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«Was wir herausgefunden haben, ist wirklich beunruhigend»

Von Thomas Schifferle und Peter M. Birrer. Aktualisiert am 28.03.2010 2 Kommentare

Sion-Präsident Christian Constantin prangert öffentlich Spieler an, will aber erst nächste Woche Beweise für seine Anschuldigungen vorlegen

Ein Kaffee zur Entspannung, während er mit seinen Aussagen für Aufregung sorgt: Christian Constantin ist seit 2003 Präsident des FC Sion

Sophie Stieger

Er ist der Verrückte aus dem Wallis, der Sonnenkönig, der Mass- und Furchtlose. Ein Don Quijote in eigener Sache.

Christian Constantin (53) besitzt in Martigny ein Architekturbüro. Seine Leidenschaft ist der Fussball, der FC Sion. Sein Antrieb ist eine Mischung aus Sturheit und Gerechtigkeitssinn, zumindest was er darunter versteht. Constantin pur heisst: Er kämpft bis zum Letzten und durch alle Instanzen, ohne Furcht vor Konsequenzen. Und das Erstaunliche: Er gewinnt eigentlich immer.

Seine liebsten Gegner waren bis vor einer Woche Verbandsfunktionäre, Schiedsrichter oder Trainer. Jetzt geht er in aller Öffentlichkeit auf die eigenen Spieler los. Geoffrey Serey Die verdächtigt er, in den Wettskandal verwickelt zu sein, Aleksandar Mitreski und Antonio Dos Santos hat er intern gesperrt, weil er ihnen vorhält, sich im Casino von Montreux vergnügt zu haben.

Christian Constantin, sind Sie ein guter Präsident?
Wenn ich gewinne, ja; wenn ich verliere, nein (lacht). Ich arbeite viel für den Klub, und in der Schweiz braucht es Mut, Präsident zu sein. Allein schon deshalb findet man nicht viele, die das machen wollen. Und Präsidenten, die nicht nur mutig sind, sondern auch noch eigenes Geld investieren, gibt es noch weniger.

Würden wir Serey Die, Aleksandar Mitreski und Antonio Dos Santos fragen, was für einen Präsidenten sie haben, welche Antwort bekämen wir?
Sie würden sagen, dass sie einen guten Präsidenten haben. Hören Sie, gerade die Affäre Serey Die ist von grösserer Tragweite, als man heute vermutet.

Das heisst?
Serey Die sollte vermeiden, sich zu offensiv zu äussern. Er macht sonst nur Dummheiten. Er ist wie ein Radfahrer, der dopt und trotzdem ständig behauptet, er sei unschuldig. Wenn die Untersuchung ergibt, dass der Spieler sich nichts zuschulden kommen liess, kann er reden.

Hoffen Sie, dass er unschuldig ist, sind aber sicher, dass er es nicht ist?
Natürlich hoffe ich, dass ihm die Unschuld nachgewiesen wird. Aber das wird schwierig.

Das ist ein happiger Vorwurf. Der Porsche Cayenne, den Serey Die neuerdings fährt, kann doch kein Überführungsgrund sein.
Nein, es ist viel mehr als das. Ich habe Hinweise, da läuft es mir kalt den Rücken runter. Letzte Woche noch hätte ich nicht daran zu denken gewagt.

Können Sie konkreter werden?
Noch nicht.

Täuscht also der Eindruck, dass es sich einzig um einen Ihrer berüchtigten Vorstösse handelt? Um nicht anderes als einen Fall Constantin?
Die Geschichte ist ganz einfach: Ich erhielt einen Anruf aus London von einem guten Bekannten am Mittwochnachmittag. Ein Typ sagte ihm: «Heute musst du auf auf einen Sieg von GC gegen Sion wetten.» Mein Informant dachte: In London auf GC - Sion setzen, was soll das? Ausgerechnet an dem Tag, an dem sich in London alles um Chelsea - Inter drehte. Am anderen Tag trafen sich die beiden wieder, der Typ sagte: «Hast du gesehen? Ich hatte Recht.» Mein Informant schaute sich die Bilder auf Youtube an und war nach dem Platzverweis gegen Serey Die überzeugt, dass dieser die rote Karte absichtlich provoziert hatte.

Glaubten Sie ihm?
Ich dachte: Merde! Ich erinnerte mich an den Match im Letzigrund. Wir übernahmen eigentlich das Spieldiktat, und dann passierte das in der 38. Minute mit Serey Die, der Toko ins Gesicht langte. Er bestrafte die eigene Mannschaft! Ich informierte die Bundesanwaltschaft, dass Merkwürdiges vorgefallen war. (Sie ist nun am Prüfen, ob sie dafür zuständig ist.) Ich musste handeln und lud letzten Sonntag zu einer Pressekonferenz ein.

Das machte dann auch Serey Die.
Es war sein Wunsch.

War es Ihr Befehl, dass er keine Fragen beantwortete?
Nein. Sein Berater empfahl ihm das. Das ist seine Sache. Und es ist auch seine Sache, dass er sagte, die Leute sollten ihm glauben und nicht Constantin. Aber gut . . . Danach erhielt ich plötzlich Anrufe, in denen mir glaubhaft versichert wurde, dass Serey Die überhaupt nicht die Wahrheit erzählte. Sie berichteten mir, wo sich der Spieler aufgehalten habe, was er gemacht habe. Ich erfuhr immer mehr und mehr und so viel, dass es mir wieder kalt den Rücken runter lief.

Trotzdem sah es nach einer Blossstellung von Serey Die aus.
Warten Sie das Ende der Geschichte ab!

Und wer glaubt, diese Geschichte sei nur typisch für Constantin, den Verrückten aus dem Wallis, der sein Image als MöchtegernSaubermann pflegen will...
...ja, der kann das sagen. Aber ich entgegne: Abwarten! Es gibt mittlerweile mehr als nur Indizien oder Verdächtigungen. Wir haben jetzt Beweise. Wir sind viel weiter als vor einer Woche. Und was wir herausgefunden haben, ist wirklich beunruhigend.

Haben Sie Indizien, dass auch andere Klubs betroffen sein könnten?
Die Vereine müssen extrem wachsam sein. Wir müssten sehr naiv sein zu glauben, dass so etwas nur beim FC Sion passieren kann. Ich glaube zu wissen, wer auch involviert sein könnte, wo sich eine Zelle der Wettmafia befinden könnte, aber ich mache das nicht öffentlich.

Sie haben die Lohnzahlung für Serey Die gestoppt...
...ja...

...ist das rechtlich überhaupt standhaft? Serey Die steht der Lohn gemäss Vertrag zu.
In 25 Spielen war er 9 Mal gesperrt. Die Sperren handelte er sich ein, weil er den Schiedsrichter beleidigte oder den Platzverweis aus anderen dummen Gründen provozierte. Dass er derzeit keinen Lohn erhält, hat mit dem aktuellen Fall nichts zu tun. Wenn ich Taxichauffeur bin, meinen Führerschein aber aus Dummheit abgeben muss und deshalb meinen Beruf nicht ausüben kann, erhalte ich vom Chef auch kein Geld.

Serey Dies Anwalt wehrt sich dezidiert gegen den Lohnstopp und die Vorwürfe.
Er kann machen, was er will. Sein Anwalt kann prozessieren. Wir haben auch unsere Anwälte.

Wie viel verdient Serey Die?
Oh, ich habe kein Zahlengedächtnis (lacht laut).

Wenn wir 300’000 Franken pro Jahr sagen.
Kann sein.

Sie fragten Serey Die, woher er das Geld für seinen Porsche Cayenne habe.
Er ist ein Junge, der immer Geld braucht. Er muss seine Familie in Afrika unterhalten. Plötzlich taucht er mit einem Porsche Cayenne auf, das verblüffte mich.

Und wenn Sions Präsident beeindruckt ist, heisst das etwas.
Ich fragte ihn dann: Wenn du ständig Geld für die Familie brauchst und auf einmal mit einem Porsche Cayenne vorfährst, passt das nicht zusammen. Er sagte uns, sein Manager habe ihm dieses Auto besorgt. Diese Antwort hat uns nicht überzeugt. Dazu kommt, dass Serey Die seit Beginn der Saison vier oder fünf verschiedene Natelnummern hatte. Und er verstrickt sich dann in Widersprüchlichkeiten, warum er das macht.

Am Freitag verschickten Sie ein Communiqué, in dem Sie Mitreski, Dos Santos und auch dem jungen Aleksandar Prijovic schlimmes Fehlverhalten vorwerfen, nennen aber keine Gründe. Warum stellen Sie eigene Angestellte an den öffentlichen Pranger?
Ich habe handfeste Beweise.

Rechtlich ist es nicht haltbar, jemanden zu verdächtigen, ihm aber keine Beweise vorzulegen.
Das werde ich tun. Nächste Woche.

Mit Ihrem Communiqué sorgen Sie primär für Aufregung und wilde Spekulationen.
Wir wissen schon, was wir machen.

Aber die Spekulationen reichen bis hin zum Verdacht, dass Mitreski und Dos Santos auch mit Manipulationen zu tun hätten.
Wir haben nie gesagt, dass die zwei der Manipulation verdächtigt werden. Das stelle ich klar.

Es heisst, Sie würden den Spielern nächtliche Casino-Besuche zur Last legen. Sind das für Sie gravierende Misstritte?
Wenn Spieler in der Nacht auf Freitag bis morgens um 4 Uhr in einem Casino sind, ist das nicht vereinbar mit der Einstellung eines Fussballprofis, dann verdient er es nicht, das Trikot des FC Sion zu tragen. Wir bezahlen die Spieler, sie aber sind nicht bereit, das einzuhalten, was in ihren Verträgen steht. Dass sie sich seriös auf die Spiele vorzubereiten haben. Ist es normal, dass man das im Casino tut? Bis am frühen Morgen? Nein! Kein Präsident der Welt würde tatenlos zuschauen.

Aber mancher Präsident würde anders vorgehen und die Beweise vorlegen.
Wie gesagt: Nächste Woche.

Warum wurden nur Mitreski und Dos Santos intern gesperrt, nicht aber Serey Die und Prijovic?
Weil Serey Die und Prijovic Casino-Besuche zugegeben haben und nicht die ganze Nacht auf Freitag in Montreux waren. Die anderen beiden geben es aber nicht zu, obwohl wir wissen, dass sie dort waren.

Die Spieler wehren sich, ihr Anwalt auch. Er wirft Ihnen Rufmord vor.
Er kann sagen, was er will. Sobald die Farben des Klubs nicht mit letzter Hingabe vertreten oder gar verkauft werden, hört es auf! Dann ist das nicht mehr Sport.

Und Sion ist Ihre Leidenschaft.
Es ist mein Ziel, einen guten Klub im Wallis zu haben. Wir leben in unserem Tal zwischen Extremen: Auf der anderen Seite des Berges haben wir in Mailand mit Inter und Milan, im anderen Tal haben wir Thun. Ich möchte eher Mailand kopieren als Thun...(lacht). (SonntagsZeitung)

Erstellt: 28.03.2010, 20:39 Uhr

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2 Kommentare

Maurice Hofer

29.03.2010, 12:29 Uhr
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Meiner Ansicht nach sollte man im Fall FC Sion langsam einen Lizenz-Entzug in Betracht ziehen. Das Endlos-Kasperli-Theater ist zwar unterhaltsam, ist aber auch grob Image-schädigend für die Super-League. Solch ein Club gehört in die 1. Liga oder an ein Grümpelturnier. Leider geht es heutzutage im Fussball um solche Summen, dass Wettbetrug naheliegt. Antworten


alexandra westermann

29.03.2010, 09:31 Uhr
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Hr.Constantin mag ein exzentrischer Clubpräsident sein-warum nicht ?Es gibt genug farblose Typen in dieser Branche.Er bringt den Medien und seinen Lesern immer wieder Stoff zum lesen und vielleicht auch zum ärgern. Wer beruflich mit ihm zu tun hat( es geht um Mill.aufträge) kennt einen ganz anderen,nämlich sehr verlässlichen uns freundlichen Menschen-der stets bestens dokumentiert ist. Antworten



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