von etlichen Spielern unter anderem aus den USA, aus Frankreich und Südkorea.

Seit 2001 gilt nämlich, dass ein Spieler 18 Jahre alt sein muss, damit er von einem Profiklub verpflichtet werden kann. So soll dem Handel mit Kindern vorgebeugt werden. Ausnahmen sind vornehmlich in drei Fällen statthaft. Wenn der Transfer erstens innerhalb der Europäischen Union getätigt wird; dann sind schon Teenager ab 16 Jahren alt genug für ein Engagement. Wenn zweitens die Eltern des Fussballers von anderen Kontinenten mit ihrem Kind mitreisen und den Lebensunterhalt am neuen Ort auch ohne Geld des Vereins bestreiten können. Zulässig ist drittens auch, dass ein junger Fussballer im Ausland spielt, wenn er in der Nähe der Grenze lebt und höchstens 50 Kilometer zum Training pendeln muss.

Ein heute unzulässiger Perlenfund

So weit die Theorie. In der Praxis ist es so, dass manche Vereine bisher recht rücksichtslos alles daran setzten, um sehr junge Talente möglichst früh an sich zu binden. Als Vorbild gilt der Jahrhundertcoup Barças, das den nunmehr fünffachen Weltfussballer Lionel Messi aus Rosario in Argentinien damals schon mit 13 unter Vertrag nahm. Mehr noch als ein Coup: Es war ein Perlenfund. Heute wäre er unmöglich oder zumindest unzulässig.

Im Fall der «Königlichen» bezieht sich die Ermittlungsphase der Fifa auf die Jahre von 2005 bis 2014, bei den «Colchoneros» auf die Zeitspanne zwischen 2007 und 2014. Ausserdem müssen sie je eine Geldstrafe bezahlen: Atleti 822 500 Euro, Real 329 000 Euro.

Die beiden Vereine werden in Berufung gehen. Doch sollte die Fifa mit den Madrilenen ähnlich hart verfahren wie unlängst mit den Katalanen, dann dürfte der Protest wenig Erfolg zeitigen. Barça gilt gewissermassen als Blaupause dafür, was die beiden Vereine nun erwartet. Sie werden im Sommer 2016 sowie im Januar 2017 je keine neuen Spieler einschreiben dürfen. Die Betonung liegt da auf: einschreiben. Einkaufen dürfen sie nämlich schon, verkaufen auch. Barça erkaufte sich im vergangenen Sommer, als es unter Sperre stand, die Dienste zweier Spieler, des Türken Arda Turan und jene des katalanischen Aussenverteidigers Aleix Vidal. Die beiden durften auch mit der Mannschaft trainieren. Doch Pflichtspiele dürfen sie erst seit dem 6. Januar absolvieren, seit Ablauf der Sperre. Sie opferten also gewissermassen ein halbes Jahr ihrer Karriere. Freilich, ihren Lohn bezogen sie trotzdem.

Wie wird sich Real verhalten?

Geht man nun davon aus, dass Real und Atlético mit ihrem Rekurs scheitern werden, steht ihnen nur noch das Fenster des laufenden Wintermarkts offen, um ihre Kader für die anstehenden eineinhalb Saisons zu verstärken oder zu verändern - abgesehen von den Leihspielern, die sie jederzeit zurückholen dürfen. Für die Neuverpflichtung von Angestellten mit sofortiger Spielberechtigung bleibt also nur noch Zeit bis Ende Januar, zwei Wochen. Und das könnte diesen Mercato, der bislang ohne Sensationsmeldung dahingeplätschert ist, nun plötzlich ungemein dynamisieren.

Spannend wird vor allem sein, wie Real Madrid sich verhalten wird. Der Verein hat soeben den Trainer ausgewechselt. Und der Neue, Zinédine Zidane, könnte nun versucht sein, alle seine Vorstellungen schnell in eine Wunschliste zu packen und dem Präsidenten, Florentino Pérez, zu präsentieren. Gegenüber den Fans liesse sich jeder Entscheid mit der Not rechtfertigen, in die man über Nacht geraten sei. Selbst spektakuläre. Es öffnet sich nun also eine fiebrige Phase der Spekulationen. Man erinnert sich zum Beispiel daran, dass Real im vergangenen Sommer den Torwart David De Gea von Manchester United anstellen wollte. Das Unternehmen scheiterte nur, weil ein Fax einige Minuten zu spät übermittelt wurde. Versucht man es nun noch einmal?

BBC-Sturm könnte auseinanderbrechen

In den Fokus gerät auch Paul Pogba, der französische Jungstar in Diensten von Juventus Turin. In Spanien erzählt man sich, Real und Barça interessierten sich gleichermassen für den Mittelfeldspieler. Das könnte Pogbas Marktwert in neue Sphären treiben. Doch vielleicht bringt es Zidane fertig, Pérez zu einer Folie zu treiben, zu einer verrückten Grossinvestition in die Zukunft. Einige Aufmerksamkeit wird wahrscheinlich auch dem Mittelstürmer des FC Bayern, Robert Lewandowski, zuteil werden, für den sich Real Madrid schon seit geraumer Zeit interessiert - eigentlich schon seit jener denkwürdigen Nacht, als Lewandowksi im Trikot von Borussia Dortmund den «Blancos» vier Tore zufügte. In den spanischen Sportzeitungen wird sein Name regelmässig herumgereicht, zuweilen auch ohne leicht verständlichen Anlass. Und nun? Opfert Real womöglich seinen BBC-Sturm? Bricht es ein Stück raus? Wenn ja, eher Bale oder Benzema - oder am Ende gar Cristiano Ronaldo? Und wie würde sich dann Europas fussballerische Tektonik verschieben?

So viel Spannung steckt nun plötzlich im Markt. Wegen einer Sperre. Wegen Torschlusspanik in Madrid. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.01.2016, 07:43 Uhr

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