Wenn der Spieler zweimal unterschreibt

Zwei Teams, derselbe Neuzugang – ein seltsamer Transfer sorgt in Nordirland für hochrote Köpfe.

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Man tritt dem nordirischen Fussball nicht zu nahe, wenn man ihm eine gewisse Provinzionalität unterstellt. Profis gibt es selbst in der höchsten Liga keine, bestenfalls «part-timers», doch wenn einer von diesen 200 Pfund die Woche verdient, zählt er schon zu den Grossverdienern. In der Stadionbeiz («social club» genannt) gibt es dann und wann vielleicht eine Extrarunde Bier.

Nordirland hat politisch eine schwierige Vergangenheit, und in Belfast sind die religiösen Gräben bis heute zu sehen. Das ergibt je nach Stadtviertel mehr oder weniger grosse Rivalitäten, auch zwischen einzelnen Fussballclubs, schliesslich sind von den zwölf Teams der Liga vier in der Hauptstadt daheim. Aber selbst die sind eher gelebte Folklore denn wirklich ernst gemeint.

23 Fotos als Beweis

Zwei Vereine schicken sich allerdings an, der unaufgeregten Sache Zunder zu verleihen: Crusaders FC aus dem Norden und Linfield FC aus dem Süden. Linfield ist Rekordmeister, doch wurde dessen Dominanz in den vergangenen Jahren von den aufkommenden Crusaders angekratzt. Nach zwei Titeln der «Crues» schlug Linfield in der vergangenen Saison nun aber seinerseits zurück und gewann die Liga dank einer beeindruckenden Aufholjagd zum 52. Mal.

Und nun dies: In der vergangenen Woche vermeldeten beide Clubs den Zuzug desselben Spielers. An demselben Tag. Joshua Robinson habe einen Vierjahresvertrag unterschrieben, meldete Linfield am Donnerstagabend. Nein, konterten die Crusaders eine Stunde später: Joshua Robinson habe bei ihnen für drei Jahre unterzeichnet. Was den Club freue – schliesslich sei es die Rückkehr eines eigenen Juniors. Worauf Linfield auf seiner Website nicht weniger als 23 Fotos publizierte, die Robinson im Dress der Blues zeigen. Auf 14 ist er allein zu sehen, auf 9 zusammen mit Trainer David Healy.

Stolz melden auf Twitter beide Clubs den Zuzug – innerhalb von einer Stunde. Bild: Screenshot

Das liess sich wiederum der Rivale nicht bieten und zeichnete in gesalzenem Ton chronologisch nach, wie Robinsons vermeintliche Rückkehr von York City in England vonstattengegangen sei. Dass der 24-jährige Innenverteidiger den Club schon Anfang Juni wegen eines Wechsels kontaktiert, aber gebeten habe, den Vertrag erst auf den 29. Juni zu fixieren. Dass er bereits regelmässig mit dem Team und im Stadion auch alleine trainiert, die Ausrüstung und schon seine Rückennummer bestellt habe. Und dass die Crusaders wie vereinbart am 29. Juni beim nordirischen Fussballverband um den Transfer erbaten – und bei dieser Gelegenheit die Nachricht erhielten, das sei nicht möglich: Robinson habe bei Linfield unterschrieben.

Ein Fall für die Fifa?

Wenn am 12. August in Nordirland die neue Saison losgeht, wird Robinson also nicht für die Crusaders auflaufen. Für Linfield aber wohl auch nicht. Hat er tatsächlich zwei Verträge unterschrieben, wartet auf ihn eine Sperre. Die Crusaders nahmen sich einen Anwalt, der ihre Rechte vertritt, und sie schreiben in einer Medienmitteilung: «Diese Vorfälle dürfen nicht folgenlos bleiben. Unser Club, unsere Spieler und Verantwortlichen wurden durch das Verhalten von Mr. Robinson beleidigt.» Die «Crues» sind fürs Erste an den Landesverband gelangt, der noch zu keinem Urteil gelangt ist. Und mit ziemlicher Sicherheit wird der Fall auch die Fifa beschäftigen.

Währenddessen machen sich andere Teams lustig über den Transferstreit der beiden Rivalen. Portadown FC aus der zweithöchsten nordirischen Liga lieferte auf Twitter ein Statement: «Wir können bekannt geben, dass wir Josh Robinson NICHT VERPFLICHTET haben.»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.07.2017, 16:18 Uhr

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