Sport
Vielversprechende Aussichten
Von David Wiederkehr. Aktualisiert am 12.10.2010
Artikel zum Thema
Es war keine Gala wie im Hinspiel, dafür der Nachweis, alles im Griff zu haben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schaffte es die U-21-Nationalmannschaft im Barrage-Rückspiel in Schweden mit einem 1:1 und dem beachtlichen Gesamtskore von 5:2 souverän an die EM 2011 in Dänemark. Es wird insgesamt die dritte Teilnahme sein und die erste seit 2004, und allein dies zeigt, wie viel es dafür braucht. Nur acht Teams nehmen daran teil. Das sind nur halb so viele wie an einer EM der A-Nationalmannschaften. Bei gleich vielen Qualifikanten wohlgemerkt. Die Schweiz hat sich gestern in Malmö in einen elitären Kreis gespielt.
Diese Leistung ist sehr hoch einzustufen – Länder wie Frankreich, Portugal und allen voran Titelverteidiger Deutschland hatten sogar die Barrage verpasst. Dabei wird auch dort viel investiert in die U-21 und den Nachwuchs allgemein, wahrscheinlich viel mehr als in der Schweiz. Denn: Im Laufe der vergangenen Jahren haben Erfolge auf Nachwuchsstufe und darum die Ausbildungsarbeit enorm an Stellenwert gewonnen; zum Beispiel stellt mittlerweile jeder Uefa-Verband eine U-21. Und wie hatte sich Deutschland gebrüstet, als vor zwei Jahren U-21, U-19 und U-17 gleichzeitig Europameister waren.
Trumpf und einzige Chance
Unterdessen beklagt sich dort Sportdirektor Matthias Sammer, die Ausbildung sei seither bereits wieder vernachlässigt worden. Prompt kam in dieser Qualifikation die Quittung. Ein Ausruhen auf den Lorbeeren gibt es in der Schweiz nicht. Peter Knäbel als Nachwuchschef setzt das Erbe von Hansruedi Hasler unnachgiebig fort, weil er weiss: Die Nachwuchsarbeit – gemeinsam mit den Klubs – ist der grosse Trumpf dieses kleinen Fussballlandes. Und letztlich seine einzige Chance. Auch im Frauenfussball zeigt das Konzept erste Erfolge.
Fünf Spieler, die noch U-21 spielen könnten, sind gegenwärtig von Ottmar Hitzfeld aufgeboten. Diese Quote ist hoch. Zumal es bei Torschütze Nassim Ben Khalifa, Jahrgang 1992, eine Frage der Zeit ist (oder der Einsätze bei Wolfsburg), bis er zu seinem zweiten Länderspiel kommt. Auch von Pajtim Kasami hat Hitzfeld schon gesprochen. Ben Khalifa und Kasami bilden die Vorhut der U-17-Weltmeister. Mit ihrem Werdegang sind sie Vorbilder vieler Junioren. Die Wirkung solcher Karrieren ist nicht zu unterschätzen. Jene einer Leistung wie der EM-Qualifikation sowieso nicht.
Warum nicht träumen?
Kann die Schweiz auch Europameister werden? Auf Stufe U-21 fehlt ihr ein Exploit – der Halbfinal am Turnier von 2002 im eigenen Land mit Spielern wie Alex Frei oder Ludovic Magnin stellt die Bestleistung dar. Das ist auch logisch: Während die Talente in anderen Ländern früh Profis werden, geniesst hierzulande das Erlernen eines Berufes immer noch Priorität. Kein Zufall, dass die Schweiz bei den unter 17-Jährigen zur europäischen Spitze zählt, sich dort aber nicht bis zur U-21 halten kann und im Ranking ins Mittelfeld abrutscht.
Trotzdem: Warum eigentlich nicht vom EM-Titel träumen? Am 4. Juni spielt das A-Nationalteam in London gegen England, sieben Tage später beginnt in Dänemark die U-21-EM. Es ist anzunehmen, dass Trainer Pierluigi Tami das bestmögliche Kader zusammenstellen kann. Ein Team mit Stocker, Shaqiri, Derdiyok, Affolter und Costanzo – davon darf man sich einiges versprechen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.10.2010, 22:17 Uhr


